# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1861_S320 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 320 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Lehrstücken unter dem Beistande Gottes zu einerlei Verstand zu gelangen, und durch ein persönliches Zusammensein das Band christ⸗brüderlicher Gemeinschaft fester zu knüpfen. Durch Gottes Gnade ist dieser Zweck erreicht worden und es ist unter uns keine Lehr⸗Differenz geblieben, die uns irgend hindern könnte, mit aller Freudigkeit unter einander in voller Kirchengemeinschaft zu stehen. Auch daß die drei genannten Pastoren vom Ober⸗Kirchen⸗Collegium sich geirrt haben, die der liegnitzer Diöcese aber nicht, hinderte im geringsten nicht das einigende Bewußtsein der gemeinsamen Mitgliedschaft einer und derselben Kirche. Denn von einander verschiedene Verfassungsgedanken trennten uns nicht, indem einerseits wir liegnitzer Diöcesanen uns darüber völlig klar waren, wir werden unsern drei Brüdern folgen müssen, wenn nicht unsere gemeinsamen Gegner die von ihnen öffentlich vertheidigte falsche Lehre vom Kirchenregiment widerriefen und sie von der General⸗Synode in ihren Aemtern belassen würden; andrerseits aber die drei abgetretenen Pastoren erklärten, sie werden unverzüglich sich wieder unter das Ober⸗Kirchen⸗Collegium stellen, sobald die von etlichen Gliedern des Collegs vertheidigte päpstische Lehre vom Kirchenregiment von der gehofften General⸗Synode verworfen würde. (Auch die Synodal⸗Beschlüsse erklärten sie, sich bis auf weiteres gefallen lassen zu wollen, nur daß sie nicht unbedingt an dieselben wollen gebunden sein.) — So sehr die Versammelten davon überzeugt waren, daß P. Diedrich in dem von ihm geführten Streit von persönlichem Haß gegen seine Gegner frei sei, so hielten sie es doch für ihre Pflicht, diesen von GOtt so reich begabten Streiter zu ermahnen, künftig in seinen Streitschriften, bei aller Bestimmtheit und Entschiedenheit in Behandlung der Sachen, verletzende Ausdrücke zu vermeiden und der Personen möglichst zu schonen, — welche Ermahnung P. Diedrich annahm. Zuletzt wurde noch von den liegnitzer Diöcesanen beschlossen, an ihre Amtsbrüder in Preußen einen Zuruf zu richten, ihrerseits das Zustandekommen der von den Parochieen Erfurt, Liegnitz und Reinswalde beantragte General⸗Synode nach Kräften zu fördern, und zugleich öffentlich zu erklären, daß sie mit den Pastoren Wolf, Diedrich und Räthjen ungeachtet ihrer Lossagung vom Ober⸗Kirchen⸗Collegium in Sacramentsgemeinschaft verbleiben. Dieser von den liegnitzer Diöcesanen (nur P. Geßner war nicht anwesend) unterzeichnete Zuruf lautet folgendermaßen: „Zuruf an die Pastoren und Gemeinden der evangelisch⸗lutherischen Kirche in Preußen. Von drei unsrer Parochien ist eine General⸗Synode beantragt worden. Wir unterzeichnete Pastoren der Diöcese Liegnitz richten an Euch, geliebte Brüder, die herzliche Bitte, das Zustandekommen derselben an Eurem Theile nach Kräften zu befördern. Denn wir haben das drückende Gefühl, daß, wenn dieser einzige kirchenordnungsmäßige Weg zu möglicher Verständigung unter uns und zu hoffender Wiedervereinigung mit den ausgeschiedenen Brüdern nicht beschritten wird, unsere Lage je länger desto unerträglicher werden würde. Wir erkennen die Lehre vom Kirchenregiment, wie sie auf der vorigen Synode von den hervorragenden Gliedern des Ober⸗Kirchen⸗Collegiums behauptet, von der Majorität nicht gemißbilligt und neuerdings in der Brochüre des Herrn Directors des Ober⸗Kirchen⸗Collegiums Geheim⸗Rath Dr. Huschke: „Vorläufige Schutzwehr u. s. w.“, ausgesprochen ist, für schrift⸗ und bekenntnißwidrig und erklären, daß wir den ausgeschiedenen vier Pastoren die Sacramentsgemeinschaft nicht versagen können, weil wir uns mit ihnen auf einerlei Bekenntnißgrund stehend erblicken. Der HErr gebe uns Allen Gnade, in Demuth zu erkennen und zu thun, was einem Jeglichen unter uns die Liebe zu unsrer theuern Kirche und die Betrachtung ihres gegenwärtigen ernsten Standes gebeut, und thue selbst nach Seiner Barmherzigkeit, was zu unserm Frieden dient! Reinsch. Ehlers. Semm. G. H. Gumlich. Alb. Ebert. Christ. Fengler. Witte, erwählter Pastor der Parochie Alt⸗Kranz.“ Wien. Seit Erlaß des neuen Protestantengesetzes schreitet man mitten in Wien selbst mit der Bildung von Gustav⸗Adolphs⸗Vereinen ernstlich vor, wie der Allg. K. Z. unter dem 25. Juli von dorther gemeldet wird. Böhmen. Die Säcularfeier des Todestages des vor 446 Jahren am 6. Juli Märtyrer gestorbenen Johannes Huß ist am 7. Juli, als dem nächsten Sonntage, dieses Jahr in den böhmischen, nicht römisch⸗katholischen Kirchen gottesdienstlich begangen worden!