# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 01 25_S83 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ——— — 2 ſtiſche Art, haben aber einen mehr evangeliſchen Sinn und eine durchaus freie Kirchenverfaſſung. Ihre erſte Entſtehung fand ſchon 1755 durch den deutſch-reformirten Prediger Otterbein ſtatt, der ſich mit einer Anzahl Reformirter, Lutheraner, Mennoniten, Täufer oder Tunker und einigen Methodiſten zuſammenſchloß, wobei ſie einige unter ihnen beſtehende Verſchiedenheiten, nament⸗ lich in Betreff der Taufe, dem Gewiſſen eines Jeden überließen. Sie zählten 1843 gegen 65,000 Communicanten mit 500 Predigern, hatten frü⸗ her blos deutſche, in neuerer Zeit aber auch viele engliſch⸗amerikaniſche Mitglieder. „Ich bemerke noch, daß ich gern glaube und an⸗ erkenne, daß unter den Methodiſten überhaupt und auch ins Beſondere unter den biſchöflichen Methodiſten viele theure Kinder Gottes ſind. Es liegt mir völlig fern, dies in Abrede zu ſtellen. Aber ich glaube auch, daß ein hohes Maaß von Aufrichtigkeit und Demuth erforderlich iſt, um durch das Gift all der Reizungen zur Heuchelei und Selbſterhebung, welches in den methodiſtiſchen Einrichtungen liegt, keinen Schaden zu nehmen. „Schließlich rufe ich meinen lieben deutſchen Landsleuten zu: Seid auf der Hut vor den Me⸗ thodiſten! Iſt ihre Zahl und ihr Selbſtgefühl noch etwas gewachſen, und geſtalten ſich die Ver⸗ hältniſſe in Deutſchland einigermaßen günſtig hiefür, ſo kommen ſie nach Deutſchland hinüber! Wenn dann nicht mit anderm Eifer, als wie eine Zeitlang der Fall geweſen, von den evangeliſchen Predigern Deutſchlands im Geiſte der evangeliſchen Kirche Buße und Bekehrung gepredigt worden iſt: ſo werden die Methodiſten im Geiſte ihrer Kirche es thun, und viele unerfahrene Gemüther werden ihnen zufallen! Aber auch eure deutſchen Brüder in Amerika überlaſſet doch den Händen dieſer Menſchen nicht, ſondern ſendet ihnen evangeliſche Prediger! Denn nur wo dieſe fehlen, gewinnen die Methodiſten Eingang, weil die Leute denken: wir haben nun einmal keine andre Gelegenheit, eine Predigt zu hören. So ſprach ich einen Mann aus der Gegend von Minden, von tiefem Gemüth und ernſtem Weſen, der in den erſten Jahren ſeines Hierſeins viel Beſchwerde und Noth durchgemacht hatte und dadurch zur innern Einkehr gekommen war. Er erzählte mir Folgendes: „„Nachdem ich zwei Jahre lang gar keinem Gottesdienſte bei⸗ gtwohnt hatte — denn, obgleich ich gern viele Meilen weit darum gegangen wäre, ſo hatte ich doch gar keine Gelegenheit dazu — ging ich einſt an einem Sonntag-Morgen am Ufer des Miſſouri dahin. Da kam grade ein Dampfſchiff den Strom hinauf, und die Glocke desſelben läutete. Als ich dieſen Ton hörte, gedachte ich daran, daß ich in Deutſchland jeden Sonntag die Kirchenglocke läuten hörte und zur Kirche gehn konnte, und die hellen Thränen liefen mir die Backen herunter. Ich ging in meinem Schmerze zu einem Manne, der aus meiner Gegend war, fand ihn aber nicht, zu Hauſe, ſondern bloß ſeine Frau. Als ich ihr llagte, was mich drückte, fing ſie an, mit mir zu weinen, und ſagte mir, daß auch ihr es ſo ſchwer auf dem Herzen liege, ſo ohne Gottes Wort dahin zu leben. Bald darauf kam ein Methodiſten⸗ 83 prediger hieher, und ich ward Methodiſt. Hätte ich gewußt, daß nach einiger Zeit ſolche evangeliſche Prediger wie K. und R. hieher kommen würden, ich wäre nicht Methodiſt geworden.