# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 01 11_S79 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — ein an allen dieſen „„‚Gnadenmitteln““ Theil, in dem blinden Vertrauen, durch die bloße Theil⸗ nahme und das Mitmachen deſſen, was dabei vorgeht, ſelig zu werden. Sie ſeufzen mit, ſie jauchzen auch vielleicht einnal mit, aber ihr Herz bleibt ungeändert. Und wenn ſie keine groben Sünden begehn, kann man ſie nicht hinausſtoßen. Sie leben und ſterben als gute Methodiſten — ob auch als gute Chriſten, das iſt freilich eine andre Frage. „Die Art und Weiſe, wie ein Methodiſtenpre⸗ diger wirken ſoll, iſt ihm in der Kirchenordnung auf's Allergenaueſte vorgeſchrieben. Es heißt darin im Allgemeinen zu ihm: „„Erinnere dich, daß ein Methodiſtenprediger jeden Punkt der Disciplin, er mag gering oder bedeutend ſein, zu betrachten hat! Du wirſt alle Vorſicht und Gnade, die du beſitzeſt, (hierzu) zu gebrauchen haben. Handle in allen Dingen nicht nach dei⸗ nem eignen Willen, ſondern als ein Sohn im Evangelium! Als ein ſolcher biſt du ver— pflichtet, deine Zeit guf die von uns vorgeſchriebene Weiſe anzuwenden, mit Predigen, mit Hausbe ſuchen, mit Le⸗ ſen, Betrachtungen und Gebet. Vor Allen, wenn du mit uns im Weinberge des HErrn arbeiten willſt, mußt du den Theil des Werkes thun und an den Orten, die wir zur Ehre Gottes am dienlichſten halten.““ Ueber das Predigen werden weiterhin unter Anderm fol⸗ gende Anweiſungen gegeben: „„Laß dein ganzes Betragen ernſthaft, nachdrucksvoll und feierlich ſein! Wähle den deutlichſten Text, den du finden kannſt!““ Dieſe letztere Anweiſung befolgen die Methodiſtenprediger ganz vorzüglich. Sie wählen namentlich Texte, welche über die Bekehrung handeln, und predigen: Ihr ſollt und müßt euch bekehren; thut ihr das nicht, ſo ſeid ihr verloren! ꝛc. ꝛc. Das Weſen der Be⸗ kehrung aber von verſchiedenen Geſichtspunkten her recht in's Licht zu ſetzen, den Leuten aus dem Worte Gottes, unter Berufung auf ihr Gewiſ⸗ ſen, ihre Entfremdung von Gott und die Noth⸗ wendigkeit der Bekehrung gründlich darzuthun, die herrſchenden Sünden und Laſter einzeln anzu⸗ greifen und aus der allgemeinen Verbreitung des gottloſen Weſens wiederum nachzuweiſen, wie nöthig eine völlige Herzens- und Lebensänderung ſei; dabei auch die manchmal in den Seelen vorhandenen Wirkungen der vorlaufenden Gnade nach IEſu Vorgang (Joh. 1, 47.) liebevoll an⸗ zuerkennen: dies Alles iſt des Methodiſtenpredi⸗ gers Sache in der Regel nicht. Er ſucht lieber ihr Gefühl zu erſchüttern, wobei die, zum Theil nach den wildeſten Gaſſenmelodien geſungenen Lieder der Methodiſten ihm wohl zu Statten kommen, dann die Erſchütterten zur Bußbank zu bringen und daſelbſt ſo lange mit ihnen zu beten und beten zu laſſen, bis der Geiſt ihnen bezeugt, oder bis ſie wähnen, der Geiſt habe ihnen bezeugt, daß ſie jetzt Gnade gefunden hätten und Kinder Gottes ſeien. „Würden dieſe Zeilen einem Methodiſtenpredi⸗ ger in die Hände fallen, ſo würde er in großem Eifer ausrufen: 4000 Deutſche ſind durch uns 79 in wenig Jahren bekehrt worden; iſt