# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1861_S278 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 278 „Bist du ein Meister in Israel und weißest das nicht?“ gewonnen würden, ihn aber des Ruhmes der Schriftkunde, der Beredtsamkeit und des Eifers nicht beneideten. Hinwiederum in Apollo zeigt sich eine wunderwürdige Bescheidenheit und Fügigkeit, daß er, so sehr er auch durch Beredtsamkeit ausgezeichnet und in der Schrift bewandert war, sich dennoch von Laien (wie sie sie nennen), von einem Handwerker (denn Aquila war ein Teppichmacher), ja selbst von einem Weibe, und von bisher ihm unbekannten Leuten unterweisen ließ. Und wie? wenn diese Kritiken der Predigten gleichsam durch ein Gesetz in der Kirche geheiligt sind, da der heil. Paulus sagt, die Geister der Propheten seien den Propheten unterthan, 1 Cor. 14, 32. Denn mit diesen Worten lehrt er, daß Gott die Gaben seines Geistes den Propheten oder Schriftauslegern nicht dazu verleihe, daß sie aufgeblasen, Sonderlinge oder eigensinnig seien, die niemand hören, sondern allein weise sein wollen, sondern daß sie ihre Lehren und Gaben andern Propheten oder Lehrern der Kirche gern zur Beurtheilung unterwerfen, andere bescheidentlich hören und sich gegen jeden, der Richtigeres vorbringt, fügsam erweisen. — ———— (Eingesandt von A. W.) „Bist du ein Meister in Israel und weißest das nicht?“ Bei diesem Worte Christi sagt Jacob Andreä, dieser gottselige, gelehrte und für die luth. Kirche so ungemein thätige Theolog, „Haupturheber und Förderer des Concordienwerkes,“ in einer zu Leipzig gehaltenen und 1579 im Druck erschienenen Predigt u. a. Folgendes, was auch in Amerika der Beherzigung werth sein dürfte: .....„Es soll aber allen Doctoribus der heiligen Schrift gesagt sein. Ich rede aber nicht von Doctoribus in den hohen Schulen. Ein jeder Pfarrherr auf dem Dorf ist ein Doctor; denn Doctor heißt ein Lehrer. Bist du ein Doctor auf der hohen Schule zu Jerusalem und weißt das nicht? Hiebei ist zu lernen erstlich, daß man Niemand das Lehramt soll befehlen, es sei denn auch der Mann danach. Denn am jüngsten Tage werden die müssen dafür antworten, die Narren auf die Dörfer setzen und den armen Leuten so jämmerlich vorstehen. Wenn die Pfarrherren Nichts können, Nichts wissen, was sollen sie denn Andere lehren? Es wird auch am jüngsten Tage unser Herr Gott aller derer Blut, die verführet, von dieser Leute Händen fordern, die sie dazu gefördert haben. Und im Fall, daß man Einen wollte fördern, und er weiß, daß er dazu untüchtig ist, soll er so vernünftig sein und sagen: Ich will's nicht thun. Soll ich mich eines Handwerks unterstehen, das ich nicht kann? Wenn ich ein Schneider wäre, ich wollte nicht gerne Einem ein Tuch verderben zu einem Paar Hosen, ich geschweige, daß ich dem geringsten Bauern seine Seele verderben und verführen sollte. Ich wollte lieber ein Stallbube bleiben oder ein Sauhirte lieber werden, ehe ich mich wollte unterwinden, Andere zu lehren und könnte es nicht.