““ Nun, ihr lieben Brüder in der Heimath, wollt ihr ſolche Seelen, wie die Seele dieſes Mannes, ferner den Methodiſten zur Beute werden laſſen? — Sie müſſen ihnen aber zur Beute werden, wenn nicht evangeliſche Prediger in größerer Zahl, als wie bis⸗ her, nach Nordamerika und namentlich in die weſt⸗ lichen Staaten Nordamerikas herüberkommen.““) Ueber die Schlüſſelgewalt, die Abſolution und die Beichte. (Aus der Harleß'ſchen Zeitſchrift.) Der Zweck der Menſchwerdung des Sohnes Gottes war die Erlöſung der Menſchen von der Sünde und ihren Strafen; die erſte und nächſte Frucht ſeines Erlöſungswerkes, welches er in der angenommenen menſchlichen Natur vollbracht hat, iſt ſomit die Vergebung unſerer Sünden. Wie wir durch den Glauben an ihn, den Erſchie⸗ nenen, Vergebung der Sünden erlangen, ſo die Väter des alten Bundes durch den Glauben an das zukünftige Heil. Darum iſt es einſtimmige *) Wenn irgend Jemand mit einem günſtigen Vorurtheil für die Methodiſten aus Deutſchland nach Amerika herüber gekommen iſt, ſo bin ich's. Ich that mir Anfangs recht eigentlich Gewalt an, um ihre Schattenſeiten zu überſehen. Allein mit der Zeit traten mir dieſelben ſo grell und nächt⸗ lich entgegen, daß ich nicht länger meine Augen dagegen verſchließen konnte und mich genöthigt ſah, meine frühere gute Vorſtellung von den Methodiſten gänzlich aufzugeben, ſo ſchwer mir dies auch wurde. In einem Reiſebericht von mir, der in den „Palmblättern“ (Januarheft 1847) gedruckt iſt, habe ich nach verſchiedenen Mittheilungen über meinen Verkehr mit den Methodiſten in New York geſagt, ich wolle mich über die Schattenſeiten des Methodismus nicht aus⸗— laſſen, da dieſelben in Deutſchland ohnedies bekannt genug ſeien. Ich habe aber jetzt Grund, zu vermuthen, daß eine tiefere Einſicht in das eigentliche Weſen des Methodismus, ſowie ſie mir früherhin fremd war, auch manchen andern Chriſten und Theologen in Deutſchland abgeht! Und doch iſt es von Wichtigkeit für jeden Chriſten, darum zu wiſſen, wenn ein ſo zahlreicher Theil ſeiner Brüder von dem rechten Wege abirrt. Denn wenn ein Glied leidet, ſo leiden ja alle Glieder mit. Sodann habe ich bei der vorſtehenden Schilderung noch die Abſicht, die ich hiemit als Bitte aus⸗ ſpreche, daß doch alle nach Amerika auswandernden Deut⸗ ſchen und beſonders diejenigen, in denen der Geiſt Gottes ſchon ſein Werk hat, zum Vorans mit dem ganzen Treiben der Methodiſten bekannt gemacht werden möchten, damit ſie hier ihre Augen aufthun und wohl prüfen, um nicht Flitter⸗ gold und Knallſilber für ächtes Gold und Silber anzuſehen. Sollte Jemand meinen, ich habe die Schattenſeiten des Methodismus allzu ſchwarz gezeichnet, ſo verſichere ich ihm, daß ſehr viele gläubige Prediger hier im Lande, wenn man ihnen meine Schilderung zur Durchſicht und Ueberarbeitung vorlegte, aus ihrer reichern Erfahrung noch gar manchen Schattenſtrich hinzufügen und manchen, von mir gemachten noch bedeutend verſtärken würden. So erhielt ich kürzlich einen Brief von einem lutheriſchen Prediger, der, viele hun⸗ dert Meilen von hier entfernt, in einem ganz andern Staate wohnt, und deſſen Namen unter den Chriſten in Würtem⸗ berg, das ſeine Heimath iſt, einen ſehr guten Klang hat. Er ſpricht ſich darin über die Methodiſten alſo aus: „„Die Methodiſten treiben ſeit Kurzem ihr ſchlaues Weſen hier. Liſt und Lügen begleitet ſie. Ich muß bekeunen, ich ſehe an ihrem Thun keinen Jüngerſinn. Sie werden hier auch keinen großen Fang thun, ohne daß Einige, die unredlichen Herzens ſind und lieber lehren als hören wollen, ſich an ſie anſchließen. Das Wort, das reine Gotteswort, wird ſiegen über die Sectengeiſter, wie über den grellen Unglau⸗ ben.