# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 01 25_S84 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) lichen Geſetzes, nur Gott, der das Geſetz gegeben hat, kann aus eigner Macht Sünden vergeben: inſoweit ſagen die Schriftgelehrten mit Recht: „wer kann Sünde vergeben, denn allein Gott?“ (Marc. 2, 7.). Eben dadurch, daß Chriſtus Sünde vergibt, beweiſ't er ſeine ewige Gottheit und die ihm auch nach ſeiner menſchlichen Natur verliehene Macht über alles (Matth. 11, 27. 28, 18.). In dieſer Machtvollkommenheit, die er als Gottmenſch beſitzt, ſpricht er zu dem Gichtbrüchigen, deſſen Herz mit dem Glaubensfünklein darin ihm offenbar war: „Mein Sohn, deine Sünden ſind dir vergeben.“ Und als etliche Schriftgelehrte, die Chriſtum als einen bloßen Menſchen anſahen, darin eine Gottesläſterung finden, bekräftigt er das ihm zuſtehende Recht der Sündenvergebung durch ein Wunderwerk: „Auf daß ihr wiſſet, daß des Menſchen Sohn Macht habe die Sünden zu vergeben auf Erden, ſprach er zu dem Gicht⸗ brüchigen: Ich ſage dir, ſtehe auf, nimm dein Bett und gehe heim“ (Mare. 2, 10. 11.). Wie dem Gichtbrüchigen, ſo ertheilte der HErr auch der Sünderin in Simonis des Phariſäers Hauſe Vergebung der Sünden. Sie war wahrhaft buß⸗ fertig, ihre Reue zeigte ſich in ihren Thränen und ihr Glaube darin, daß ſie mit dieſen Bußthränen die Füße des HErrn JEſu netzte. Sie hatte Gnade in den Augen des HErrn gefunden, ſchon ehe ſie die Abſolution empfing; „ihr ſind viel Sünden vergeben“, ſagte der HErr ſchon vorher (Luc. 7, 47.). Aber damit ſie der Vergebung der Sünden recht gewiß werde, ertheilte er ihr die⸗ ſelbe auch auf eine von außen vernehmbare Weiſe, indem er zu ihr ſpricht: „deine Sünden ſind dir vergeben.“ Und da die, welche mit zu Tiſche ſaßen, bei ſich ſelbſt ſprachen: „Wer iſt dieſer, daß der auch die Sünden vergibt?“ bekräftigt er auch hier das ihm zuſtehende Recht dadurch, daß er dem Weibe ſeine Gnadenzuſicherung mit den Worten wiederholt: „Dein Glaube hat dir geholfen, gehe hin mit Frieden“ (Luc. 7, 36. ff.). Ebenſo ward dem Zachäus Vergebung der Sünden vom HErrn zu Theil. Die Worte: „Siehe, HErr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und ſo ich Jemand betrogen, das gebe ich vierfältig wieder“, ſind des Zachäus Beichte, in der ſeine Reue, ſein Glaube und ſein Gehorſam ſich ausſpricht. Und die Worte des HErrn: „heute iſt dieſem Hauſe Heil widerfahren“, ſind ſeine Abſolution, durch die ihm gewiß wurde, daß auch er inſonderheit zu den Verlornen gehöre, welche zu ſuchen und ſelig zu machen des Menſchen Sohn gekommen ſei (Luc. 19, 2. ff.). Gewiß hat der HErr die Macht, bußfertige Sünder ihrer Sünden quitt und ledig zu ſprechen, noch viel öfter ausgeübt, die Welt würde ja die Bücher nicht begreifen, die zu beſchreiben geweſen wären, wenn das Alles hätte erzählt werden ſollen (Joh. 21, 25.). Es gehörte zur ſichtbaren Verwaltung ſeines prophe⸗ tiſchen Amtes, die durch ſein hoheprieſterliches Werk erworbene Vergebung der Sünden buß⸗ fertigen Seelen auch