# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1861_S283 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 283 Sünden und Ungnaden.“ Für die andere Behauptung beruft sich der Herr auf Luthers Worte: „Unsere Meinung aber ist diese, der Leib sei also mit oder in dem Brode, daß er wahrhaftig mit dem Brode gegessen werde, und daß alles, was das Brod wirket und leidet, auch dem Leib Christi zukomme, also, daß man mit Wahrheit sage, der Leib Christi werde getragen, gereicht, empfangen und gegessen. Das heißen die Worte: Das ist mein Leib.“ Damit aber der Schluß, den Herr E. K. macht, klärer werde, setzt er hinzu: „Im deutschen Orginal, wie es die Werke Luther's geben (Hallische Ausg. XVII, Seite 2486“ [soll heißen 2190]) „heißt es noch handgreiflicher: „„Also daß — der Leib Christi — gegessen und mit den Zähnen zerbissen werde.““ Man sieht hieraus, der Schreiber weiß nicht ein⸗ mal, daß letztere Worte eben nicht die des Orginals, sondern einer verkehrten Ueber⸗ setzung sind! Uebrigens wenn Luther wirklich anderwärts ähnliche Ausdrücke gebraucht, so ist dies eben nur eine sakramentliche Redeweise, bei welcher er nichts desto weniger den Sinn, welchen jener Schreiber damit verbindet, entschieden verwirft. So schreibt z. B. Luther in seinem großen „Bekenntniß vom Abendmahl“ von 1528: „Gleich⸗ wie Johannes spricht, daß er den h. Geist sahe, da er die Taube sahe, wie gehört ist: also fortan ist's recht geredet, wer dies Brod angreift, der greifet Christi Leib an, und wer dies Brod isset, der isset Christi Leib, wer dies Brod mit Zähnen oder Zungen zerdrückt, der zerdrückt mit Zähnen oder Zungen den Leib Christi; und bleibet doch allewege wahr, daß niemand Christi Leib siehet, greifet, isset oder zer⸗ beißet, wie man sichtlich ander Fleisch siehet und zerbeißet. Denn was man dem Brod thut, wird recht und wohl dem Leibe Christi zugeeignet um der sacramentlichen Einigkeit willen.“ (S. Werke, Walchsche A. XX, 1294.) Aehnlich ist es mit dem Vorwurf bewandt, Luther habe geglaubt und alle Alt-Lutheraner müßten daher consequent auch glauben, daß alle neugebornen Kinder vom Teufel besessen seien. Der Herr Gegner beweist mit diesem Vorwurf nur, daß er nicht im Stande sei, Luthers kühne Sprache zu verstehen. Luther, fern von Neuerungssucht, wie er war, behielt die alte Redeweise als einen starken Ausdruck für den Jammer der Erbsünde, in welchem allerdings alle neugebornen Kinder liegen. Das ist die kurze Lösung des ganzen Räthsels. So urtheilt auch Rudelbach. Er schreibt: „Als Luther zuerst sein Taufbüchlein 1523 aus⸗ gehen ließ, behielt er den doppelten Exorcismus bei nach dem Hauptgrundsatze, der ihn auch hier leitete, daß man nichts mit Gewalt abthun dürfe, wodurch das Evangelium keinen Schaden leide. Sein Standpunkt war völlig der Augustinische, wonach „„vom Teufel besessen““ und „„ein Kind der Sünde und Ungnade sein““ als einerlei galt; die ganze Beschwörung faßte er als eine bewegliche Klage der Kirche auf, die in dem Täufling ein neues Glied dem Reiche des Bösen entreißen und dem HErrn darbringen wollte.“ (S. Die Sacramentsworte. Von Dr. A. G. Rudelbach. 2. Aufl. Nördlingen bei Beck. S. 37.) Die Synode von Jowa hatte am Schlusse des J. 1860, wie wir aus Löhe's Mittheilungen ersehen, 25 organisirte und 4 noch nicht organisirte Gemeinden, 22 Prediger, 3 Schullehrer. Pastor Schieferdecker's Gemeinde zu Altenburg ist als aus 272 Seelen bestehend angegeben. Ueber die Ursache unseres Krieges spricht sich ein Correspondent des „Missionary“ vom 15. August u. a. folgendermaßen aus: „Die Calamitäten, welche um der Sclaverei willen über unser Land gebracht worden sind, erinnern uns, daß Gott dieselbe als eine große National⸗Sünde ansehe, für etwas so geringes wir und unsere Regierenden sie auch ansehen mögen. Er hat keinen Respekt für dergleichen etwas, was wir „„constitu⸗ tionelle Rechte““ nennen, wo jene Rechte wider die den geringsten seiner Creaturen von Gott gegebenen Rechte anstoßen und dieselben verletzen, und er wird nicht zulassen, daß wir uns hinter einen solchen lockeren Wall flüchten. Wir haben als Nation gesündigt, indem wir eine National⸗Constitution errichtet haben, welche das große Gesetz JEsu Christi übertritt und für ungültig erklärt.. Wir haben gesündigt wie Pharao, als er erklärte: Ich will das Volk nicht ziehen lassen. Als eine Nation haben wir in jener Clausel der Constitution, auf welche das Sclaven-Flüchtlings-Gesetz gegründet ist, dasselbe gesagt; und es mag sein, daß all' dieser Verrath und die denselben begleitenden Verbrechen, dieser große Krieg und alle