# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S341 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat vom Gesetz. 341 müßte nicht jedermann, sondern allein den Freunden geben, weil man allein die Freunde sollte lieben und die Feinde hassen. Dawider spricht Christus: Du sollt jedermann, das ist, nicht allein deinen Freunden, sondern auch deinem Feinde geben, und niemand ausschließen in seiner Noth und Durft, es sei Freund oder Feind. Solches geben seine Worte deutlich und klar, daß er daselbst spricht V. 47.: Wenn ihr allein euren Freunden gebet oder wohlthut, was habt ihr Großes gethan? Thun die Gottlosen und Zöllner nicht auch also, und geben ihren Freunden?.. Zum andern, so heißt solcher Jedermann nicht der, so sonst genug hat, oder haben kann; denn es sind (sonderlich dieser Zeit) über alle Maaße viel böser Schälke, die sich arm, nothdürftig und bettelisch stellen, und die Leute betrügen, welchen man sollte Meister Hannsen lassen seine Almosen geben mit dem Strange und Sacke, wenn die Obrigkeit nicht so lässig und faul wäre und die Galgen so gar vergeblich an die Straßen setzen und feiern ließe. So sind auch der faulen Leute jetzt noch viel mehr, die frisch, gesund und stark, wohl arbeiten, dienen und sich nähren könnten, verlassen sich aber darauf, daß die Christen und fromme Leute gerne geben. Und wo das Geben nicht reicht oder genug gibt, so erstatten sie es mit Stehlen, ja wohl mit Nehmen frei öffentlich, im Hofe, auf der Gassen, auch in Häusern.. Sol⸗ chen zu geben, hat Christus hier nicht geboten, sondern allein den Dürftigen in deiner Stadt, oder um dich, wie Moses auch lehret 5 Mos. 24, 14., die nicht arbeiten, dienen und sich nähren können, oder ihre treue Arbeit und Dienst nicht reichen will. Hie soll man helfen, geben, leihen, es sei Freund oder Feind. Solches kann ja ein Christ wohl thun, und ist ihm nicht so schwer, sonderlich wo die Regenten den ausländischen Bettlern und Streichern oder unbekannten und faulen Leuten wohnen. Zum dritten, soll ein Christ geben, so muß er zuvor haben; was nicht hat, das gibt nichts. Und soll er morgen oder übermorgen oder über ein Jahr auch geben (denn Christus heißt mich geben, so lange ich lebe), so kann er's nicht heute alles weggeben. Darum, da der HErr Christus gebeut zu geben, so gebeut er's freilich denen, so da haben und zu geben des Vermögens sind. Sonst heißt's: Räufe mich in der Hand. Aber die Mönche sind diesem Gebot meisterlich entlaufen. Etliche haben zwar nichts gehabt zu verlassen und allein den Bauch in dem Kloster (ja in der Küchen) gesucht. Etliche sind gewest, die haben alles weggegeben auf Einen Tag; aber allesammt haben sie dafür ewiglich genommen und ihnen ihr Lebelang und so lange lassen geben, bis sie mehr, denn die Welt selbst hat, bekommen haben. Ja, das ist fein gegeben: einen Pfennig um tausend Gülden, das ist, sehr wohl⸗ feil. Hiewider lehret St. Paulus die Corinther 1. Epistel 8, 13. 14., er begehre nicht, daß sie also geben, daß sie sollten Ungemach leiden und die, denen sie geben, guter Dinge sein. Nein, das begehret unser HErr Christus nicht, daß ich mit meinem Gut mich zum Bettler, und den Bettler zum Herrn mache; sondern seiner Nothdurft soll ich mich annehmen und, was ich vermag, ihm helfen,