# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1861_S254 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 254 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. tes zurückkehren, und sind wir erst da angelangt, so müssen wir auch zusammenkommen. Lasset uns alle kommen „„zum Gesetz und Zeugniß.““ Bischofthum. Bei Eröffnung der Generalsynode in Karlsruhe am 5. Juni begann der Großherzog seine Ansprache, wie folgt: „Kraft meines Amtes als landesherrlicher Vorstand und Bischof unserer Kirche habe ich Sie hieher entboten zur Berathung eines erneuerten kirchlichen Grundgesetzes. — „Wir wissen wohl, daß auch Luther einmal den Churfürsten von Sachsen, nehmlich in einem Briefe an die Visitatoren, „unseren einigen Nothbischof, weil sonst kein Bischof uns helfen will,“ nennt (L. W. Erl. LV, 223.). Was würde aber Luther sagen, wenn er sähe, daß man den von ihm gebrauchten Tropus jetzt so ausbeutet, daß man die weltlichen Regenten zu „Bischöfen kraft ihres Amtes“ macht! Wir erinnern hierbei an die Bemerkung Guerickes, daß auch der Ausspruch Constantins des Gr., daß er nur ἐπίσκοπος τῶν ἔξω τῆς ἐκκλησίας (ein Bischof der äußerlichen Dinge der Kirche) sei, die Bischöfe ἐπίσκοποι τῶν ἔσω τῆς ἐκκλησίας (Bischöfe der innerlichen Angelegenheiten der Kirche), ursprünglich im Scherz gethan, keinesweges eine kirchenrechtliche Theorie begründen sollte, am wenigsten eine solche, die dem Kaiser etwa mehr noch, als ein Schirmherrenrecht einräumte. Allerdings hat ein Fürst, wenn er ein Christ sein will, die Pflicht, auch seinen fürstlichen Einfluß zum Nutzen der Kirche zu gebrauchen, aber, so wenig der Reiche, welcher die Pflicht sein Geld für das Reich Gottes zu verwenden erfüllt, dadurch eine Person wird, die kraft ihres Amtes etwas in der Kirche zu sagen hat, so wenig der Fürst, obwohl, wie sonst ein Laie unter Umständen ein Nothpfarrer werden kann, auch ein Fürst unter Umständen ein „Nothbischof“ werden konnte. Oesterreich. Hier ist endlich die Gleichstellung der s. g. Protestanten mit den s. g. Katholiken durch ein Gesetz vom 8. April ausgesprochen worden. Hannover. Daher wird dem „Freimund“ geschrieben: „Das Oberconsistorium ist fertig. Ein Amtsbruder sagt es dem andern, und dann weiß keiner genau zu sagen, ob wir uns freuen oder betrüben sollen.“ Unionistische Toleranz in Waldeck. Soeben kommt uns die betrübende Nachricht zu, daß Past. Rocholl zu Sachsenberg in Waldeck, ein treuer reichbegabter Pfarrer, der auch in weiteren Kreisen durch seinen „Sonntagsboten“, sowie durch gediegene andere Schriften bekannt geworden ist — daß dieser treue Zeuge der lutherischen Kirche von dem Waldeck'schen unionistischen Kirchenregiment abgesetzt worden ist. Rocholl ist eine durchaus geistreiche, liebreiche und liebenswürdige Persönlichkeit; derselbe hat auch seinen Kirchenobern allezeit eine herzliche Ehrerbietung bewiesen — einerlei, alles half nichts, er mußte hinaus, er mußte abgesetzt werden, weil er das lutherische Abendmahl nicht aufgeben wollte und nicht aufgeben durfte, als gehorsamer und getreuer Knecht der Kirche Augsburger Confession, als lutherischer Pfarrer an einer lutherischen Gemeinde, an welcher er bereits seit 10 Jahren angestellt und unangefochten seines Glaubens lebte, im Segen wirkte. Mit Anbruch der „neuen Aera“ hat aber das unionistische Kirchenregiment in Waldeck Muth gewonnen, geht mit Unionsreversen gegen die Pfarramtscandidaten vor, und gegen bereits angestellte lutherische Pfarrer mit Absetzungsdecreten. (Hess. Kbltt.) Chiliasmus. In der Erlanger Zeitschrift im Juniheft d. J. findet sich ein Stück aus einem Synodalvortrag, worin der Redner berichtet, er habe bei der Lectüre einer Schrift Auberlen's in einer Pfarrconferenz vernommen, daß man der Lehre vom Millenium selbst „die Kraft und Möglichkeit zutraue, schier das Heil der Gegenwart und die Erweckung des Volkes zum Leben in Gott zu bewirken und sie wie einen Cardinalpunkt der seligmachenden Lehre behandelt.“ Der Vortragende aber urtheilt: „Es ist dies ein Symptom derjenigen Ueberreiztheit, welche sich in der Gegenwart auf allen Gebieten des Lebens kund gibt und der gesunden Glaubenseinfalt nicht wenig Eintrag thut. Die schlichte, selige Lehre von der Rechtfertigung ist abgekostet, lang nicht mehr pikant genug. Die theologische und kirchliche Blasirtheit verlangt nach Dingen, die ungewöhnlichen Reiz veranlassen. Daraus hat sich