# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1861_S274 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 274 Daß der Pabst zu Rom der Antichrist sei. immer noch schonend geredet ist, so gibt Luther in etwas gröberer Weise die Summa seiner Lehre vom Antichrist in den Schmalkaldischen Artikeln (II, 4.) so an: „Der Pabst erhub seinen Kopf über alle, und dies Stück zeigt gewaltiglich, daß er der rechte Endechrist oder Widerchrist sei, der sich über und wider Christum gesetzt und erhöhet hat. — — Darum müssen wir nicht seine Füße küssen oder sagen: Ihr seid mein gnädiger Herr, sondern wie im Zacharia 3, 2. der Engel zum Teufel sprach: Strafe dich Gott, Satan.“ (Erl. Ausg. 25, 124 ff.) Dogmatisch ruhiger und eingehender führt dann wieder Melanchthon das Wort im Anhange der Schmalkaldischen Artikel folgendermaßen: „So reimen sich auch alle Untugenden, so in der Schrift vom Antichrist sind geweissagt, mit des Pabsts Reich und seinen Gliedern. Denn Paulus, da er den Antichrist malet, 2 Thess. 2, 4., nennet er ihn einen Widersacher Christi, der sich über alles erhebe, das Gott oder Gottesdienst heiße, also daß er sich setzet in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt für, er sei ein Gott. Hier redet Paulus von einem, der in der Kirche regiert, und nicht von weltlichen Königen, und nennet ihn einen Widerwärtigen Christi, weil er eine andere Lehre werde erdenken, und daß er sich solches alles werde anmaßen, als thäte ers aus göttlichen Rechten. Nun ist am ersten dies wahr, daß der Pabst in der Kirche regiert, und unter dem Schein geistlicher Gewalt solche Herrschaft hat an sich gebracht; denn er gründet sich auf diese Worte: Matth. 16, 19.: Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben. — Zum andern ist ja des Pabsts Lehre in alle Wege wider das Evangelium. — Zum dritten daß er fürgibt, er sei Gott, ist in allen dreien Stücken zu merken: Zum ersten daß er deß sich anmaßt, er möge die Lehre Christi und rechten Gottesdienst, von Gott selbst eingesetzt, ändern, und will seine Lehre und eigne erdichtete Gottesdienste gehalten haben, als hätte sie Gott selbst geboten. Zum andern daß er sich der Gewalt anmaßet zu binden, zu entbinden, nicht allein in diesem zeitlichen Leben hie, sondern auch in jenem Leben. Zum dritten daß der Pabst nicht will leiden, daß die Kirche oder sonst Jemand ihn richte, sondern seine Gewalt soll über alle Concilia und die ganze Kirche gehen; das heißt aber sich selbst zum Gott machen, wenn man weder Kirche noch Jemandes Urtheil leiden will. — Zum letzten hat der Pabst solch Irrthum und gottlos Wesen auch mit unrechter Gewalt und Morden vertheidigt, daß er alle, so es nicht aller Maßen mit ihm gehalten, hat umbringen lassen. — Weil nun dem also ist, sollen alle Christen auf das fleißigste sich hüten, daß sie solcher gottlosen Lehre, Gotteslästerung und unbilliger Wütherei sich nicht theilhaftig machen: sondern sollen vom Pabst und seinen Gliedern und Anhang, als gerecht werde. Also wird das Pabstthum auch ein Stück vom Reich Antichristi“ (neben dem orientalischen Mahomet's), „so es lehret durch Menschengebot Vergebung der Sünde zu erlangen und Gott versühnen.. Daniel am 11. Cap. malet das Reich Antichristi also ab, daß er anzeiget, daß solche neue Gottesdienst von Menschen erfunden werde die Politia und das rechte Wesen des antichristischen Reichs sein. Denn also sagt er: Den Gott Mausim wird er ehren und dem Gott, den seine Väter nicht erkennet haben, wird er mit Gold, Silber und Edelgesteinen dienen. Da beschreibet er solche neue Gottesdienst“ ꝛc.,