dies nicht allein Zeugniß genug, daß Gott mit uns iſt und unſer Werk rechter Art iſt? Ich erwidere: ein betrübtes Herz, wenn es eine ihm liebe Kirchen— melodie hört, wird dadurch getröſtet, ſelbſt wenn ſie von rohen Stimmen und unter vielen Miß— tönen geſungen wird. So auch ein heilsbegie— riges Herz, wenn es die Predigt von der Buße und Vergebung aus dem Munde eines Metho⸗ diſtenpredigers vernimmt, kann, trotz der ſchreien— den, dem Worte Gottes gradezu widerſtreitenden, Mißtöne des Methodismus, dadurch bekehrt und wiedergeboren werden. Dies leugne ich gar nicht. Allein der Ruhm hievon gebührt nicht euren Methoden und „„neuen Maßregeln““, denen ihr ihn ſo gern zuſchreibt, ſondern allein der altbe— währten Kraft des Wortes Gottes. Ob aber nicht viele der unter euch nach eurer Angabe ſtatt— gehabten Wiedergeburten vielmehr Mißgeburten ſind, das wird zu ſeiner Zeit offenbar werden. Was immer aber ihr in dieſer Hinſicht Gutes gethan haben möget, es wird reichlich aufgewo⸗ gen durch die ungleich größere Anzahl von See⸗ len, welche ihr geärgert und dem Reiche Gottes entfremdet habt. Und das nicht durch eure Pre⸗ digt der Buße, ſondern durch euer methodiſtiſches Unweſen, ſowie durch eure Anmaßung und euren Unverſtand. O, wie Manche habe ich kennen ge— lernt, deren Herz um deßwillen keinen Frieden finden konnte. Sie hatten von euch gehört, daß ſie ſich bekehren müßten, und der Geiſt Gottes hatte ihnen bezeugt, das ſei wahr. Sie hatten aber daneben in dem Wandel der Methodiſten ſo vieles Anſtößige geſehen, namentlich, als bei den Meiſten verbreitet, einen Mangel an Menſchen— freundlichkeit, Gelindigkeit und Demuth, bei Manchen noch dazu einen Mangel an Redlichkeit in Handel und Wandel. Sie hatten ferner das Stöhnen, Aufſpringen und Jauchzen in ihren Verſammlungen mit angeſehen. Sie konnten dasſelbe nicht für echten Gefühlsausdruck halten, weil ſie manchmal ſahen, daß es, ſoll ich ſagen, wie auf's Commando oder wie durch Sympathie, auf einmal Alle ergriff. Nun waren ſie im Un⸗ gewiſſen, ob ſie, da ſie dies Unweſen nicht mit— machen konnten, gleichwohl der Bekehrung nach— trachten, und noch mehr, wie ſie zu einer reinen und wahren Bekehrung gelangen ſollten. Wer iſt's nun, der den beklagenswerthen Zuſtand dieſer Seelen und den beſtändigen Kampf in ihrem Innern zwiſchen dem Gefühl, es müſſe anders werden, und dem Unwillen und der Erbitterung gegen die Menſchen, welche dies Gefühl zuerſt erregten, zu verantworten hat? „Aus dem bisher Geſagten wird der tiefer Blickende ſchon zur Genüge erkannt haben, daß durch die biſchöfliche Methodiſtenkirche Nordame— rikas ein ſtarker römiſcher Hauch hindurchgeht. Daß derſelbe aber bereits zu einer mächtigen Triebkraft geworden iſt, zeigt ſich in der hierarchi— ſchen Verfaſſung dieſer Kirche. Als der eifrigſte Verbreiter des Methodismus in Amerika, Franz Asbury, 1784 zuerſt den Titel eines Biſchofs angenommen hatte, ſchrieb ihm der große John Wesley, der Stifter des Methodismus (der den jetzigen amerikaniſchen Methoͤdismus wahr⸗ lich nicht als ſeinem Sinne entſprechend