“ 7— Lehre des Alten und Neuen Teſtamentes, daß durch Chriſtum Vergebung der Sünden erworben iſt und erlangt wird. Der Apoſtel Petrus, der ge⸗ wiß das prophetiſche Wort verſtand, ſagt dies ausdrücklich: Von dieſem zeugen alle Propheten, daß durch ſeinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen ſollen (Apoſt. Geſch. 10, 43.). Und als nun der Sohn Gottes, auf deſſen heilbringende Zukunft das Glaubens⸗ auge der Väter gerichtet war, wirklich erſcheinen ſollte, da ward ſein Name im Voraus Jeſus ge⸗ nannt; denn — ſagt der Engel — er wird ſein Volk ſelig machen von ihren Sünden (Matth. 1, 21.). Johannes der Täufer erkannte in ihm das wahrhaftige Sühnopfer, und wies auf ihn mit den Worten: Das iſt Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt (Joh. 1, 29.); und bereitete ihm den Weg, indem er den Bewohnern Jeruſalems und des jüdiſchen Landes, die zu ihm kamen, das Bekenntniß ihrer Sünden abnahm (Matth. 3, 6.) und ihnen die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden ertheilte (Mare. 1, 4.). Der HeErr ſelbſt bezeugt klar den Zweck ſeiner Erſcheinung, wenn er ſagt, daß er gekommen ſei, um ſein Leben als ein Löſegeld für Viele dahinzugeben (Matth. 26, 28.). Nach ſeiner Auferſtehung nennt er Buße und Vergebung der Sünden als die Früchte ſeines Leidens und Auferſtehens, als Hauptinhalt der Predigt von ihm unter allen Völkern (Luk. 24, 46. 47.). Vergebung der Sünden iſt demnach Kern und Stern der apoſtoliſchen Predigt; eben dadurch iſt ſie ein Evangelium, eine fröhliche Bot⸗ ſchaft. „Thut Buße“, predigt Petrus am Pfingſt⸗ feſt (Ap. Geſch. 2, 38.), und laſſe ſich ein jeglicher taufen auf den Namen JEſu Chriſti zur Ver⸗ gebung der Sünden.“ „Er iſt die Vergebung für unſre Sünde“, ſchreibt Johannes (1 Joh. 2, 1. 2. 3, 5.), „nicht allein aber für die unſere, ſondern für die der ganzen Welt.“ „Er iſt er⸗ ſchienen, auf daß er unſere Sünde wegnehme.“ Und von dem glaubensgewiſſen und glaubens⸗ freudigen Zeugniß dieſer hauptſächlichſten durch Chriſtum erworbenen Gnadenwohlthat, an welcher wie Glieder einer goldenen Kette alle andern han⸗ gen, ſtrömen alle Briefe Pauli über. „An ihm“, ſchreibt er, gleichſam mit Fingern nach ſeinem Kreuze weiſend, „haben wir die Erlöſung durch ſein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden, nach dem Reichthum ſeiner Gnade“ (Epheſ. 1, 7. Col. 1, 14.). Und der Verfaſſer des Briefes an die Hebräer, der uns die Herrlichkeit des Neuen Bundes vor dem Alten, beſonders des Hohen⸗ prieſterthums ſchildert, bezeugt gleich im Eingange (Hebr. 1, 3.), daß der, welcher der Abglanz der Herrlichkeit Gottes und das Ebenbild ſeines un⸗ ſichtbaren Weſens iſt, gemacht hat die Reinigung unſerer Sünden durch ſich ſelbſt. Unſer Heiland IEſus Chriſtus hat uns aber nicht bloß Vergebung der Sünden erworben, er hat nicht bloß gelehrt, daß er zu unſerer Er⸗ löſung, damit unſere Sünden uns vergeben wür⸗ den, erſchienen ſei — er hat auch die durch ihn er⸗ worbene Vergebung der Sünden hie und da ein⸗ zelnen Perſonen wirklich ertheilt und zuge— eignet. Die Sünde iſt Uebertretung des gött⸗