# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1861_S277 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Des alten Hartmanns treuer Rath, daß Prediger ꝛc. 277 nen Gesichte ist: was, wenn wir erinnert würden, ohne Mühe, zumal im Anfang, könnte verbessert werden. Es wäre aber solcher Kritiken der Predigten um so mehr vonnöthen, weil jetzt die Art und Weise der Weissagung oder Schriftauslegung eine andere ist, als sie einst in der apostolischen Kirche war. Denn damals weissagten oder predigten zwei oder drei Propheten oder Ausleger nacheinander in ein und derselben kirchlichen Versammlung, wie aus 1 Cor. 14, 29. erhellt. Demnach konnte, wenn von dem ersteren etwas ausgelassen, vernachlässigt oder weniger genügend oder geschickt vorgetragen wurde, dasselbe von dem darauf folgenden ergänzt oder wieder gut gemacht werden. Da wir aber jetzt keine so große Fülle der Gaben des heil. Geistes haben, so hält bloß einer eine Predigt in einer kirchlichen Versammlung, bei welchem dann, wenn irgend ein gröberer Fehler und Versehen, sei es in den Sachen, oder in der Anordnung, oder in den Worten, oder in dem Vortrag, oder in mehreren von diesen zugleich sich einschleicht, der Schaden und Nachtheil desto größer ist, der daraus der ganzen Kirche und so vielen Seelen erwächst, und auch die Schande, die auf den Prediger fällt. Doch werden bei diesen Kritiken zwei Extreme gleich als im Wege liegende Steine zu vermeiden sein. Das eine, daß man, wo es der Ermahnungen Noth thut, dem Zudecken oder Verbergen keinen Raum gebe, sei es aus Furcht anzustoßen oder aus dem Wunsch Gunst zu erhaschen und zu erwerben. Das andere, daß man nicht, von persönlichen Neigungen bestimmt und andern ihren Ruhm mißgönnend, Haare spalte oder Mücken seige. Sondern aus aufrichtiger Liebe und mit sanftem Geiste suche man gegenseitige Besserung und Schätzung, verbunden mit Erbauung der Kirche. Aber auch von der andern Seite sollen die Kritiken ohne Argwohn, Aerger, Streiterei oder Uebelwollen, mit sanftmüthigem, gefügigem und dankbarem Herzen angenommen werden; soll man bedenken, daß Gott nicht einem alles gibt; daß wir uns selbst nicht recht kennen können, als die wir uns mit verkehrten Augen anschauen; daß die Geister der Propheten, d. i. die Lehre und Gaben der Prediger, den Propheten unterthan sind, und sich richten oder urtheilen lassen, wie Paulus sagt 1 Cor. 14, 32.; daß, die Zucht halten, der Weg zum Leben ist, wer aber die Strafe verläßt, irrig bleibt, Sprüchw. Sal. 10, 17., und wer sich gerne strafen läßt, klug werden wird; wer aber ungestraft sein will, ein Narr bleibt, ebendas. 12, 1. Ein leuchtendes Exempel von einer solchen Kritik der Predigten wird uns A. G. 18, 26. in Aquila und seinem Weibe Priscilla vor Augen gestellt. Diese, als sie zu Ephesus den Apollo in der Synagoge reden hörten, führten sie ihn nach der Predigt mit sich in ihr Haus und legten ihm den Weg Gottes noch fleißiger oder genauer aus, weil nämlich Apollo mächtig in der Schrift war, unterwiesen den Weg des HErrn, von brünstigem Geist und ein beredter Mann. Wo uns denn in Aquila und Priscilla ein Exempel wahrhaft christlicher und von allem Neide fernester Liebe fürgehalten wird, daß sie Apollos Predigt und Lehre beurtheilen, ihn in ihrem Hause besonders genauer unterweisen, damit durch ihn dem Herrn Christo noch mehrere