# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1861_S323 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat vom Gesetz. 323 bräche und wandelte dir also den Muth, daß du nicht für aller Welt Gut aus dem Kerker wärest, sondern bätest, daß der Kerker ja bleiben und du drinnen sein möchtest, der dir nun kein Kerker mehr, sondern ein Paradies worden wäre. Sage mir, welche Erlösung wäre hier die beste? Ist's nicht wahr, diese geistliche ist die beste? Denn in der ersten bliebest du ein armer Bettler, wie vorhin; aber hier hättest du einen freien Muth und alles, was du wolltest. Siehe, also hat uns auch Christus vom Gesetz erlöset geistlich; nicht das Gesetz zerbrochen und abgethan, sondern unser Herz, das zuvor ungern darunter war, also verwandelt, so viel Gutes ihm gethan und das Gesetz so lieblich gemacht, daß es keine größere Lust noch Freude hat, denn in dem Gesetz; wollte nicht gerne, daß ein Titel abfiele.“ (Luthers Werke, Erl. Ausg. VII, 289. 290. Walchs Ausg. XII, 343.). Auf unsere ganze Frage antwortet Luther also in seiner „Auslegung der zehen Gebote“ aus dem 19. und 20. Capitel des 2. B. Mosis, gepredigt zu Wittenberg 1528: „Zum ersten ist zu merken, daß uns Heiden und Christen die zehen Gebot nicht betreffen, sondern alleiner die Jüden. Das bezeuget und zwinget der Text: „„Ich bin der HErr dein Gott, der dich aus Egyptenlande, aus dem Diensthause, geführt habe.““ Das ist ja wahr und klar genug, daß wir Heiden durch Gott nicht aus Egypten geführt sind, sondern allein das jüdische Volk Israel. Darum deutet Mose die zehen Gebot allein auf das Volk, welches durch Gott aus Egypten ist geführt. Daß wir aber gleich auch den Gott, den die Jüden ehren, der sie aus Egypten geführt hat, erkennen, anbeten und ehren, haben wir nicht durch Mosen oder aus dem geschriebenen Gesetz, sondern aus anderen Schriften und aus dem Gesetz der Natur. Das rede ich abermal darum, daß ich den falschen Geistern wehre, die uns Mosen auf den Hals mit Gewalt wollen legen, ihn zu halten mit allen seinen Geboten. Das wollen wir aber lassen und ihn mit dem allermindesten Titel nicht annehmen, denn so ferne, wo er mit dem natürlichen Gesetz übereinstimmt. Wir wollen ihn wohl lesen, wie einen andern Lehrer, frei und ungezwungen; aber für unsern Gesetzgeber wollen wir ihn nicht haben. Denn wir haben vorhin im Neuen Testament Gesetz genug. Darum wollen wir ihn nicht haben in unserm Gewissen, sondern das Christo allein rein behalten. Also ist es ja klar, daß die zehen Gebot allein den Jüden gegeben sind, und nicht uns. Trotz allen Rottengeistern, daß sie mit Wahrheit anders sagen! Darum will ich abermal hie gewarnet haben alle Prediger. Denn ich siehe, daß vonnöthen ist, daß sie ja wohl lernen den rechten Brauch Mosi und das Volk mit dem Mose unverworren lassen, und ihn ja nicht weiter lassen gelten, denn zu einem Exempel und wo er ein Evangelist und Prophet ist. Wenn dich nun ein Prediger will auf Mosen dringen, so frage ihn, ob du auch unter dem Mose aus Egypten geführt seist. Spricht er: Nein: so sprich: Was gehet mich denn Moses an, weil er redet mit dem Volk, das aus Egypten geführt ist? — Siehe in der ganzen Schrift alle Gottes Wort.