# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 01 11_S76 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) land, Schottland, die vormals blühendſten Reiche, in kurzer Zeit verwüſtet; endlich die Alpen über⸗ ſchritten hat und bis nach Italien gekommen iſt! Sie hat ſich erkühnet zu den Griechen und In⸗ dianern, ja ſelbſt in die neue Welt zu ſchiffen!“ So konnten ſelbſt die Gegner die wunderbare Ausbreitung des Evangelii nicht leugnen; und wenn ſchon hieraus die Fürſorge Gottes für die rechte Lehre ſeines Wortes deutlich und herrlich hervorleuchtet, ſo ſprechen auch dafür ſo manche merkwürdige Erempel, wie Gott den Feinden der Confeſſion widerſtanden und ihre Anſchläge zu nichte gemacht hat, indem ſie entweder in Freunde verwandelt oder plötzlich aus dem Wege geräumt worden ſind. So erzählt Spalatin in ſeinen An⸗ nalen, daß ein gewiſſer Graf Felix von Werden⸗ berg, ein heftiger Feind Luthers, ſich zu Augs⸗ burg habe vernehmen laſſen, wo es zum Krieg wider die Lutheriſchen käme, ſo wolle er ſich um⸗ ſonſt dazu gebrauchen laſſen. Aber Gott forderte ihn plötzlich mitten in ſeinen böſen Anſchlägen vor ſeinen Richterſtuhl. Am Abend bankettirte er mit dem Abt zu Weingarten, legte ſich trunken nieder und früh Morgens fand man ihn todt im Bette. Ein angeſehener Bürger zu Augsburg, der von ungefähr den Leichenzug vorbeigehen ſah, und hörte, daß es der Graf von Werdenberg ſei, ſoll darüber heftig erſchrocken ſein und geſagt haben: „Ei! wohl ein wunderlicher Richter iſt Gott. Hab' ich doch noch geſtern aus ſeinem Mund gehört, daß er mit theuerm Wort geredet hat: er wolle nicht leben, ehe wolle er ſein Leib und Gut dran ſetzen, die lutheriſche Lehre aus⸗ zurotten.“ Auch an vielen hohen Häuptern, die dem Evangelio ſehr widerſtanden hatten, erzeigte Gott ſeine Macht. Der Kurfürſt Joachim von Brandenburg und Herzog Georg zu Dresden, die hitzigſten Widerſacher Luthers, ſtarben lange vor dieſem, und ihre Nachfolger führten die lutheriſche Religion in ihren Landen ein. Der Herzog von Braunſchweig, ein erklärter Feind der Lutheriſchen, wurde gefangen, und hatte nach ſeiner Befreiung wenig Freude mehr auf der Welt. Der König von Portugal, der ein hartes Edict gegen die Lu⸗ theraner gegeben hatte, ſtarb gleich nach Ab⸗ laſſung desſelben. Der König von Ungarn mußte in ſeinen jungen Jahren elendiglich ertrin⸗ ken; ſeine hinterlaſſene Wittwe Maria aber, des Kaiſers Schweſter, war dem Evangelium geneigt, und wendete ihren Einfluß beim Kaiſer zur Be— förderung desſelben an. Ihr widmete Luther im Jahre 1526 bald nach ihres Gemahls Tode ein Büchlein unter dem Titel: Vier tröſtliche Pſal⸗ men an die Königin zu Ungarn. Der Kaiſer Karl V. ſelbſt, ſo ſehr er auch durch die papiſtiſchen Ohrenbläſer, von denen er ganz umgeben war, wider die Lutheraner verhetzt ward und ſo feindſelig ſeine Geſinnungen waren, mit denen er nach Augsburg kam, ſo wurde er doch nach Anhörung der Confeſſion milder geſinnt und wollte keine gewaltſamen Maßregeln brauchen; ſo daß man zu Rom übel mit ihm zufrieden war und ſchimpflich von ihm ſchrieb: „Alles ihm an⸗ gethane Unrecht hat er an allen Königen wacker gerochen; aber die Waffen für das Gott ange⸗ 26 thane Unrecht zu ergreifen, hatte er einen Abſcheu. Durch ſeine Nachläſſigkeit hat er die Ketzerei laſſen ſtark werden, da er gleich im Anfang durch Lu⸗ thers und etlicher Andern Hinrichtung viel Mil⸗ lionen Menſchen hätte erhalten können.“ Aber eben dieſes ſchlimme Zeugniß von Rom empfiehlt dieſen Kaiſer deſto mehr in unſern Augen. Jahr 1532 publicirte er die Religionsfreiheit, und es iſt ſogar außer Zweifel, daß er auf den rechten evangeliſchen Glauben geſtorben ſei. Er legte nämlich 1556 die Regierung nieder und zog ſich in ein Kloſter nach Spanien zurück. Dort brachte er den Reſt ſeines Lebens in der Stille und Ein ſamkeit zu, und ließ ſich, noch lebend, ſein Grab verfertigen und die Exequien halten. Er ſtarb, ſich allein auf das Verdienſt des Ge⸗ kreuzigten verlaſſend, mit dem Crucifix in der Hand, am 27. September 1558. Nach dem eigenen Bericht ſeines Sohnes, des Kaiſers Fer⸗ dinand, ſprach er vor ſeinem Ende aus Auguſtino: „Wehe auch dem löblichen Leben der Menſchen, wenn du, o Gott, dasſelbe ohne Barmherzigkeit beurtheilen wollteſt.