# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S325 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat vom Gesetz. 325 sonst kehre ich mich nichts dran, daß du mir viel aus Mose sagest. Denn Mose mit seinem Wort ist uns nicht gesandt, und ob Moses schon nicht kommen wäre, so hätten wir dennoch gleichwohl dieses natürlich Erkenntniß durch Gott in unser Herz geschrieben gehabt, daß ein Gott ist, der alle Dinge mache und erhalte. Denn auch die Heiden Gott angebetet haben ohn Mose Lehre, wie wohl sie Gottes, gleich wie auch die Jüden, gefehlet haben. Darum kannst du bald antworten: Lieber Schwärmer, Moses hin, Moses her. Willt du, daß ich dich höre, so sage mir ein Wort, das mich angehet; oder ich halte dich für einen Verführer und Teufels⸗Apostel, denn du predigest, das Andern, nicht dir befohlen ist. Sollt ich alle Wort Gottes annehmen und halten, so müßte ich auch einen Kasten bauen, wie Noah; denn Gottes Wort hat ihm befohlen, daß er einen Kasten bauet. Nu ist ja da Gottes Wort, so gehe hin, und thue wie Noah, baue einen Kasten. Item, Christus hieß Petrum an das Meer gehen und den Angel einwerfen, und einen Fisch fahen, der am ersten heraufführe, in welches Mund er finden würde einen halben Gulden, den sollte er zu Schoß geben für ihn und sich. Da ist auch Gottes Wort. Aber lieber Schwärmer, gehe hin, und thue auch wie Petrus thät; laß sehen, wie dirs wird anstehen. Darum müssen Gottes Wort den Zusatz haben, daß ich wisse, zu wem sie gesagt sind. Also sage ich hie, daß das Bildstürmen und Umreißen der Götzen nicht mag erzwungen werden aus diesem Text“ (des ersten Gebotes). „Denn er ist den Jüden allein gesagt, und nicht uns. Weise mir einen Text, damit mir Gott verboten hat die Bilder; nicht, daß ich den Bildern hold sei, sondern daß wir gewiß wissen sollen, worauf unser Glaube gegründet sei, daß wir nicht auf den Sand bauen, und unsern Widersachern könnten antworten. Denn ein Prediger, ja, auch ein jeglicher Christ soll und muß seiner Lehr gewiß sein, nicht auf einen Wahn bauen, oder mit Menschendünkel umgehen, sondern der Sach gar gewiß sein, daß also sei, und nicht anders; das Paulus „πληροφορίαν“ (Col. 2, 2. „Reichthum des gewissen Verstandes“) nennet; auf das er stehen könnte in aller Anfechtung, und dem Teufel und allen seinen Engeln, ja, Gott selber ohn alles Wanken antworten. Die Jüden haben zwar ein Gebot, daß sie nicht sollen Bilder haben; aber das Gebot haben sie zu enge gespannet. Denn Gott verbeut die Bilder, die man aufricht, anbetet und an Gottes Statt setzet. Denn es sind zweierlei Bilder. Drum macht er einen Unterscheid, und gibt eine Regel, welche Bilder verboten sind, nehmlich, die man aufricht, als wären sie Gottes Bilder; wie denn der Text gewaltiglich schleußt. Drum ist denen hie das Maul gestopfet, die da sagen: Den Jüden sind alle Bilder verboten. Hie wird kein Bild verboten, denn die, dadurch der Gottesdienst wird verhindert. So wird nun hie kein ander Bild verboten, denn Gottes Bilde, das man anbetet. Man wehret den Kindern, daß sie nicht sollen auf die Bank steigen, und auf den Tisch sitzen, daß sie nicht herabfallen; item, daß sie nicht zum Wasser gehen, daß sie nicht ersaufen; man läßt ihnen nicht Brodmesser in den Händen, daß sie sich nicht stechen; also wehret man den Kindern, daß doch die Natur nicht verbeut.