# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S332 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 332 Referat vom Gesetz. stehen, weder Mosen noch Christum, und nicht drinnen suchen noch finden, denn ihre eigene Träume. Und wir legen hie den Grund aus St. Paulo, 1 Tim. 1, 9.: Dem Gerechten (wie denn ein Christ ist) ist kein Gesetz gegeben. Und Petrus Apost. 15, 10.: Was versucht ihr Gott, den Jüngern die Last aufzulegen, welche weder wir, noch unsere Väter haben mögen tragen? Sondern wir hoffen, durch die Gnade IEsu Christi selig zu werden, gleichwie auch sie worden sind. Mit diesem Spruch (gleichwie Paulus mit dem seinen) hebt auch St. Petrus den ganzen Mose mit allen seinen Gesetzen von den Christen. Ja sprichst du: Das wäre wohl wahr, von den Ceremonien und Judicialibus, das ist, was vom äußerlichen Gottesdienst und von äußerlichem Regiment Moses lehret; aber der Dekalogus daß ist, die zehen Gebote sind ja nicht aufgehoben, darinnen nichts von Ceremonien und Judicialibus steht. Antworte ich: Ich weiß fast wohl, daß dies ein gemeiner alter Unterschied gegeben ist, aber mit Unverstand; denn aus den zehen Geboten fließen und hangen alle andere Gebote und der ganze Mose“). Denn darum, daß er will Gott sein alleine und keine anderen Götter haben ꝛc., hat er so mancherlei und viel Ceremonien oder Gottesdienste gestellet, und also das erste Gebot durch dieselbigen ausgelegt, und wie es zu halten sei, gelehret. Item, darum, daß er Eltern gehorsam, keinen Ehebruch, Mord, Dieberei, falsch Zeugniß leiden will, hat er die Judicialia oder vom äußerlichen Regiment gegeben, damit solche Gebote verstanden und vollbracht worden. Darum ist das nicht wahr, daß keine Ceremonien in den zehen Geboten sind, oder keine Judicialia; sie sind und hangen alle drinnen und gehören hinein. Und daß das Gott anzeigete, hat er selbst zwo Ceremonien mit ausgedrückten Worten hinein gesetzt, nehmlich die Bilder und den Sabbath, und will beweisen, daß diese zwei Stücke seien Ceremonien, auch auf ihre Weise aufgehoben im Neuen Testament: daß man sehe, wie Dr. Carlstadt in seinem Buch vom Sabbath eben so klüglich handelt, als von den Bildern. Denn St. Paulus Col. 2, 16. 17. spricht frei und helle: Laßt euch niemand Gewissen machen über Speise und Trank, oder eines Theils Tagen, nehmlich den Feiertagen, Neumonden oder Sabbather, welchs ist der Schatten von dem, das künftig war. Hie hebt St. Paulus den Sabbath ja mit Namen auf, und heißt ihn den vergangenen Schatten, weil der Körper, welcher Christus selbst ist, gekommen ist. Wenn Carlstadt weiter vom Sabbath würde schreiben, müßte der Sonntag noch weichen, und der Sabbath, das ist, der Sonnabend gefeiert werden: er würde uns wahrlich aller Dinge zu Juden machen, daß wir uns auch beschneiden müßten ꝛc. Denn das ist wahr, und kann niemand wehren, wer ein Gesetz Mosi als Moses Gesetz hält, oder zu halten nöthig macht, der muß sie alle halten als nöthig, wie St. Paul Gal. 5, 2. schleußt und *) Luther verwirft hier nicht die Eintheilung der Gesetze Mosis in Moral⸗ Ceremonial⸗ und politische Gesetze an sich, sondern nur insofern, als man behaupten will, erstlich, in den zehen Geboten sei nur Eine dieser Arten enthalten, und zum andern, Moses Gesetz verbinde uns noch im Neuen Testament als geschriebenes Gesetz in irgend einem Theile.