wirklich zuzueignen, ſo wie er auch den Unbußfertigen und Ungläubigen ihre Sünden behielt. „Ich habe euch geſagt“, ruft er dem ungläubigen jüdiſchen Haufen zu, „daß 8⁴ ihr ſterben werdet in euren Sünden; denn ſo ihr nicht glaubt, daß ich's ſei, ſo werdet ihr ſterben in euren Sünden“ (Joh. 8, 24.). Aber vor Allem war er geſandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerſtoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, daß ſie los ſein ſollen, und den Blinden das Geſicht und den Zerſchla⸗ genen, daß ſie frei und ledig ſein ſollen (Luc. 4, 18.). Das Wort des Propheten ging durch ihn in Erfüllung: „Das zerſtoßene Rohr wird er nicht zerbrechen und das glimmende Docht nicht auslöſchen“ (Matth. 12, 20.). Zu dieſen zu⸗ eignenden Verkündigungen des Evangeliums war er auch nach ſeiner Menſchheit mit dem Geiſt des HErrn geſalbet, und es war ihm eine gelehrte Zunge gegeben, daß er wiſſe zu reden mit den Müden zu rechter Zeit. Nach vollbrachtem Erlöſungswerk ging der HErr zu ſeiner Herrlichkeit ein. Er ward auf— gehoben zuſehends und eine Wolke entrückte ihn den Augen der Seinen (Ap. Geſch. 1, 9.). Von nun an wollte er ſeine Macht, Sünde zu ver⸗ geben, nicht mehr ſichtbarer Weiſe ausüben, ob⸗ gleich er kraft ſeiner Verheißung in ſeiner Kirche unſichtbar gegenwärtig iſt bis an der Welt Ende. Aber er hat den evangeliſchen Gnadentroſt der Abſolution oder der äußerlichen Zueignung der Vergebung der Sünden nicht mit ſich von der Erde hinweggenommen, er hat die Gabe, die er für die Menſchenkinder, auch die Abtrünnigen, empfangen (Pſ. 68, 19.), uns nicht entzogen, ſondern er hat ein Amt der Verſöhnung gegrün⸗ det und dieſem den Haushalt über ſeine Gnaden⸗ mittel übertragen. Nachdem er aufgefahren iſt über aller Himmel Himmel, auf daß er Alles er⸗ füllete, iſt er, obgleich wir ihn nicht ſehen, doch immer noch unſichtbarer Weiſe in ſeiner Kirche wirkſam gegenwärtig; er hat etliche zu Apoſteln geſetzt, etliche zu Propheten, etliche zu Evange— liſten, etliche zu Hirten und Lehrern, daß die Hei⸗ ligen zugerichtet werden zum Werke des Amtes, dadurch der Leib Chriſti erbaut werde (Eph. 4, 12. 1 Cor. 12, 28.). Dieſelbe Liebe, welche ihn ſelbſt bewog, bußfertigen Sündern Vergebung der Sün⸗ den zu ertheilen, hat ihn bewogen, die ihm von ſeinem Vater verliehene Macht ſeinen Jüngern und in ihnen dem geſammten neuteſtamentlichen Lehramte zu übertragen. Der Auferſtandene ſprach zu ſeinen Jüngern: „Friede ſei mit euch. Gleich⸗ wie mich der Vater geſandt hat, ſo ſende ich euch.“ Und da er das ſagte, blies er ſie an, und ſprach zu ihnen: „Nehmet hin den Heiligen Geiſt; wel⸗ chen ihr die Sünden erlaſſet, denen ſind ſie er⸗ laſſen, und welchen ihr ſie behaltet, denen ſind ſie behalten“ (Joh. 20, 21—23.). Dieſe Worte Chriſti ſind, wie Auguſtinus ſagt, gewiſſer, als die Ediete und Diplome aller Kö⸗ nige. Wie alſo Chriſtus der Geſandte des Va— ters iſt, ſo ſind die Jünger die Geſandten Chriſti; die Gaben, welche Er zum Zweck ſeiner Sendung zu unſerm Heil vom Vater