# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 01 11_S77 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchliche Nachrichten. Herr Carl Fricke, der, wie ſich die meiſten Leſer aus dem erſten Jahresbericht der Synode von Miſſouri ꝛc. erinnern werden, letzten Sommer als Beſucher (Reiſeprediger) derſelben functionirt hat, iſt von einer deutſchen lutheriſchen Gemeinde am White Creek in Indiana zu ihrem Paſtor ordentlich berufen worden und derſelbe hat nun auch dieſen Beruf angenommen. Er iſt am 7. November vorigen Jahres vom Paſtor Dr. Sihler unter Aſſiſtenz des Paſtors Wolter ordinirt worden, worauf er am vierten Adventsſonntage ſein Amt in Gottes Namen angetreten hat. Seine gegenwärtige Adreſſe iſt: Rev. C. Fricke, Columbus, Bartholomew Co., Ind. Vor mehreren Monaten kam der hannoveriſche Candidat der Theologie, Herr E. Brauer, hier an, um der rechtgläubigen amerikaniſch-lutheriſchen Kirche zu dienen, wozu er von hier aus ausdrück⸗— liche Aufforderung erhalten hatte. Derſelbe iſt von einer deutſchen lutheriſchen Gemeinde bei Addiſon in Dunkley's Grove, Ill., in das vor kurzem vacant gewordene Pfarramt derſelben ge⸗ rufen worden, welchen Ruf Herr Candidat Brauer ebenfalls angenommen hat. Nachdem derſelbe um Ordination bei der Synode von Miſſouri ꝛc. nach⸗ geſucht, hat er denn auch dieſelbe durch den deutſch⸗lutheriſchen Paſtor in Chicago, A. Selle, unter Mitwirkung des dortigen däniſch-luthe⸗ riſchen Paſtors Schmidt am 15. December vorigen Jahres vor der Gemeinde in Dunkley's Grove erhalten. Die Adreſſe des neu eingetretenen lieben Bruders im Amte iſt: Rev. E. Brauer, Addi- son, Illinois. Gedanken über 2 Cor. 3, 4—11. (Von W. Löhe.) „Das Amt des neuen Teſtamentes“ — welch ein Name! Es gibt allerlei Aemter unter den Menſchen, aber welches unter allen könnte ſich eines Namens rühmen, wie der Name iſt des Amtes eines Dieners Chriſti. Es iſt ein Amt „nicht des Buchſtabens“ — nicht des Ge⸗ ſetzes, welches dem Menſchen nur auf ſteinernen Tafeln vor Augen und Gewiſſen gelegt wurde, ohne daß er es mit Luſt und Liebe ſich zu eigen machen und darin leben konnte. Es iſt ein Amt „des Geiſtes“, ſo genannt, weil es „den Geiſt gibt“ durch die Predigt des Evan⸗ geliums. Es nimmt dem Sünder Unluſt und Mißtrauen und füllt ihn mit Luſt und Vertrauen und Lieb und Kraft, macht aus ihm einen andern, ſtellt in ihm Gottes Bild, in der Welt die Kirche, auf Erden Gottes Paradies her. — Welch ein Amt! Kein Menſch iſt zu ihm tüchtig von Natur. Es iſt des Geiſtes Werk, ſo jemand tüchtig iſt. Und wer iſt darin treu! Wer zittert nicht? — Geh an die Sterbebetten der Kinder, die in der Taufgnade ſterben, — geh zu den Leuten, die in beſcheidenem Lebensberufe dem ewigen Leben nachjagen, zu den Zuhörern, zu den gläubigen Kirchkindern! Sieh ſie ſterben! Ach wie ſchön, wie leicht iſt's oft! Aber wie ſchwer 77 ſind viele Pfarrer geſtorben! Wer ſoll ſelig ſter⸗ ben, wenn nicht das Evangelium tröſtet? Ich frag es und ſage dazu: „Ein Pfarrer braucht mehr Troſt des Evangeliums, als andere; denn das Amt, das hohe, erhabene, wird von ihm mit viel Untreue verunehrt! Aber Kirchkinder ſollen beten, daß ihre Pfarrer den Troſt empfinden, mit dem ſie andere getröſtet haben.“ Doch ſelig kann ein Pfarrer ſterben, Gott Lob! Aber ruhig? Aber ohne Anfechtung? Aber im Frieden, in Freude? — Gott erbarme ſich über alle Pfarrer, denen in Todesängſten die Würde ihres Amtes und, was ſie geſollt haben, gezeigt wird! Das Amt hat Klarheit und gibt Klarheit! Aber die Perſonen, die es tragen, ſind Moſi gleich die geplagteſten aller Menſchen. Das wiſſen ſie nicht, die nur auf ihre Laſter ſehen! Aber es wird einſt offenbar werden. Wenn der HErr etliche unter ſeinen Dienern dereinſt wird leuchten laſſen, wie des Himmels Glanz, dann wird es offenbar werden, aus welcher Nacht der Trübſal ſie zu ihrem Lichte kamen! — — — Wenn ich Raum hätte und Zeit, ich würde das Amt preiſen! Nun aber iſt ein Seufzer ob ſeiner Herrlichkeit und eine Thräne ob unſerer Sünde alles, was ich für dieſen herrlichen Text zu geben habe. * „Mit Fried' und Freud' fahr' ich dahin“ ꝛc. (Luther.) Im vorigen Jahrhundert lag in Lübeck ein angeſehener Kaufmann ſterbenskrank. Von den Aerzten aufgegeben, verlangte er, man ſolle die Stadtmuſikanten zu ihm kommen und ſie vor ihm auf ihren Inſtrumenten ſpielen laſſen, damit er nun erführe, was David rühmet: „Du haſt meine Klage verwandelt in einen Reigen.