# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1861_S266 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 266 Chiliasmus. mir darum auch zu gut halten, daß ich seine Distinctionen von „„ante resurrectionem““ (universalem) und „„post resurrectionem““ (particularem), von „„ante adventum Domini““ und was damit zusammen und darum und daran hängt, nicht für den genuinen Sinn der Augsburgischen Confession und der alten Dogmatik, sondern wirklich nur für „„Künstelei““ und „„Sophisterei““, und seine „„Millenniumlehre““ für eine wirkliche „„Differenz““ von der Kirchenlehre ansehe.“ Weiter unten nach Angabe des seinsollenden dogmatisch-exegetischen Beweises von Flörke*) schreibt Ströbel wie folgt: „Es geht durch diese Erörterungen derselbe leise pelagianisirende Zug, den ich überhaupt bei allen mir bekannt gewordenen Vertretern des tausendjährigen Reichs angetroffen habe. Ihr Blick haftet starr auf den Schwachheiten und Gebrechen des diesseitigen Christenlebens; für die vor menschlichen Augen verborgene Macht und Herrlichkeit der Kinder Gottes, von welcher namentlich die Propheten in den blühendsten und glühendsten Worten zeugen, haben sie allesammt keinen Sinn, darum auch kein Verständniß von den damit zusammenhängenden Schrift- und Kirchenlehren, wie z. B. von dem Unterschiede der sichtbaren und unsichtbaren Kirche, des geistlichen Amts und des geistlichen Priesterthums u. s. w. (Gedanken wie die eines bekannten Pfingstliedes: „„Du bist das heil'ge Oele, womit gesalbet ist mein Leib und meine Seele dem Herren Jesu Christ zum wahren Eigenthum, zum Priester und Propheten, zum König, den in Nöthen Gott schützt vom Heiligthum““ — liegen, nach ihrem ursprünglichen Sinne, außerhalb des millennischen Gesichtskreises.) Sie bedürfen, um mit der heiligen Schrift nicht in offenen Bruch zu gerathen, eines durch physische, historische, politische, sociale Aeußerlichkeiten sich manifestirenden Gottesreiches der Sinnenwelt, weil sie das Gottesreich der ecclesia invisibilis nicht haben, in welcher alle für das Millennium angeführte Schriftstellen, mit Ausnahme der auf rein Geschichtliches sich beziehenden, ihre Erfüllung finden.“ *) Wie weit Flörke geht und wie unvorsichtig er selbst verräth, welche Urahnen er als Chiliast hat, dafür nur eine Stelle. Flörke schreibt von der fleischlichen Messiashoffnung der Juden selbst: „Wir würden die Schrift nicht erkennen, wollten wir übersehen, welche Anknüpfung diese fleischliche Hoffnung selbst in der Schrift gehabt“; ferner: „Daß der Herr (mit Uebergehung der Sadducäer und Essäer, die „„an der Uebertragung des Judenthums in die Gedanken einer allgemeinen Weltbildung arbeiteten““) sich überall nur an die Pharisäer wendet mit seiner Lehre, mit seiner Strafe, mit seinem Wehe, das ist der leuchtendste Beweis, daß er im Pharisäismus eben einen noch errettbaren Samen und Segen vom Herrn schaute, und sofern nun der Pharisäismus eins war mit der fleischlichen Messiashoffnung, zugleich auch der Beweis für die göttliche dieser Hoffnung immanente Wahrheit, für das diesseitig herrliche Messiasreich, welches das Millennium ist.“ Ferner: „Es ist Spiritualismus (!), wenn man die Grundanschauung der Schrift, nach welcher die Weltreiche eben und mithin das obrigkeitliche Schwert auch der Heiligen Besitz werden soll, abbricht oder abschwächt.“ Wer wird hier nicht an Münster erinnert? — Endlich schreibt Flörke sogar: „Es ist das millennische Messiasbild, welches Satan dem HErrn vorhält in seiner Weise, und es sind daher lauter Wahrheiten, lauter dem Messias an sich zukommende Herrlichkeiten, mit welchen Satan den HErrn lockt.“