# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 01 11_S78 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) den Staat Miſſouri bereiſ't und die kirchlichen Zuſtände hieſelbſt in Augenſchein genommen hatte, dieſe Zuſtände in einem Büchlein geſchildert, wel⸗ ches unter dem Titel: „Die Nacht des Weſtens“, zum Beſten der evangeliſchen Ge⸗ ſellſchaft für die proteſtantiſchen Deutſchen in Nordamerika zu Langenberg, Elberfeld und Bar⸗ men in den Druck gegeben worden und im Auguſt vorigen Jahres in Barmen bei Alfred Sartorius erſchienen iſt. Es enthält 84 Seiten in Octav und koſtet 5 Sgr. In dieſem Büchlein beſchreibt Herr Rauſchenbuſch, wie der Titel ſchon anzeigt, hauptſächlich die geiſtige Finſterniß, welche noch auf unſerem Weſten ausgebreitet liegt. Drei Claſſen von Leuten nennt Herr R., von welchen nach ſeinen Erfahrungen die Nacht des Weſtens, an ſich ſchon dunkel genug, gleichwohl noch dunkler gemacht werde, und zwar 1. die hieſigen Rationaliſten, unter welchen hauptſächlich Herr Picker, Prediger der evangeliſch-proteſtan⸗ tiſchen Gemeinde in St. Louis, Herr Münch, Prediger der Gießener Auswanderungsgeſellſchaft, die ſich in Warren County, Mo., niedergelaſſen hat, und die Herausgeber des (Irr-) Licht⸗ freundes in Hermann, Mo. Zur 2ten Claſſe der hieſigen Dunkelmänner rechnet Herr R. die Jeſuiten, und zur dritten die Methodiſten. Im zweiten Theile des Schriftchens ſetzt Herr R. noch Einiges hinzu „über den ſchwachen Morgen⸗ ſchimmer, der hie und da in die Nacht des Weſtens hineinzuſcheinen“ beginne, und hier nennt der Verfaſſer vor allen die Unirt-Evangeliſchen, zu denen er ſelbſt gehört. In dieſem Theile der Schrift wird auch der hieſigen ſog. Altlutheraner gedacht. Was Herr R. über letztere ſagt, gedenken wir nächſtens unſeren Leſern vorzulegen und resp. zu beleuchten und berichtigen. Beſonders inte⸗ reſſant und belehrend iſt, was in der Schilderung hieſiger Zuſtände von den Methodiſten geſagt wird. Da nun die Methodiſten ſehr häufig die Leute zu überreden ſuchen, als ſeien es nur die „ſteifen, hyperorthodoren, todten, auf den Buch— ſtaben pochenden Altlutheraner“, die es wagten, den Methodismus und ſomit das Werk und Reich Gottes anzugreifen, ſo meinen wir, es dürfte gut ſein, wenn wir dem Zeugniſſe eines Mannes von dem Weſen und Treiben der Methodiſten eine weitere Verbreitung auch hier geben, welchem ſelbſt die Methodiſten nicht abſprechen dürfen, daß er in der Lehre nicht eben ſteif iſt, aber ſehr eifrig auf Bekehrung und lebendiges Chriſtenthum dringt. Herr Rauſchenbuſch ſchreibt aber in ſeinem Büch⸗ lein von Seite 22 bis 40, wie folgt: „Von ungleich größerm Einfluſſe, als Ratio⸗ naliſten und Jeſuiten, ſind hier im Lande die Methodiſten. Vielleicht wundert ſich Mancher, daß ich Dieſe mit Jenen zuſammen als Solche bezeichne, welche die geiſtige Finſterniß hier noch finſtrer machen. Allein ich werde eine Anzahl Thatſachen zuſammenſtellen, wonach ich Jedem überlaſſen kann, ſelbſt zu entſcheiden, ob nicht Grund zu einer ſolchen Bezeichnung vorhanden ſei. Seit dem Jahre 1837 hat die biſchöfliche Methodiſtenkirche Nordamerikas ihre „„Miſſionen