# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1861_S275 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Daß der Pabst zu Rom der Antichrist sei. 275 von des Antichrists Reich, weichen und es verfluchen. Matth. 7, 15.; Tit. 3, 10.; 2 Cor. 6, 14.“ (Hase, p. 347 ff.) Wir sind nun keineswegs gesonnen diese von den Vätern ererbte Erkenntniß wieder fallen zu lassen, vielmehr bekennen wir frei und offen, daß wir den römischen Pabst für den Antichrist halten, überzeugt durch die Gründe der Reformatoren, wie sie z. B. Melanchthon in der letztgenannten Stelle zusammengestellt hat.*) Es fragt sich nur noch, wie verhält sich der römische Antichrist zu dem apocalyptischen Thiere? Das apocalyptische Thier hat sieben Häupter und zwar nach der Selbstauslegung der Apocalypse sind dies sieben Könige, die nach einander die Weltmacht besitzen (Apoc. 17, 9. 10.). Wir erfahren sogar, daß zur Zeit des Johannes schon fünf Häupter gefallen sind, und das sechste regiert, und das siebente noch nicht gekommen ist. Das sechste Haupt ist also Rom, die damalige Weltmacht, der römische Cäsar, wie ihn Daniel als vierten Monarchen beschreibt. Rückwärts gerechnet folgen Griechenland, Medopersien, Babel — dies sind die vier Thiere Daniels —, Assur, Aegypten, und somit geht Johannes weiter in die alttestamentliche Geschichte hinauf als Daniel. Das siebente Haupt, das auf die römische Weltherrschaft folgende, ist die Dekarchie des germanischen Stammes, angedeutet durch die zehn Fußzehen des Danielischen Bildes und durch die zehn Hörner des apocalyptischen Thiers. Dies Haupt aber scheint uns weder in Apoc. 13, noch in Apoc. 17. das eigentlich antichristliche zu sein, denn um das letztere Cap. noch bei Seite zu lassen, so wird dem Antichrist die Zahl 666 beigelegt, welche wir mit Irenäus (adversus haereses V, 30.) durch das Wort Λατεῖνος lösen.**) In dem Lateiner, in dem Römer, in dem sechsten Haupte *) Düsterdiecks Angriffe auf den kirchlichen Glauben brauchen hier nicht berücksichtigt zu werden, weil wir mit ihm nicht auf dem gleichen Boden des Inspirationsbegriffes stehen. Auberlen und Floerke sind schon durch den ihnen nothwendigen Grundsatz, den Antichrist so weit als möglich in die Zukunft zu schieben, verhindert, an den römischen Cäsar und an den römischen Pabst zu denken — kaum daß Floerke die Existenz der „antichristischen Richtung“ (Pabstthum) vor der „antichristischen Person“ zugibt (S. 67.) Ebrard denkt zwar bei dem apocalyptischen Thiere Cap. 13 an das Pabstthum, läßt aber davon unterschieden den Antichrist erst am Ende der Tage auftreten. So würde denn allein Hengstenberg, der wie wir das tausendjährige Reich und das Antichristenthum in die Vergangenheit setzt, zu berücksichtigen sein mit seiner Leugnung, der Pabst sei nicht der Antichrist. Auf alle seine Einwürfe (II, 1, S. 70 ff.) einzugehen, würde uns hier zu weit führen; die Hauptpunkte aber, weshalb wir ihm nicht beistimmen können, sind folgende: 1. er unterschätzt die Gottwidrigkeit des Pabstthums; 2. er übersieht den innigen Zusammenhang zwischen dem heidnischen und päbstlichen Rom; 3. er gibt selbst eine so gezwungene Erklärung von Apoc. 13. und 17., daß seine Deutung unmöglich ist. Dahin gehört vornehmlich die Behauptung, daß das geheilte Haupt der römische Cäsar sei, während diesem durch Christi Versöhnung noch gar keine Todeswunde geschlagen war, so wie das gänzliche Auslassen des achten Königs, in welchem chronologisch nach dem Fallen des siebenten Königs das Thier repräsentirt wird. — Gegen Hengstenberg hat sich vom kirchlichen Standpunkte aus schon geäußert Althaus (Die letzten Dinge, im Neuen Hannöv. Zeitblatt 1856), ohne indeß eine Chronologie zu versuchen. **) S. Düsterdieck S. 456: λ=30+α=1+τ=300+ε=5+ι=10+ν=50+ο=70+ς=200. Die Summe also =666.