# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S336 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 336 Referat vom Gesetz. ses an die Galater von 1519 und 1523 nach Buchenhagens Uebersetzung vom Jahre 1525: „Er spricht: Als dich selbst. Aller andern Gesetze Exempel sind zu nehmen außer uns, das aber wird uns inwendig in uns gezeigt; und nachmals, dieweil die äußerlichen Exempel nicht empfunden werden, auch nicht leben, so bewegen sie auch den Menschen nicht genugsam. Aber das Exempel empfindet man inwendig im Herzen, lebet und lehret aufs kräftigste; nicht mit Schriften oder Buchstaben, nicht mit Stimmen, nicht mit Gedanken, sondern mit dem Sinne der Empfindlichkeit und Erfahrung selbst. Denn wer empfindet nicht gänzlich in ihm, wie gar er alle Dinge suchet, ge⸗ denket, versuchet, die ihm heilsam, ehrlich und nothdürftig sind? Aber eben dieser Sinn und Empfindlichkeit ist eben ein lebendiger Anzeiger, eine inner⸗ liche Vermahnung und eine gegenwärtige Lehre, was du dem Nächsten schuldig bist, nehmlich eben die Dinge, die du suchest, und eben mit einem solchen Herzen. Was ist nun vonnöthen, daß wir uns mit vielen Büchern plagen? Was suchen wir viel Meister? Was bemühen wir uns selbst mit viel unnützen Werken und Gerechtigkeiten? Denn hierher, das ist, zu diesem innerlichen Sinn und Affect sind alle Gesetze zu leiten und zu wenden, alle Bücher und alle Werke darnach zu richten, und in dem ist ein Christenmensch aufzuwecken durch alle seine Werke und durch das ganze Leben. So hat nun kein kräftiger Exempel dieser göttlichen Lehre mögen gegeben werden; denn das sehen noch hören wir nicht, wie die Exempel der anderen Gesetze, sondern erfahrens und leben darinnen; und wir sind keine Zeit ohne dasselbige, auch dasselbige nicht ohne uns, sondern immerzu zu- gleich mit einander. So ist nun das eine vergebene und unnütze Frage, wenn du fragest: Was oder wieviel du deinem Nächsten schuldig bist? Es sollen die Distinctiones der sophistischen Magistrorum verflucht sein. Es ist nahend das Wort in deinem Herzen, Röm. 10, 8., so mit groben Buchstaben geschrie⸗ ben, daß du es auch greifen möchtest, nehmlich der du lebest und empfindest diese Regel in dir selbst. Er spricht als dich selbst sollst du lieben dei⸗ nen Nächsten, nicht weniger, als du dich selbst lieb hast. Nun, wie fast aber du dich selbst liebest, kann noch mag dir niemand das sagen, denn eben du selbst, der du dasselbige selbst empfindest, welches dir von einem An⸗ dern nur mag errathen werden. Derohalben es auch nie- mand besser dir sagen kann, denn eben du selbst, was zu thun, zu lassen, zu sagen oder zu wünschen ist dem Nächsten. Denn allhier hat das Sprüchwort nicht statt, da man spricht: Sein selbst Meister sein, sei die allerschändlichste Sache; ja, in der Sache bist du der allerbeste Meister dein selbst und der dich am wenigsten betrügen kann, obgleich alle andere betrüglich sind. So gar leicht und nahend ist gesetzt das Gebot Gottes, daß sich keiner entschuldigen mag, wenn er nicht recht leben wird... Du lernest auch aus dieser Regel, ohne alle Lehrmeister, daß du kannst Unterschied wissen unter den Werken und guten Werken: du wirst je klar also befinden, daß viel besser sei, dem Nächsten Gutes thun, wohl wollen, günstig sein, wohl reden, förderlich sein, und das