# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1861_S282 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 282 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. America. „The Lutheran.“ Dieses in Philadelphia erscheinende, sich in mancher Be⸗ ziehung vor dem Lutheran Observer und dem Missionary auszeichnende Blatt fährt leider noch immer fort, Einsendungen aufzunehmen, welche dem elendesten Chiliasmus das Wort reden. In der Nummer vom 19. Juli findet sich eine Darstellung des tausendjährigen Reiches von dem Vater Dr. S. S. Schmuckers, welche 1817 erschienen ist und nicht nur von jenen älteren amerikanisch-lutherischen Theologen, den Doctoren Helmuth von Phila⸗ delphia, Lochmann von Harrisburg, Daniel Kurtz von Baltimore u. A., sehr empfohlen worden sein soll, sondern die auch der Einsender als „schriftgemäß“ und als ein „kostbares Zeugniß“ empfiehlt. Nach dieser Darstellung soll selbst die zweite Bitte des heiligen Vater-unsers und folgende Stellen: Matth. 5, 35. 8, 11. 26, 29. Apost. 3, 20. 21. Röm. 8, 20. 21. 11, 25. 26., von dem tausendjährigen Reiche handeln. Christus soll sich dann in einem sichtbaren „Pavillon“ offenbaren, das Volk Gottes auch alle Civil-Gewalt und Autorität innehaben, „ihre zeitliche Glückseligkeit groß sein,“ das Lebensalter dem der vorsündfluthlichen Heiligen gleich kommen, die verstorbenen Märtyrer zwar nicht zum sterb⸗ lichen Leben auferweckt, aber Christi „Ministers“ und „Agents“ werden in der Admini⸗ stration seines „Government“ und einen vertrauten Umgang mit den Heiligen auf Erden pflegen, die Kirche die gesetzgebende Gewalt ausüben nach den Grundsätzen des N. T., und die Nationen nicht mehr nach menschlichen Gesetzen regiert werden. Eine Gewissensrüge. Der Redacteur des „Missionary,“ Dr. Passavant, schreibt in Betreff der Niederlage der Unionstruppen bei Bulls Run an jenem Sonntage, nachdem er der Urtheile der Presse über die Ursachen dieses großen Unglücks gedacht hat: „Aber die wahre Ursache unseres Unglücks war unsere furchtbare Sünde gegen das Gesetz Gottes. Der Plan zur Schlacht wurde für einen Sonntag entworfen und die⸗ selbe an diesem Tage geschlagen. Wäre sie auf den Montag verschoben worden, so würde man aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zurückgeschlagen worden sein. Die Sabbathsruhe würde unsere Armee gerettet haben.. Aber Krieg, ohne Religion begonnen, weiß von keinem Sabbath und der Tag des Herrn muß gebrochen werden, je nachdem es den „Civilians“ passend ist.“ Wir Amerikaner müssen hiernach wahre Engel von Frömmigkeit sein, da unsere schlimmste Sünde ist, daß uns unsere Feldherrn an einem Sonntage in den Kampf geführt haben. — Die Ohio-Synode westl. Districts war am 18. Juli u. ff. Tage ver⸗ sammelt. Prof. Lehmann präsidirte und Pastor Herbst war Secretär. In einem Sum⸗ marium der gefaßten Beschlüsse, welches der Lutheran Standard gibt, heißt es u. A.: „Es ist eine wohlbekannte Thatsache in Ohio und in anderen Theilen unseres Landes, daß, wo immer Missouri Gelegenheit erhält, sich in das Feld eines andern Pastors oder anderer Synoden einzudrängen (intrude,) es mit aller Gier der wildesten Secten bald eine Ent⸗ schuldigung fabricirt, seinen Endzweck zu erreichen.“ Ein guter Kuckucksruf. Einen Angriff auf Luther aus Unwissenheit macht ein Herr E. K. in Bucyrus, O. Derselbe behauptete vor einiger Zeit in der Ref. Kirchenzeitung von Cham⸗ bersburg, Penn., in der Nummer vom 15. April, die Alt-Lutheraner lehrten, „kleine Kinder seien schon vom Teufel besessen, nicht blos einige, sondern alle, auch solche, die die frömmsten Eltern haben,“ ferner, „daß Alle, die das Abendmahl empfangen, sogar mit den Zähnen das Fleisch Christi zerkauen.“ Welche grobe Unwissenheit dazu gehört, dies den s. g. Altlutheranern beizumessen, sieht jeder, der von der Lehre derselben auch nur gerüchtsweise gehört hat. Dieser Herr E. K. ist nun aufgefordert worden, seine Behauptungen zu beweisen, und was thut er? Er führt für die erste Behauptung Luthers bekannten Ausdruck in der Vorrede zum Taufbüchlein an: „Du hörest hier in den Worten dieser Gebete, wie kläglich und ernstlich die christliche Kirche das Kindlein herträgt und so mit beständigen, ungezweifelten Worten vor Gott bekennet, es sei vom Teufel besessen und ein Kind der