# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S334 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 334 Referat vom Gesetz. Heiden unverworren damit; gleichwie Frankreich den Sachsenspiegel nicht achtet, und doch in dem natürlichen Gesetze wohl mit ihm stimmet ꝛc. Warum hält und lehret man denn die zehen Gebot? Antwort: Darum, daß die natürlichen Gesetze nirgend so fein und ordentlich sind verfasset, als im Mose. Darum nimmt man billig das Exempel von Mose.“ (Luther's Werke, Erlanger Ausg. Band XXIX, S. 150—157. Walch. Ausg. XX, 203—211). So schreibt endlich Luther in seinem „Brief an einen guten Freund wider die Sabbather“ vom Jahre 1538: „Das dritte Gebot vom Sabbath, darauf die Juden hoch pochen, ist an ihm selbst ein gemein Gebot aller Welt; aber der Schmuck, damit es Moses schmückt und seinem Volk zueignet, ist niemands, denn allein den Jüden insonderheit aufgelegt; gleichwie im ersten Gebot niemand, denn allein die Jüden, sonderlich gläuben und bekennen sollen, daß der gemeine Gott aller Welt sie aus Egypten geführt hat. Denn des dritten Gebots eigentliche Meinung ist, daß wir des Tages Gottes Wort lehren und hören sollen, damit wir beide, den Tag und uns selbst, heiligen; wie denn auch allezeit hernach bis auf diesen Tag bei den Jüden am Sabbathtage Moses und die Propheten gelesen und gepredigt sind. Wo man aber Gottes Wort predigt, da gibt sichs selbst, daß man aus Noth muß zur selbigen Stunde oder Zeit feiern und still sein und ohne alle andere Geschäfte allein reden und zuhören, was Gott sagt und uns lehret, oder mit uns redet. Darum liegts auch gar und ganz an dem, daß man den Tag heiligen soll, mehr, denn am Feiern. Denn Gott spricht nicht: Du sollst den heiligen Tag feiern oder Sabbath machen (das findet sich wohl selber), sondern: Du sollst den Feiertag oder Sabbath heiligen, daß ihm gar viel mehr am Heiligen, denn am Feiern liegt. Und wo eines sollt oder künnt nachbleiben, so wäre besser das Feiern, denn das Heiligen nachblieben; weil das Gebot allermeist aufs Heiligen dringet und den Sabbath nicht gebeut um seines selber willen, sondern um des heiligens willen. Die Jüden aber achten das Feiern höher (welchs Gott und Moses nicht thun) aus ihrem eignen Zusatz, denn das Heiligen. Daß nun Moses den siebenten Tag nennet und wie Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen hat, darum sie nichts arbeiten sollen, das ist der zeitliche Schmuck, damit Moses dies Gebot seinem Volk insonderheit zu der Zeit anzeucht. Denn vorhin findet man solchs nicht geschrieben, weder von Abraham, noch der alten Väter Zeiten, sondern ist ein zeitlicher Zusatz und Schmuck allein auf dies Volk, so aus Egypten geführt ist, gestellet, der auch nicht ewig bleiben sollt, so wenig, als das ganze Gesetz Mosi. Aber das Heiligen, das ist, Gottes Wort lehren und predigen, welches ist die rechte, lautere und bloße Meinung dieses Gebots, ist von Anfang gewest und bleibt für und für bei aller Welt. Darum uns Heiden der siebente Tag nichts angeht, auch die Jüden selbst nicht länger angeht, denn bis auf Messiam; wiewohl die Natur und Noth zwingt, daß, welchs Tages oder Stunde Gottes Wort gepredigt wird, daß man daselbst, wie gesagt, stille sein muß, feiern oder Sabbath