empfangen, gehen von ihm auf ſeine Jünger über. Zur Ausführung ihrer Sendung ertheilt er ihnen mittelſt des Odems ſeines Mundes aus ſeiner unendlichen Gottesfülle den Heiligen Geiſt, mit welchem er ſeiner Menſchheit nach ohne Maaß von ſeinem Vater geſalbet iſt. Die Macht, Sünde zu ver⸗ geben, oder zu behalten, welche ihm kraft ſeines Erlöſungswerkes von ſeinem Vater übergeben iſt, und die er als Gottesſohn urſprünglich beſitzt, trägt er als Herr der Kirche auf ſeine Jünger als Diener über. Weil er nach Entziehung ſeiner ſichtbaren Gegenwart nicht mehr ſelber dieſe Macht ſichtbar handhabt, und doch zum Troſte der gna⸗ denhungrigen aber blöden Seelen, ſo wie zum Schrecken der ſichern, beharrlich unbußfertigen eine ſolche Handhabung fortbeſtehen ſoll, ſo übergibt er ſie ſeinen Jüngern, und das Vergeben und Behalten der Sünden durch ſie ſoll gelten, weil der HErr ſelbſt, obwohl unſichtbar, mit ihnen und durch ſie wirket (Marc. 16, 20.). ö Die Vollmacht, Sünde zu vergeben, iſt mit der, das Evangelium zu predigen, welche ihnen als⸗ bald nach ihrer Berufung ertheilt wird (Matth. 16, 7.), nicht ein und dieſelbe. Denn etwas Anderes iſt es, lehren, durch wen und wie man Vergebung der Sünden erlangen könne; etwas Anderes, dieſe Vergebung wirklich mittheilen. Die Predigt des Evangelii ergeht an alle Men⸗ ſchen ohne Unterſchied; die Vergebung der Sün⸗ den aber wird nur den Bußfertigen ertheilt und ſoll ihnen, nachdem Chriſtus ſich zur Rechten des Vaters geſetzt, durch ſeine Jünger in derſelben Kraft zu Theil werden, in welcher er ſelbſt ſie wäh⸗ rend ſeines Wandels auf Erden ertheilt hat. Denn wie ihn ſein Vater geſendet hat, ſo ſendet er ſie; ſie ſind ſeine Bevollmächtigten, welche in ſeiner Macht handeln und durch den ihnen mitgetheilten Heiligen Geiſt in ſeinem Sinne zu handeln befähigt ſind, die Werkzeuge, durch die er ſelbſt, der in ſeiner Kirche allezeit gegenwärtige Heiland, das ihm zuſtehende Recht der Sünden⸗ vergebung auszuüben fortfahren will. Wenn ſie Sünden vergeben oder behalten, ſo ſoll es ſo kräftig, ſo wirkſam ſein, als ob Chriſtus ſelbſt es ſpräche; denn ſie thun es in Chriſti Namen, an Chriſti Statt. Wäre unter dem Erlaſſen der Sünden nur die Predigt des Evangeliums, unter dem Behalten die Ankündigung göttlicher Strafe zu verſtehen, ſo hätten die Worte Chriſti den nichtsſagenden Sinn: Welchen ihr das Evange⸗ lium predigt, denen wird es gepredigt, welchen ihr Gottes Zorn ankündigt, denen wird er an⸗ gekündigt. (Fortſetzung folgt.) Reue und Beſſerung. Ein Handwerksburſche in Magdeburg führte ein ſehr ausſchweifendes Leben, ergab ſich der Trunkenheit, ging die Wege der Wolluſt und ſchwärmte manche Nacht in den Wirthshäuſem umher. Als er auch einſt eine ganze Nacht un⸗ mäßig getrunken und geſchwärmt hatte und mit Anbruch des Tages von den Werken der Finſter⸗ niß zurückkehrte, begegnete ihm der Wächter, der eben die Stunde meldete und dabei den Verz ſang: Wach' auf, o Menſch, vom Sündenſchlaf! Ermuntre dich, verirrtes Schaf, Und beſſ're bald dein Leben!