# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S345 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die romanisirende Richtung des Volkeblattes für Stadt und Land. 445 von einer römisch-katholischen Kirche, in der man lieber durch menschliche Bußmittel die Sünde los werden wolle, als in wahrhaftiger Herzensbuße durch das Blut Christi: während ich nur eine kenne, die zwar menschliche Buße als Zeugniß der wahrhaftigen Buße fordert, aber kein äußeres Buß⸗ mittel, wenn es rein äußerlich, ohne guten Willen (caritas) und ohne Glauben (fides) geleistet wird, als das geringste helfend ansieht. — Wenn es und wo es eine solche römisch-katholische Kirche gibt, wie er sie zerrbildet (so?), da sage ich auch: das wäre der Antichrist. Aber ich kann nicht anders zeugen als: eine solche römische Kirche ist mir noch nicht begegnet (wo lebt doch der Hr. Professor der Geschichte?). — — „Auch wenn sich mein Gegner vorzustellen scheint, die römische Kirche wolle vom Evangelium nichts wissen, irrt er sich ganz entsetzlich (ei!), im Gegentheil sie ist bona fide der Meinung, mit dem Evangelium im vollständigsten Einklange zu sein, freilich nicht überall mit dem, was die evangelische Theologie im Evan⸗ gelium liest. Das ist aber ein Streit über die Auslegung des Evangelii, nicht über dessen Autorität, und wenn wir meinen, die römische Kirche irre an ihrer Auslegung, so läßt sich darüber disputieren — aber doch hoffentlich im evangelischen Sinn und mit Milde — nicht schimpfen! — nicht falsch Zeugniß ablegen! ja nicht (wie gewissenhaft).“ — Im Jahrgang 1853 läßt sich Hr. Prof. Leo unter Anderem also vernehmen: „Die priesterliche Weihe und diese wieder in so viel Stufen, als die priesterlichen Functionen im Laufe der Zeit organische Unterschiede entwickelt haben, ist das Fundament (!) einer vollkommnen Kirche. Diese Weise kann aber nicht von Niederen vollzogen werden, nur der Höhere kann sie vollziehen, denn er allein hat das Urtheil und er allein hat die Kraft der Mittheilung und Bindung. Alle Obrigkeit muß von oben kommen. — — Die Succession ist dem Bisthum ganz nothwendig, denn ohne sie sind Weihen zu Priester- und Bischofs⸗ ämtern nur noch durch niedere, d. h. also in Wahrheit gar nicht möglich. — — Auch die Indelebilität (Unaustilgbarkeit) der Weihen gehört zum wahren vollständigen Priesterthum, denn ohne sie kann der Beamtete wie ein schlech⸗ ter Dienstbote, dem's nicht mehr gefällt, aus dem Dienste laufen. — — Für die Kirche zum vollen organischen Wuchs Christi halte ich das Bisthum, die Succession des Bisthums, den Priesterstand, die Priesterweihe und die Indelebilität desselben für wesentlich, wohlverstanden: ich glaube al⸗ lerdings daneben auch, daß der Geist Christi, der lebendig einkehrt in Chri⸗ stenmenschen, aus der wahren Lehre und aus dem Theil der Tradition, der in der Schrift beschlossen ist, unter der unmittelbaren Gnadenwirkung Got⸗ tes erwachsen kann zur Kirche, auch in einem losgerissenen Theil — sonst könnte ich ja nicht Protestant bleiben — ich glaube sogar, daß unter der unmittelbaren Einwirkung des Herrn — — — sich auch in einer solchen Kirche wieder ein wahres Bisthum bilden kann — aber so lange das Bisthum nicht, oder nicht mit dem vollen Charisma des Amtes — — aus⸗ gebildet ist, fehlt der Kirche das monarchische Moment und Christus ist Monarch und Haupt wohl dieses und jenes einzelnen Her⸗