# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S330 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 330 Referat vom Gesetz. Gewissen frei davon sind, so ist es doch gut und auch vonnöthen, daß man einen sonderlichen Tag in der Wochen halte, um das Wort Gottes dran zu handeln, hören und lernen. Denn Jedermann kann's alle Tage nicht gewarten. Auch fordert's die Natur, daß man in der Wochen einen Tag stille halte und enthalte sich von der Arbeit, beide, Menschen und Vieh. Wer aber nun ein nöthig Gebot will aus dem Sabbath machen, als ein Werk von Gott erfordert, der muß den Sonnabend halten, und nicht den Sonntag; denn der Sonnabend ist den Jüden geboten, und nicht der Sonntag. Die Christen aber haben bisher den Sonntag, und nicht den Sonnabend gehalten, um deßwillen, daß am Sonntage Christus auferstanden ist. Das ist nun ein gewiß Zeichen, daß uns der Sabbath nicht mehr angehet, ja, der ganze Mose, sonst müßten wir den Sonnabend halten; und ist eine große und starke Beweisung, daß der Sabbath aufgehoben ist. Denn wir finden durch das ganze N. T. an keinem Ort, daß der Sabbath uns Christen geboten sei zu feiern. Warum hält man denn den Sonntag auch bei den Christen? Wiewohl alle Tage frei sind und ist einer wie der andere, so ist's doch nütz und gut, ja, sehr vonnöthen, daß man an einem Tag Feier halte, es sei am Sabbath, Sonntag, oder an einem andern Tage. Denn Gott will die Welt säuberlich führen und friedlich regieren; darum hat er sechs Tage zur Arbeit geben, am siebenten Tag aber sollen Knecht, Taglöhner und allerlei Arbeiter, ja, auch Pferd, Ochsen und ander arbeitsam Vieh Ruhe haben, wie dies Gebot lautet, auf daß sie sich mit Ruhe wieder erholen; und sonderlich, daß die, so zu andern Zeiten nicht der Muße haben, am Feiertag die Predigt hören und Gott dadurch lernen erkennen. Und um solcher Ursach, nehmlich der Liebe und Nothdurft willen, ist der Sonntag blieben, nicht um des Gebots Mose willen, sondern um unserer Noth willen, daß wir ruheten und das Wort Gottes lerneten. Unsere Papisten habens aber, leider, dahin gebracht, daß wir härter ob unsern Feiertagen gehalten haben, haben ihr auch mehr gehabt, denn die Jüden. Es liegt aber nichts daran, wir feiern oder nicht, die Gewissen sind frei. Wer nicht will feiern, der arbeite immerhin; wir wollen ihn nicht schelten noch verjagen. Will er aber fromm sein, Gott lernen kennen, so brauch er den Feiertag um der Ursach willen, das er das Wort Gottes höre. Will er aber gar frech und ruchlos sein, so fahre er hin zum Teufel, als jene, die nichts anderes am Feiertage ausrichten, denn fressen, saufen, Tag und Nacht schwelgen. Das ist der grobe und äußerliche Verstand dies Gebots, welcher uns nicht bindet, sondern ist uns frei, stehet in unserer Macht und Willkühr, ob wir wollen feiern oder nicht. Wenn's meinem Nächsten noth ist, so lasse ich den Feiertag fallen, und diene dem Nächsten. Wenn er aber Unterweisung aus dem Wort Gottes bedarf, so entschlage ich mich der Arbeit. Darum hat der Pabst nicht Macht, weder Sonntag noch andere Tage zu feiern nöthig zu gebieten. Darum feiern wir aber, denn es ist uns noth, Gottes Wort zu lernen. Der geistliche Sabbath ist der rechte Sabbath, welcher gehalten wird, wenn das Herz den rechten Sabbath feiert, welches ist das höchste und recht