“ (Pſ. 30, 2.) Aber ſeine Hausfrau und Freunde wollten es nicht zulaſſen, weil ſie fürchteten, es möge ihm einen üblen Nachruf vor der Welt machen. Als er jedoch auf ſeiner Bitte beſtand, wurde ſie ihm mit Bewilligung ſeines Beichtvaters gewährt, um ſo mehr, da er ja nur einen Reigen oder Lob⸗ geſang in Davids Weiſe begehrte. Da nun die Muſikanten zu ihm in die Kammer gekommen waren, verlangte er, daß man ihm das herrliche Jeſuslied: „Herzlich lieb hab' ich dich, o HErr“, vorſingen und dazu mit Inſtrumenten ſpielen ſollte. Hierauf ſtimmten die Sänger und Muſi⸗ kanten den Geſang an, wobei der Sterbende, um der Andacht ungeſtört zu pflegen, ſein Angeſicht zur Wand kehrte. Als nun jene das Lied geendet hatten, fragte ihn ſeine Hausfrau, ob er noch eius begehrte? — Er aber war unter dem Lobgeſange entſchlafen. 2— Wieder eine Losſagung von der General⸗ ſynode. Soeben erfahren wir aus der reformirten „chriſtlichen Zeitſchrift“, daß die vor noch nicht langer Zeit gebildete evangeliſch-lutheriſche „Pitts— burger Synode“, deren Glieder ehedem zur Weſt⸗ Pennſylvaniſchen Synode gehörten, bei ihrer neu⸗ lichen Verſammlung beſchloſſen habe, nicht in die ſogenannte Generalſynode der lu⸗ theriſchen Kirche einverleibt zu werden, und zwar darum, weil die Generalſynode weſent⸗ liche Abweichungen von der Lehre der evangeliſch⸗ lutheriſchen Kirche billige. Die chriſtliche Zeit— ſchrift achtet dieſen Schritt um ſo wichtiger, da die leitenden Glieder der Pittsburger Synode, Herr Paſſavant in Pittsburg, Herr Baßler in Zelienopel und Andere, ſelbſt im Seminar zu Gettysburg gebildet worden ſind, welches Semi⸗ nar bekanntlich unter der Vormundſchaft der Generalſynode ſteht. Mit Recht ſieht die ge— für ein Zeichen der Zeit in der lutheriſchen Kirche und für einen klaren Beweis dafür an, daß die reformirt-methodiſtiſche Richtung, welche darin ziemlich allgemein verbreitet zu ſein ſchien, umzu— ſchlagen anfange. Möge Gott immer mehr Synoden und Gemeinden erwecken, die ſich ſchä⸗ men, ſich einer Synode anzuſchließen, die gerade die unterſcheidenden Lehren unſerer evangeliſch— lutheriſchen Kirche verwirft und die dennoch ſo dreiſt iſt, ſich die Generalſynode der evangeliſch⸗ lutheriſchen Kirche in Amerika zu nennen. Wohl gab es in Amerika eine Zeit, in welcher es ſchien, als werde die Generalſynode in unbeſtrittenem Beſitze des Titels bleiben, den ſie ſich gegeben hatte, aber dieſe Zeit iſt vorüber. Möge unn bald die Zeit erſcheinen, wo die Generalſynode ſelbſt freiwillig entweder die Maske ihres falſchen Namens ablegt oder — was Gott vielmehr geben wolle, — ihren Abfall von ihrer Mutterkirche bußfertig erkennt, eingeſteht, öffentlich abbittet und zu derſelben wieder von Herzen zurückkehrt. Amen. Eure Rede ſei allezeit lieblich und mit Salz gewürzt, daß ihr wiſſet, wie ihr einem jeg⸗ lichen antworten ſollet. Col. 4, 6. Anders muß man nämlich reden zu einem Für⸗ ſten, anders zu einem Unterthan; anders zu einem Reichen, anders zu einem Armen. Warum? weil die Gemüther der Reichen und der Fürſten zu ſchwach ſind, daß ſie nicht etwas eingebildet ſein ſollten. Daher es nöthig iſt, ſich mehr zu ihnen herabzulaſſen und ſich ihnen anzubequemen. Die Gemüther der Armen und derjenigen, welche andern unterworfen ſind, können mehr vertragen und ſind nicht ſo für ſich eingenommen. Daher man hier eine größere Freiheit im Reden ge⸗ brauchen kann, indem man nur das Eine, nämlich die Erbauung, im Auge hat. Nicht weil dieſer eben arm, jener aber reich iſt, ſoll jener mehr, dieſer weniger geehrt werden, ſondern um der Schwachheit willen werde dieſer mehr, als jener, getragen. Chryſoſtomus. Zeugniß eines Unirt⸗Evangeliſchen von dem Weſen und Treiben der Methodiſten. Herr Paſtor Rauſchenbuſch, der vormals ein evangeliſches Pfarramt in Deutſchland be— kleidet hat und vor zwei Jahren hier eingewandert iſt, um der kirchlich verwaisten deutſchen Pro⸗ teſtanten beſonders hier im Weſten als Prediger ſich anzunehmen, hat, nachdem er vorzugsweiſe nannte Zeitſchrift jene Losſagung auch zugleich