# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S347 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die romanisirende Richtung des Volksblattes für Stadt und Land. 347 dern, auch der römisch-katholischen Kirche unsrer Zeit nicht ohne Weiteres werkheilige Gesinnung vorzuwerfen. Zwar müssen wir, wenn auch mit blutendem Herzen, so doch zur Ehre der Wahrheit eingestehen, daß sowohl in der Lehre, als in der Praxis dieser Kirche sich vieles eingeschlichen, wo⸗ durch der Meinung Vorschub geleistet wird, als könnte der Mensch durch die von der göttlichen Gnade ihm eingepflanzte, doch aber immer noch un⸗ vollkommene und mit Sünden befleckte Gerechtigkeit vor den Augen des heil. Gottes bestehen. Daneben sind aber die urchristlichen, ächt katholischen Traditionen dieser Kirche so mächtig, daß wir das erwähnte Element nicht für das wesentliche derselben ansehen können; es ist dieses vielmehr etwas Accessorisches, ein Staub, der sich auf die Heiligthümer gesetzt hat; das Fundament ist noch gut. Durch die ganze römische Kirche zieht sich in vielen kirchlichen Gebräuchen, Anordnungen, Erbauungsbüchern u. s. w. der feste Glaube hindurch, daß der, wenn auch noch so heilige, doch immer noch sündige Mensch vor dem Gerichte Gottes nur durch das Vertrauen auf das blutige Verdienst des Heilandes bestehen kann.“ — Und bald hernach finden sich sogar die Worte: „Wir pflegen nicht zu sagen: ohne den Glauben wird man nicht selig, sondern: allein durch den Glauben wird man selig. Aber hier scheint der symbolische Ausdruck auf katholischer Seite correcter zu sein als der unsere.“ — Im J. 1861 findet sich eine Empfehlung des Cöli⸗ bats, darin es unter Anderem also heißt: „Es mag zweifelhaft sein, ob Offenb. Joh. 14, 4. die Jungfräulichkeit selbst als die Stufe der höchsten Reinheit, oder nur als ein Bild davon aufgestellt wird. Wäre aber auch nur das Letztere der Fall, so wird sie doch schon damit zum Gegenstand der Bewunderung und des Strebens gemacht. — — Gewiß verdient es beachtet zu werden, daß der Erlöser, während er die andern Lebensverhältnisse durch seinen Eintritt in dieselben heiligte, für das eheliche Leben uns kein Vorbild gegeben hat. — — Wahrheiten, welche die römische Kirche, wenn auch cor⸗ rumpirt, bekennt, sind unserer protestantischen Christenheit gänzlich verloren gegangen. Ueber dem Kampf gegen die schreienden Misbräuche des dama⸗ ligen Kirchenthums entschwand den Reformatoren das Verhältniß des christ⸗ lichen Cölibats. — — Man darf erwarten, daß etwa ein Herkommen sich gebildet hätte, aus der Zahl dieser (ehelosen) Männer die höhere und hohe protestantische Geistlichkeit zu wählen. — — Indem der Protestantismus der römisch⸗katholischen Ueberspannung eine Ueberspannung nach der andern Seite hin entgegensetzt, wird er unfähig, den geschichtlich ihm vorgezeichne⸗ ten Beruf, auf Grund wahrer Katholicität gegen Irrthümer der Mutter⸗ kirche zu protestieren, in rechter Weise und mit Erfolg zu vollbringen.“ — Endlich heißt es daselbst vom Primat des Papstes: „Man sieht aus diesen (zuvor erzählten) Anekdoten, wie wenig begründet der gewöhnliche Vorwurf ist, daß die römischen Bischöfe sich den Primat aus Herrschsucht angemaßt hätten. Es ist ihnen im Gegentheil aufgedrungen worden (das ist in der That neu). — Doch genug von dieser eines Jesuiten würdigen Apologie, daß ich nicht sage Apotheose, der antichristischen Papstkirche aus der Feder