unter den Deutſchen““ begonnen, worüber ſie 78 jährlich in ihrem Miſſionsbericht nach vorgängiger Beſchreibung ihrer Miſſionen unter den Negern in Liberia und den Indianern in Oregon einen aus⸗ führlichen Bericht zu erſtatten pflegt. Sie unter⸗ hält gegenwärtig gegen 60 deutſche Miſſionare. Ein Seminar, um dieſe Miſſionare auszubilden, iſt nicht vorhanden. Nicht ein Vierteljahr lang, nicht einen Monat lang erhalten ſie Unterricht. Eine ſogenannte allgemeine Bildung geht ihnen größtentheils ab, da die Meiſten von ihnen in Deutſchland Handwerker oder Landleute waren. Ja, Manche beſitzen nicht einmal die gewöhnlichen Elementarkenntniſſe, konnten, ehe ſie Methodiſten wurden, nicht leſen, und wenn ſie dies auch ſeit⸗ dem gelernt haben, ſo ſind ſie doch des Schreibens unkundig. — Dieſes Alles möchte nun unter Um⸗ ſtänden noch hingehen, wenn dieſe Leute nur das erſte und unerläßlichſte Erforderuiß eines chriſt⸗ lichen Predigers beſäßen, nämlich eine gründliche, in Saft und Blut übergegangene Bibelkenntniß. Allein der bei Weitem größern Mehrheit fehlt auch dieſe. Woher ſollen ſie ſie auch bekommen? Wenn Jemand in der Methodiſtenkirche erweckt wird, an dem man bemerkt, daß er ſein Wort machen kann, ſo wird er alsbald herangezogen, als Ermahner aufzutreten und darnach zu predigen. Die häu⸗ figen Claßverſammlungen und Betſtunden nehmen dann ſeine Zeit und Kraft ſo in Anſpruch, daß ihm für das ſtille Forſchen in der Schrift keine Muße bleibt. Dies Forſchen iſt überhaupt bei den Me⸗ thodiſten wenig in Geltung oder wenigſtens nicht in Uebung. So viel Zeit ſie auch den Betſtunden widmen, nie verſammeln ſie ſich zu gemeinſamer Betrachtung und Beſprechung des Wortes Gottes. Man möchte ſagen: ſie finden keine Zeit und Ruhe, Gott durch ſein Wort zu ſich reden zu laſ⸗ ſen, weil ſie allzu viel zu ihm reden. Aber kann ein ſolches Beten, wobei das Hören der Stimme des HErren unterbleibt, noch als ein Reden mit Ihm betrachtet werden? Auch in ihren Predigten iſt wenig Bibelauslegung zu finden. In der Regel wird ein kurzer Tert gewählt, dieſelbe Pre⸗ digt an einem andern Orte noch einmal gehalten, und darüber der reiche Inhalt des Wortes Gottes großentheils unbenutzt liegen gelaſſen. Was in Deutſchland leider oft zurücktritt, die Anwendung des gepredigten Wortes auf die Zuhörer, die Er— mahnung an ſie, dem Worte zu folgen, das herrſcht bei den Methodiſten allzu ſehr vor. Ja, ihre Kirchenordnung ſchreibt ſogar den jungen Predigern ausdrücklich vor, ſie ſollen oft eine Er⸗ mahnung thun, ohne ein Bibelwort zu Grunde zu legen. — In Folge hievon ſteht die Sache ſo, daß ich getroſt folgende Behauptung ausſpreche: wenn man aus den Confirmanden eines treuen, dem Unterrichte der Jugend mit Fleiß ſich wid— menden Predigers in Deutſchland die tüchtigſten herausnähme und auf Eine Seite ſtellte; wenn man dann die 60 deutſchen Methodiſtenprediger auf die andere Seite ſtellte und begönne nun mit beiden Theilen eine Prüfung in bibliſcher Ge— ſchichte: ſo würden jene Confirmanden eine Menge Fragen zu beantworten wiſſen, welche ein großer Theil der Methodiſtenprediger nicht würde beaut⸗ worten können. Wer