# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1861_S319 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 319 nach Jahren kam sie wieder zu sich, konnte nun aber kein Wort hochdeutsch, und wußte nichts von allem, was mit ihr vorgegangen war. Wie klar zeigt sich hier, daß jene erhöhten Zustände somnambul waren, und welch ein bedeutsamer Fingerzeig ist auch das, daß der Zustand des Bußpredigens, der oft für eine außerordentliche Wirkung des heil. Geistes ausgegeben ist, so rasch in einen wahrhaft satanischen Zustand übergeht!“ Vgl. Apostg. 16, 16—18. Die Kastenfrage. Ueber die durch Missionar Ochs angeregte Kastenfrage hat nun auch Prof. Dr. Hengstenberg seine Stimme abgegeben in seiner Ev. Kirchenzeitung vom 6. u. 10. Juli d. J. Er weist dabei mit großer Klarheit nach, daß diese Streitigkeit die größte Aehnlichkeit hat mit dem großen Kirchenstreite im 16. Jahrhundert und daß Ochs die Seite Carlstadts, das Leipziger Missionscollegium die Seite Luthers vertritt. Zugleich weist er aus solchen Stellen wie Apost. 16, 3. 1 Cor. 9, 20. Apost. 18, 18. 21, 21—26. nach, daß ohne Zweifel die Leipziger in ihrer Praxis die heiligen Apostel zu ihren Vorgängern haben. Endlich bringt er es an dem Beispiel des heiligen Petrus zu völliger Evidenz, daß ein Mensch ein wahrer Christ sein könne, wenn er auch noch in dem Vorurtheil des Kastenwesens hart gefangen ist. Apost. 10, 1—28. Die letztere Beweisführung ist um so wichtiger und meisterlicher, da gerade Apost. 10, 15. die „eiserne Mauer“ des Missionars Ochs und seiner Partei sein soll. Tod. Im Monat August starb der manchen der Leser wohl bekannte Lic. F. M. A. Hänsel, Oberdiakonus an der Neukirche zu Leipzig und Privatdocent daselbst im 69. Lebensjahre. Ehler's Kirchliches Zeitblatt ist vom 1. Juli an erschienen. Darin wird u. A. in der 1. Nummer Folgendes gemeldet: In Magdeburg sind nun schon thatsächlich zwei einander gegenseitig ausschließende Gemeinen vorhanden, indem der Sup. P. Lasius die Gemeineglieder, welche dem Pastor Wolf nicht gefolgt sind (in dessen Trennung vom Ober⸗Kirchen⸗Collegium), mit Wort und Sacrament bedient habe. Er war nehmlich nach Magdeburg gekommen, gegen Past. Wolf eine Untersuchung zu führen und hat diesen vom Amte suspendirt, — welche Suspension Past. Wolf nicht anerkannt hat. Der Vorstand der luth. Gemeine in Liegnitz hält es für das Beste, daß eine Generalsynode wieder berusen und auf derselben nicht der Streit über die Lehre wieder erneuert, sondern versucht werden, eine Art und Weise aufzufinden, wie unter denen, die in der Lehre vom Kirchenregiment von einander abweichen, die Sacramentsgemeinschaft aufrecht erhalten werden könne. In der zweiten Nummer bekennt Ehlers, es werde ihm immer klarer, daß es sich in ihrem Streite um die Wahrheit der Reformation Luthers handle, indem unter ihnen die römische Lehre vom Kirchenregiment wirklich gelehrt werde: Pastor Dr. Schröder zu Thorn hat sein Amt als Pastor der luth. Gemeine zu Thorn niedergelegt. Auch P. Räthjen hat sich mit den von ihm bedienten Gemeinden vom Ober⸗Kirchen⸗Collegium getrennt. Die Kirchen⸗Collegien von den drei Parochieen Erfurt, Liegnitz und Reinswalde haben beiden Ober⸗Kirchen⸗Collegien die Berufung einer außerordentlichen General⸗Synode, welche dieses Jahr noch gehalten werden soll, beantragt. Nach der 3. Nummer hat Dr. Huschke eine Schrift geschrieben: „Vorläufige Schutzwehr aus Gottes Wort, den Bekenntnißschriften und Luther wider die neue Lehre des Pastor Diedrichs und seines Anhangs. Allen denen, die noch wirklich lutherisch bleiben und sich der Zerreißung der Kirche nicht mitschuldig machen wollen.“ (30 Seiten.) Ehlers beginnt in jener Nummer die Widerlegung dieses Pamphlets, worin Dr. Huschke zu beweisen beabsichtigt, daß es in der Kirche ein Kirchenregiment gebe, dem man in allen Dingen, die nicht wider Gottes Wort sind, aus göttlichem Rechte Gehorsam schuldig sei. Eine Pastoralconferenz. Folgendes lesen wir in der 3. Nummer des „Kirchl. Zeitblattes“ von Ehlers: „Am 2. und 25. Juli waren die Pastoren der liegnitzer lutherischen Diöcese in Brieg bei Groß⸗Glogau zu einer Conferenz versammelt, zu welcher die vom Ober⸗Kirchen⸗Collegium abgetretenen Pastoren Wolf, Diedrich und Räthjen eingeladen waren und sich auch eingestellt hatten. Der Zweck der Zusammenkunft war der, neben der vorhandenen Einigkeit in der Lehre vom Kirchenregiment, auch in andern einschlagenden