# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1861_S288 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 288 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. eben darin die Schwäche der Symbole zu sehen schien, daß es außer denselben noch andere Lehren gibt, die jetzt erst in den Vordergrund treten! Weiter unten schreibt H.: „Wohl aber wird der Einzelne ein Recht haben und zwar in um so höherem Grade, je mehr er ein echter Sohn der Kirche ist, vorhandene Schwächen zur Sprache zu bringen.“ — Wir leugnen nicht, daß alle diese und ähnliche Aeußerungen sich zum Besten kehren lassen; aber wollen wir dies thun, so sehen wir nicht, was sie dann der Kliefoth'schen Zeitschrift gegen⸗ über für einen Sinn haben sollen. Dieser wird nicht einfallen, diese Grundsätze, wenn besser gedeutet, als sie klingen, bekämpfen zu wollen. Nun ist aber Hengstenberg der Mann nicht, der Sätze entgegenstellt, die keinen Gegensatz enthalten. Obige Aeußerungen sind daher höchst verdächtig und dürften zu der Befürchtung gerechten Anlaß geben, daß Hengstenberg, hartnäckig an seiner unirten Landeskirche festhaltend, anstatt Fortschritte Rückschritte mache. Dies zeigt auch die bald darnach folgende Apologie der Union. Hengstenberg billigt z. B., daß dem Minister von Raumer „der Gedanke der Beseitigung der Union völlig fremd war,“ obgleich er Lutheraner sein wollte, und daß derselbe die Be⸗ seitigung schon deshalb nicht angestrebt habe, „weil er das Verlangen nach Vereinigung beider Confessionen in den Preußischen Zuständen, wie sie einmal sind, für zu tief begründet hielt.“ Wenn dies die Kliefothsche Zeitschrift dem Minister zum Vorwurf macht, spricht Hengsten⸗ berg, offenbar empfindlich werdend: „Es ist überall seine (eines Lutheraners in Preußen) Sache nicht, blind mit dem Kopfe durchzugehen, und ohne Rücksicht auf concrete Verhältnisse und Bedürfnisse sein Verhalten nach bloßen Theorien zu regeln.“ Das Wort Gottes, welches verbietet, mit dem Lichte Finsterniß verbinden zu wollen, ist ihm also eine „bloße Theorie,“ die concreten Verhältnissen und Bedürfnissen weichen muß! Hiernach hätte wohl mancher Märtyrer sein Leben und mancher Exulant seine Bequemlichkeit behalten können. Unionisterei. Dr. Stahl sagte in seiner Ansprache zur Eröffnung der diesjährigen Berliner Pastoralconferenz: „Einheit auf Kosten der Wahrheit stärkt nicht, sondern schwächt in dem Kampfe gegen das Reich der Unwahrheit, und menschlich gemachte Einheit führt nur zu noch größerem Zwiespalt.“ Urtheil über Bunsen. In der vorgenannten Ansprache theilt Dr. Stahl Fol⸗ gendes mit: „Das Comité des Englischen Zweiges der Ev. Allianz faßte eine Resolution, in welcher es sein tiefes Bedauern über den Tod Bunsen's und seine herzliche Theilnahme für die Hinterbliebenen ausdrückt. Hierbei bezeichnete es ihn als einen ausgezeichneten christlichen Staatsmann und Gelehrten, nur mit dem Hinzufügen, daß es „„nicht allen theologischen Anschauungen Bunsen's beipflichtet.““ Dagegen erhob sich ein Sturm in der Ev. Allianz zuerst und hauptsächlich in dem Theil derselben, welcher der bischöflichen Kirche angehört, und bei der wachsenden Mißbilligung des christlichen Publicums sah das Comité zuletzt sich genöthigt, die Resolution für aufgehoben zu erklären mit Ausnahme des Beileids für die Hinterbliebenen und der Anerkennung der dem Bunde geleisteten Dienste, das heißt mit andern Worten, die Bezeichnung als „„christlichen Staatsmann und Ge⸗ lehrten““ zurückzunehmen.“ Zeitgemäße Theologen in Deutschland. In einem Vortrag bei der jüngst gehaltenen Pastoralconferenz in Berlin sagte A. Wuttke: „Gegen Bekenntnißglau⸗ ben wie gegen Rationalismus gleich eifrig sich erklären, das ist die Bekundung eines recht zeitgemäßen Theologen der Gegenwart.“ Gewißheit in der Entscheidung. Dr. v. Harleß spricht in seiner Schrift: „Die Ehescheidungsfrage“ (1861) ein Wort aus, welches auch in anderen Beziehungen, als in der, in welcher es gesprochen ist, von großer Wichtigkeit ist: „Nichts ist erfreulicher, als eine Gewißheit der Entscheidung bei klarem Bewußtsein über die Schwie⸗ rigkeit einer Frage. Wo aber dieses Bewußtsein ganz zu fehlen oder mindestens sehr unklar zu sein scheint, da ist nichts gefährlicher, als die vermeintliche Gewißheit. Zu dieser kommt man nur durch Unkenntniß. Und diese Unkenntniß pflegt sich am meisten da einzustellen, wo man glaubt, mit dem Schriftwort an der Hand die Geschichte der Kirche ignoriren zu dürfen. Da dünkt sich denn leicht das jüngste Geschlecht als das klügste.“ Der Pastor Rocholl, welcher sein Amt in Sachsenburg im Waldeckschen des lutherischen Bekenntnisses wegen niedergelegt hatte, ist auf Präsentation des Kirchenpatrons Freiherrn von Klencke, vom Consistorio zu Hannover zum Pastor in Hämelschenburg ernannt.