nun das menſchliche Herzj in etwa kennt, der weiß, daß in neun Fällen unter zehn Jemand, der ein Amt übernimmt, ohne die dazu erforderlichen Gaben und Kenntniſſe zu be⸗ ſitzen, durch Anmaßung das ihm Fehlende zu er⸗ ſetzen ſucht. Fragen wir aber das Wort Gottes, was es zur Anſtellung von Predigern ſagt, die, ſelbſt erſt vor Kurzem erweckt, ohne tiefere Be⸗ gründung im Worte ſogleich Andre bekehren ſollen, ſo heißt es da: „„Ein Biſchof (oder Prediger) ſei nicht ein Neuling, auf daß er ſich nicht auf⸗ blaſe und dem Läſterer ins Urtheil falle!““ Wie ſehr dieſe Befürchtung des Apoſtels bei den Me⸗ thodiſtenpredigern zutrifft und ſich als richtig er⸗ weiſ't, weiß Jeder, der ihrem Treiben nur etwas zugeſehen hat. Die folgende Vorſchrift des Apoſtels: „„Er muß aber auch ein gutes Zeug⸗ niß haben von denen, die draußen ſind, auf daß er nicht falle dem Läſterer in die Schmach und Stricke““, wird ebenfalls bei der Anſtellung der Methodiſtenprediger wenig berückſichtigt. „Auf die eben beſchriebene Art vorgebildet oder vielmehr unvorgebildet, reiſen die Methodiſten⸗ prediger auf ihre Stationen. von 100 Dollars, und wenn ſie verheirathet ſind, von 200 Dollars (dazu noch für jedes kleinere Kind 16 Dollars, für jedes größere 24 Dollars) gewiß, gehen ſie zu den Deutſchen und ſagen ihnen: „„Wir ſuchen nicht, gleich andern Predigern, euer Geld; wir predigen euch ohne alle Bezahlung, denn es iſt uns um euer Seelenheil zu thun. Wir ſind Methodiſtenprediger, aber wir gehen 1 nicht darauf aus, daß ihr Methodiſten werden ſollt, ſondern bloß, daß ihr euch bekehret.“ Alle dieſe ſchönen Worte, welche ſie ſtehend im Munde führen, ſind eben ſo viele Lügen. Sobald Jemand Methodiſt geworden iſt, muß er auf allerlei Weiſe E gehörig bezahlen, zwar nicht direct an den Pre⸗ diger, ſondern an die allgemeine Kirchenkaſſe in wöchentlichen Gaben (dazu vierteljährlich an den vorſitzenden Aelteſten ꝛc. ꝛc.); aber was macht dies in Anſehung des Bezahlenden für einen Unterſchied! Eine noch größere Lüge iſt es, daß ſie ſagen, ſie gingen nicht darauf aus, die Leute ö zu Methodiſten zu machen. Es ſind mir mehrere Æ Fälle bekannt, wo Jemand ſich bekehrte zum Thril auf Veranlaſſung ihrer Predigten,, ohne doch Method iſt zu werden. Allein ſie ſehen fortwährend mit großem Bedenken und Kopfſchütteln auf Solche hin, meinen, es ſtehe doch nicht recht mit ihnen, ſie könnten die Menſchenfurcht nicht überwinden ꝛc. Wenn hingegen Jemand, ohne bekehrt zu ſein, ſich der Methodiſtenkirche anſchließt, ſo halten ſie ihn für geborgen und meinen, die Bekehrung werde ſchon nachfolgen. Denn ihr Aberglaube an die Kraft der „„reichen Gnadenmittel ihrer Kirche““, als da ſind: Predigten, Betſtunden, Claßverſammlungen, gen, Liebesfeſte, Lagerverſammlungen (Camp- Meetings), und ich weiß nicht, was ſonſt noch für Verſammlungen, iſt ſo groß, daß ſie feſt be⸗ haupten, es müſſe Einer, der an allem dieſem theilnehme, entweder bekehrt werden und bleiben oder mit geſchlagenem Gewiſſen die Methodiſten⸗ kirche wieder verlaſſen. Allein dies iſt nicht der Fall. Eine große Anzahl nimmt Jahr aus Jahr Eines Gehalts Vierteljahrsverſammlun⸗