anerken⸗ nen würde), wie folgt: „„Deine Größe hat mir Kummer gemacht. Wie kannſt, wie darfſt du dich einen Biſchof nennen laſſen? Ich ſchaudere bei dem bloßen Gedanken daran. Die Menſchen mögen mich einen Mann oder einen Narren, oder auch einen Schurken oder Böſewicht nennen, und ich bin es zufrieden; aber ſie ſollen mich nie mit meiner Einwilligung einen Biſchof nennen. Um meinet willen, um Gottes willen, um Chriſti willen, mach' dieſer Sache völlig ein Ende! John Wesley.““ Außer den Biſchöfen gibt es in der biſchöflichen Methodiſtenkirche vorſitzende Aelteſte, Aelteſte (d. h. ſolche Prediger, welche Taufe, Trauung und Austheilung des Abend— mahls zu verrichten haben), Diakonen, reiſende Prediger, ſaßhafte oder Laienprediger, Ermahner, Claßführer, Verwalter — nur keine Laienälteſte! Sowohl auf den jährlichen Confereuzen oder Sy⸗ noden (33 an der Zahl), als auf den, alle drei Jahre ſtattfindenden Generalconferenzen der gan⸗ zen Methodiſtenkirche, befinden ſich nur Prediger und gar keine Laien. Nicht einmal die ſaßhaften Prediger, welche neben dem Predigen noch einen irdiſchen Beruf treiben, werden zu den Conferen⸗ zen zugelaſſen. Die Gemeinden haben in der That gar keine Rechte. Ihre Claßführer ſetzt ihnen der Prediger. Ihre Prediger ſchickt ihnen die jährliche Conferenz zu. Ihre wöchentlichen Geldſpenden fließen in die allgemeine Kirchen⸗ kaſſe, über deren Verwaltung ſie ebenfalls nicht mitzuſprechen haben. Während ſo die einzelnen Gemeinden gleichſam hülflos und unmündig da⸗ ſtehen, bildet hingegen die Geſammtheit der Bi⸗ ſchöfe, Aelteſten, Reiſeprediger ꝛc. ꝛc. eine ſo wohl gegliederte Einheit oder eine ſo complieirte und doch in allen ihren Theilen ſo ineinandergreifende Maſchine, wie es in der ganzen Welt keine zweite gibt. Die Einheit und Orgauiſation Roms iſt nichts hiegegen. Rom kann bei weitem nicht eine ſo genaue Controlle ausüben, als wie die Vor⸗ ſteher der Methodiſtenkirche thun, und die römi⸗ ſchen Prieſter würden ſich gewiß nicht zu dem verſtehen, was alle Methodiſtenprediger ſich ge⸗ fallen laſſen, zur jährlichen Conferenz zu gehen, ganz ungewiß, ob man ſie an ihrem bisherigen Platze laſſen oder weit hinweg nach Oſten oder Weſten ſchicken wird. Dieſe Verſetzungen, welche zuweilen alle Jahre, in der Regel alle zwei Jahre ſtattfinden, haben aber hauptſächlich den Zweck, durch den Reiz der Neuheit wieder „„eine Neubele⸗ bung“oder richtiger, eine neue Aufregung unter den Gemeindegliedern und noch lieber unter den Unbekehrten, welche umher wohnen, hervorzu⸗ bringen. „Ein höchſt bezeichnender Umſtand iſt ferner, daß die Methodiſten in hohem Grade abgeneigt ſind, eine Bekehrung als echt anzuerkennen, die im Verborgenen unter dem ſtillen Weſen des Gei⸗ ſtes vorgegangen iſt, ſei es in der Zurückgezogen⸗ heit des Kämmerleins oder unter der täglichen Berufs arbeit. Wenn hingegen bei einer Lagerver⸗ ſammlung oder bei einer andern ſtark beſuchten oder ſtark erregten Verſammlung der Ruf ergeht: Wer Frieden ſucht für ſein geängſtetes Gewiſſen, der komme hieher (zur Bußbank) und er wird ihn xů