# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1861_S284 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 284 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. seine Calamitäten und Schrecken, zusammt der scandalösen Corruption von Seiten vieler Amtinhaber, nur Gerichte des Himmels sind für dieses große System legalisirter Ungerech⸗ tigkeit und Unterdrückung.“ Predigtablesen. Dr. B. Kurtz erzählt in seinem Observer vom 16. August, um vom Predigtablesen abzuschrecken, einst habe eine Schottländerin, nachdem sie von ihrem blindgewordenen Prediger eine kräftige Predigt gehört hatte, Gott gepriesen, daß ihr Predi⸗ ger blind geworden, weil seine Predigt nach seiner Erblindung viel besser sei, als da er den Gebrauch seiner Augen noch gehabt und daher sein Predigten abgelesen habe. Religiöse Zeitschriften. Am 7. August haben sich zu Philadelphia eine An⸗ zahl Prediger und Laien versammelt und eine „Lutherische Association für Zeitungen und periodische Publication“ gebildet. Jede Person, welche Glied der ev.-luth. Kirche ist, kann ein Stockhalter in dieser Gesellschaft werden, durch Erwerbung eines Antheils am Stock (share) oder mehrerer zu je hundert Dollars. Die Gesammtzahl der Share's soll 1000 nicht übersteigen. Eine Executiv-Committee aus der Zahl der Stockhalter von sieben, von denen vier in Philadelphia wohnhaft sein müssen, soll die Geschäfte der Gesellschaft leiten. Die Subscriptionen für den Stock werden in zehen gleichen fristweisen Abzahlungen in Be⸗ trag von je zehen Dollars für jeden Antheil abgetragen, also daß während eines Rechnungs⸗ Jahres höchstens dreißig Dollars zu entrichten sind. Pränumerationen werden mit sechs pro Cent Zinsen belohnt. Die Executiv-Committee hat von Zeit zu Zeit pro rata solche Dividenden zu bestimmen, als ihr angemessen erscheinen mögen. Der von dieser Committee erwählte General-Editor oder die Editoren sollen alle von der Gesellschaft herausgegebenen Zeitschriften redigiren, es sei denn, daß die Committee andere Vorkehrungen trifft. Die Zeitschriften sollen die Interessen der ev.-luth. Kirche befördern und deren Lehren festhalten, wie dieselben in der heil. Schrift gelehrt und in der Augsburgischen Confession dargestellt sind, unter der Bedingung, daß die Editoren einen solchen freien Ausdruck der Meinung nicht verbieten sollen, als dem liberalen und aufgeklärten (enlightened) Charakter der luth. Kirche entspricht.“ In der am 7. August bereits gehaltenen Vorversammlung kam man überein, den Missionary, den Lutheran und den (weil.) Olive Branch zu einer guten wöchentlichen Zeitung für die luth. Kirche zusammen zu schmelzen. Die provisorische Com⸗ mittee wird gebildet von den Herren Dr. Joh. A. Seiss, B. Keller, D. Gilbert, D. M. For und H. Knauff. Vorsitzer derselben ist Rev. Joh. A. Seiss, D. D., Box No. 1744, Philadelphia. II. Ausland. Massenbekehrungen. Im Mai d. J. hielt Pastor Lilie zu Barsinghausen auf der Pastoralconferenz zu Hannover einen Vortrag, worin er u. A. von den Mitteln sprach, „mit einem Male neues Leben in der Kirche zu schaffen und die Massen in geistliche Bewe⸗ gung zu bringen.“ Er sagte: „Zu diesen Mitteln gehört 1. das Warten auf Zeichen und Wunder, insonderheit auf eine erneuerte Ausgießung des heil. Geistes. Diese soll, da sie auf gewöhnlichem Wege nicht kommen will, durch allerlei Künste herbeigeführt werden. Dazu werden s. g. geistliche Meetings gehalten in Stadt und Einöden, und ist's dann ge⸗ lungen, eine gewaltsame geistliche Erregung und Bewegung zu erzeugen, so wird aller Orten ausposaunt von den Tausenden, die mit einem Schlage bekehrt seien, und zur Nach⸗ ahmung aufgefordert. Hiergegen ist mit Bestimmtheit auszusprechen, daß alles Warten auf eine erneuerte Ausgießung des heil. Geistes eitel Schwarmgeisterei sei und gegen die Grundlehren unserer Kirche streitet, wonach die Kirche gegründet ist auf Gottes Wort und Sakrament, und wie sie entstanden, so soll sie auch weiter gebaut werden. Indem der Herr seine Jünger aussendet, ertheilt er ihnen den Befehl: „„Machet zu Jüngern,““ welches ge⸗ schehen soll durch Taufen und Lehren, also durch Gottes Wort und Sakrament. Hat der Herr seiner Kirche keine andere Mittel vertraut, so ist es nichts, als Unglaube, Willkür, wenn man durch das Warten auf Wundererscheinungen kund thut, daß man jene vom Herrn gegebenen Mittel für ungenügend halte, und darum entschieden verwerflich. Wer aber kein Vertrauen mehr hat zu den von Gott gegebenen Gnadenmitteln, der entsagt dem Dienst der Kirche, der kann Christi Jünger nicht sein.“