# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S348 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 348 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. lutherisch sein wollender Schreiber aus der Unionskirche, die sich hier aller⸗ dings in Weitherzigkeit selbst überbietet, indem es diesen Herren Unionisten offenbar unter den Füßen brennt, sich sogar mit dem Papst zu Rom zu uni⸗ ren oder eigentlich reuemüthig zu ihm zurückzukehren. * Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. America. Die Canada-Synode, die sich erst dieses Jahr gegründet hat, faßte bei Gele⸗ genheit ihrer vor kurzem gehaltenen Versammlung u. a. folgenden Beschluß: „1. beschlos⸗ sen, daß diese Synode die heil. Schrift A. und N. T. als die einzig untrügliche Regel des Glaubens, der Lehre und des Lebens anerkennt; 2. beschlossen, daß wir als eine lutherische Synode nicht allein die drei allgemeinen Glaubensbekenntnisse der christlichen Kirche, son⸗ dern auch zum Unterschiede von anderen Benennungen, die symbolischen Bücher der luth. Kirche, nehmlich die ungeänderte Augsburgische Confession und den kleineren Katechismus Luther's annehmen, indem wir dieselben als Regel und Leiter in der Auslegung der heil. Schrift anerkennen.“ An diesem Bekenntniß, wenn es aufrichtig gemeint ist, ist nichts auszusetzen, als daß es dann Wunder nehmen muß, daß die Synode sich nicht auch zu der Apologie, den schmalkaldischen Artikeln und der Concordienformel bekennt, ja geradezu nur zwei die symbolischen Bücher unserer Kirche nennt. Fast scheint es nicht unbillig, Verdacht Raum zu geben, daß das Bekenntniß der Canada-Synode doch nicht so ernstlich zu nehmen sei, da sie sich der bekenntnißlosen Generalsynode angeschlossen hat. Es ist schlimm genug, wenn rechtgläubig sein wollende Synoden in diesem unionistischen Verbande bleiben, wenn eine solche aber gar hinein geht, noch jetzt, nachdem Gott in den letzten Jahren Amerika aus Gnaden ein so helles Licht gegeben hat, — das ist fürwahr traurig und flößt ein schlechtes Zutrauen zu einer solchen Synode ein. Der Selbstmord eines Predigers, des Redacteurs des „Methodist Pro- testant“, eines Mannes von vorzüglichem Rufe, wird in dem genannten Blatte selbst, wie folgt, mitgetheilt: „Bei dem diesmaligen Erscheinen des Methodist Protestant ist es un⸗ sere schmerzliche Pflicht geworden, das traurigste Ereigniß aufzuzeichnen, was je in seinen Spalten seit dem ersten Tage seiner Veröffentlichung, als eines religiösen Zeitblattes, ein⸗ getragen worden ist. Der Ehrw. E. A. Reese, D. D., ist nicht mehr, und wollte Gott, die einfache Anzeige dieses betrübten Ereignisses wäre alles, was gesagt zu werden nöthig wäre, aber es muß hinzugefügt werden, daß dieser begabte, liebenswürdige und unschätzbare Bru⸗ der durch seine eigene Hand den Tod gefunden hat. Die erschreckliche That beging er in einem Paroxysmus des Wahnsinns, indem er sich mit einem Rasirmesser die Kehle durch⸗ schnitt, in seinem eigenen Hause in dieser Stadt (Philadelphia), den 14. September. Wir haben keine Neigung, auf die traurigen Einzelheiten dieser herzzerreißenden Tragödie einzu⸗ gehen, sondern werden einfach einige Hauptthatsachen darlegen. Wie noch tausend Andere, war Dr. Reese durch den unglücklichen und traurigen Zustand des Landes sehr stark nieder⸗ gedrückt worden, in der Besorgniß, wie es schien, daß er und seine mutterlosen Kinder, fünf an der Zahl und sämmtlich noch jung, bald in großen Mangel und Dürftigkeit versetzt werden würden. Von dieser Furcht litt er offenbar sehr tief und heftig, und doch glauben wir fest, sie war nur die unmittelbare und erweckende Ursache einer Verstandesverwirrung und Geisteszerrüttung, welche sich auf eine ganz andere Quelle zurückführen läßt. Ohne Zweifel war sein Geist überladen und überarbeitet durch zahlreiche und manchfallige und schwierige Pflichten, welche er nach dem ihm eignen liebevollen Wohlwollen zu erfüllen un⸗ ternommen hatte und wirklich erfüllte mit wunderbarer Pünctlichkeit seit einer Reihe von Jahren. In der Verwirrung seines Geistes und dessen aufregender Thätigkeit kam Dr. Reese unter den unbesiegbaren Eindruck, daß er schwer wider Gott gesündigt habe durch