# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S342 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 342 Referat vom Gesetz. daß der Arme mit mir esse, und ich nicht mit dem Armen esse, oder meinem Hause nehme und gebe es Fremden. Solches kann ja ein Christ auch wohl thun, auch gegen seinem Feinde, ob ein Jude oder Heide solches gegen seinem Feinde nicht thäte. Das heißt, da er spricht: Gib Jedermann, der dich bittet; bitten kann aber der nicht, der's nicht bedarf, sondern muß ein Bube sein. Darben“ (oder bedürftig sein) „ist auch mancherlei. Es bedarf wohl zuweilen einer sehr viel und über viel zu seiner unnützen schändlichen Pracht. Denen mag der Teufel genug geben. Christus redet mit seinen Christen, die zu leiden mit ihm berufen sind und die dieser Welt Leben brauchen zu jenem ewigen Leben, jeglicher nach seinem Stande; wie er spricht Luc. 12, 29.: Ihr sollt nicht hoch herfahren.. Es heißt: Habentes victum, zur Nothdurft des Leibes sollen wir alle genug haben und keiner den andern, auch den Feind nicht lassen, wie St. Paulus spricht, 1 Tim. 6, 8.: Gott gibt uns allen reichlich genug zum Brauch ꝛc... Zum andern, von dem Leihen ist eben zu reden, wie vom Geben geredt ist. Erstlich, daß ein Christ leihen soll, nicht allein dem Freunde, sondern auch dem Feinde, wie der HErr sagt Matth. 5, 46. und Luc. 6, 34.: Wenn ihr alleine leihet euren Freunden, was thut ihr sonderlichs? Leihen nicht auch Gottlose einer dem andern, daß sie Gleiches wiedernehmen? Zum andern, daß man leihe dem Dürftigen, und nicht dem Schalk oder Faulen, oder Prasser, wie droben vom Geben gesagt ist; davon Sirach sagt Cap. 29, 4.: Etliche meinen, es sei gefunden, was sie borgen; denken's nicht wieder zu geben. Solche faule Schelmen mißbrauchen dieses Gebots Christi und verlassen sich darauf, daß man schuldig sei zu leihen; darum soll man ihnen nichts leihen. Zum dritten, daß man leihe also, daß man's habe zu leihen und morgen oder über's Jahr auch leihen könne. Sonst ist das Sprüchwort recht: Gibst du mirs nicht wieder, so kann ich dir es nicht mehr leihen, das ist, ich muß wohl lassen, weil ichs nicht mehr habe zu leihen.. Wiederum sind die Kinder Adams auch so bitter: wenn sie sollten einen Rübenstiel leihen dem, der sie beleidigt hat, sie gäben ihm lieber alles, das die Landsknechte fluchen, und wollen dennoch Christen heißen und zum Sacrament gehen. Darum sehe jedermann zu, nach seinem Gewissen, wenn, wo, wieviel und wem er solle oder müsse leihen oder geben. Hierinne kann keine andere Maaß gesetzt werden, denn des Nächsten Nothdurft und die christliche Liebe, so Gott geboten hat dem Nächsten zu erzeigen, wie wirs wollten im gleichen Fall erzeigt haben von andern, wir wären Freunde oder Feinde. Solch Leihen ist ja nicht schwer noch unmöglich, daß die Sophisten hier nicht haben Ursach gehabt, unsers HErrn Gebot zu ändern und Gut⸗ dünken, das sie Consilia oder Räthe heißen, daraus zu machen; denn es lehret uns ja die Vernunft, daß einer dem andern thun solle, was man wollte von einem andern gern haben, wie der HErr daselbst sagt Matth. 7,