# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S349 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 349 seine Undankbarkeit und Mangel an Vertrauen auf die göttlichen Verheißungen, wobei er von dem Gedanken gemartert wurde (denn es war ein Gedanke und nichts weiter), daß seine Nutzbarkeit als ein Diener des Evangeliums zu Ende wäre, indem die Gemeinde allen Re⸗ spect vor ihm verlieren, und schließen würde, daß er selbst jene Schriftwahrheiten nicht ge⸗ glaubt habe, welche er so lange Zeit und mit so offenbarem Ernste Anderen gepredigt hätte.“ Pharisäismus. So lesen wir im Kirchenfreund von Philadelphia im October⸗ heft: „Der vom Präsidenten angeordnete Bußtag (26. Sept.) wurde von allen Denomi⸗ nationen gefeiert. Aus den verschiedenen Reden, die an jenem Tage vor den Gemeinden gehalten worden, heben wir folgende Stelle aus: „„Unsere Lehrer — bemerkte Dr. Cheever in der Kirche der Puritaner, N. Y. — sagen uns ganz ernstlich, Gott sei zornig über uns wegen unseres Atheismus, Sabbathbrechens, weltlichen Sinnes, unserer Unmäßigkeit und aller jener Sünden, die Geschlechter und Nationen vor uns charakterisirt haben, mit Aus⸗ nahme der einen schreienden Sünde, die uns als einer Nation so eigenthümlich ist. Bei⸗ nahe alle Völker der Erde haben sich sinnlichen Vergnügungen hingegeben, auf mannigfache Weise Gottes vergessend seine Gebote und seine Sabbathe entheiligt, aber wir haben keinen Beweis, daß Gott jemals ein Volk gerichtet hat mit einem verwüstenden Kriege oder Auf⸗ ruhr, der aus irgend einer von jenen Sünden erwachsen, es sei denn Unterdrückung. Jak. 5, 1—4. Jer. 34, 17.““ Also besteht die ganze Schuld, die der Norden im gegen⸗ wärtigen Krieg zu bekennen hat darin, daß der Süden gesündigt hat!! Es läßt sich leicht denken, wie gern unbelehrte Zuhörer eine solche Bußpredigt gehört haben. Vergl. Hesek. 13. Synode von Wisconsin. Der Präsident dieser Synode sagt in seinem jüngsten Jahresbericht: „Wir haben in unserer ev.-luth. Kirche Gottes Wort lauter und rein, daran lasset uns wie unsere Väter im Leben und Sterben festhalten, dafür, wenn es sein muß, Gut und Blut, Leib und Leben aufopfern und lieber Alles erdulden, als ein Strichlein von der erkannten Wahrheit und unsern Bekenntnissen weichen.“ (S. Kirchenbote vom 11. Octbr.) Das klingt recht schön. Schade, daß es mit orthodoxen Phrasen nicht abge⸗ than ist. Antikritisches. — Die l. Leser der „Lehre und Wehre“ erinnern sich wohl, im September-Heft genannter Zeitschrift unter dem Titel: „eine Gewissensrüge“ ein kurzes Citat aus dem „Missionary“, betreffend die Niederlage der Unionstruppen bei Bulls Run nebst einer tadelnden Bemerkung gelesen zu haben. Darauf bezieht sich nun der Re⸗ dacteur des „Missionary“ in der Nummer vom 3. Oct., und nachdem er der ungewöhn⸗ lichen Geschicklichkeit, mit welcher „Lehre und Wehre“ redigirt werde, einigen Weihrauch gestreut hat, fährt er dann wörtlich also fort: „Wir bedauern nothgedrungen sagen zu müssen, daß die gewohnte Ehrlichkeit der Herausgeber sich nicht zeigt in einer kurzen Notiz, welche über die Ursache der Niederlage bei Bull Run im „„Missionary““ gegeben worden war. Durch Hinweglassung des wichtigsten Theils unsrer Bemer⸗ kungen, dadurch wir beabsichtigten, die voraufgehende Darstellung zu erklären, ist unserer Rede ein von dem beabsichtigten gänzlich verschiedener Sinn gegeben.“ — Das ist in der That eine harte Anklage, um so härter, als den Redacteuren der „Lehre und Wehre“ eine „gewohnte Ehrlichkeit“ beigelegt wird, von der sie durch den schuldgegebenen, am „Missi⸗ onary“ begangen sein sollenden Frevel mit einmal gewichen zu sein scheinen. Nun, wir wollen jeden ehrlichen Leser richten lassen, auf welcher Seite hier mit Recht über Mangel an Ehrlichkeit zu klagen sei — ob auf Seiten der „Lehre und Wehre,“ die nur die Hauptsätze des betreffenden Stücks citiren wollte, und selbst durch Punkte anzeigte, daß sie nicht die ganze Stelle anführe, — oder auf Seiten des „Missionary,“ der sie ohne allen Grund einer falschen Darstellung seiner Worte durch Hinweglassung des wichtigsten Theils seiner Bemerkungen bezüchtigt. Zu dem Ende folge hier die ganze Notiz in getreuer Uebersetzung: Sie führt die Aufschrift: „Die Ursache unseres Zurück⸗ geschlagenwerdens“ und lautet also: „Die politische Presse hat sich in Erklärung der Ursachen unserer demüthigenden Nieder⸗ „lage erschöpft und tiefgreifend und bitter sind die Anschuldigungen gegen gewisse Blätter