“ Er verließ ſich auf nichts, heißt es weiter in dieſem Bericht, auf keines Menſchen Verdienſt, ſondern auf die Gnade, die er aus der Fülle Chriſti empfangen hatte. Sein lutheriſch geſinnter Beichtvater Conſtantinus Pon⸗ tius, der ihm im Tode beigeſtanden, wurde bald darauf von der ſpaniſchen Inquiſition verfolgt, ſtarb im Gefängniß, und wurde nach ſeinem Tode im Bildniß verbrannt. Ferdinand, Karls V. Sohn, obgleich er zuvor dem Pabſtthum mit gro⸗ ßem Eifer ergeben war, und von allen Seiten zur Verfolgung der Lutheraner aufgehetzt wurde, bekam dennoch nach dem Reichstage zu Augsburg viel mildere Geſinnungen. Ihm beſonders hatte man es nächſt Gott zu verdanken, daß der Re⸗ ligionsfriede zu Augsburg 1552 zu Stande kam. Im Jahre 1533 geſtattete er zu Nürnberg den Druck von Luthers Kirchenliedern, und ſein eigner Kapellmeiſter Arnold von Brück war es, der über einige derſelben treffliche Melodieen verfertigte, wie z. B. über das Lied: Komm Heiliger Geiſt, HErre Gott ꝛc., Gott der Vater wohn' uns bei ꝛc., Mitten wir im Leben ſind ꝛc. Auf ſeinem Sterbe⸗ bette ließ der Kaiſer Ferdinand noch den Pabſt wiſſen: das werde ſein letzter Troſt ſein, wenn den Laien der Kelch erlaubt würde. Sein Hof⸗ prediger erzählt in ſeiner Leichenpredigt folgendes von ihm: „Ihre Majeſtät haben mir in ihrem Siechbeite befohlen, daß ich in ihrem letzten Stündlein und Todeskampf, wenn ich ſie mit Gottes heiligem Wort ermahnen und tröſten würde, keines majeſtätiſchen, gnädigſten oder fürſt⸗ lichen Titels im Zuſprechen gebrauchen, ſondern nur mit ihrem echriſtlichen Taufn amen nennen und ſagen ſollte: Ferdinande, mein Bruder, ſtreit wie ein frommer Ritter Chriſti, ſei deinem HErrn bis in Tod getreu. Welches iſt denn auch gehorſam⸗ lich vollzogen.“ So hat ſich die göttliche Wahrheit, die zu Augsburg bekannt worden war, ſelbſt an den Her⸗ zen der Feinde bewieſen; wie manche Frucht wird ſie aber im Verborgenen geſchafft haben, die erſt an jenem Tage offenbar werden wird. Gewiß Im iſt es, daß Gott auf das chriſtliche, ſtandhafte Bekenntniß unſrer Väter zu Augsburg einen über⸗ ſchwänglichen Segen legte. Noch immer ſpricht die darin enthaltene göttliche Wahrheit mit ſo überzeugender Kraft zu Allen, die ein offnes Herz für die Wahrheit haben, daß ſie darin das Be— kenntniß der wahren Kirche erkennen müſſen. Möchten darum auch alle Lutheraner mit Dank gegen Gott erkennen, welche köſtliche Beilage ſie in dieſer Confeſſion von den Vätem ererbt haben. Schande dem Lutheraner, der ſie nicht kennt, noch ſich die Mühe nimmt, ſie zu leſen! er iſt nicht des Namens Lutheraner werth. Aber wohl allen! und Ehre und Preis an jenem Tage denen, die an dieſem hochtheuren Bekenntniß mit rechtſchaffenem Herzen halten und nach dem Erempel jener unſerer Väter unter allen Trüb⸗ ſalen ſtandhaft dabei bleiben! Das helfe uns JEſus Chriſtus! Bekehrungsverſuche. (Löhe.) * Nimm Dich in Acht, Chriſtian, mit dem Be⸗ kehrenwollen. Bekehre Einen, Dich ſelbſt, wenn Du kannſt; Du kannſt aber das nicht, viel weni⸗ ger andere Leute. Bekehren iſt Gottes Sache. Gott bekehrt den Menſchen nicht ohne Wort und Sacrament; Er gebraucht Menſchen, um ſein Wort und Sacrament zu ſpenden; aber eben darum, lieber Chriſtian, nimm Dich in Acht, daß Du Gottes Wort recht theileſt in Geſetz und Evangelium und einer jeden Seele gibſt, was ſie brauchen kann. Kannſt Du das nicht, ſo laſſe lieber das Bekehren durchs Wort bleiben und bitte Gott um weiſe und rechtſchaffene Arbeiter in ſeiner Ernte. Beten iſt auch arbeiten, nur nicht auf Erden, ſondern im Himmel, — nicht an Menſchen⸗ herzen, ſondern, wenn es erlaubt iſt ſo zu ſagen, an dem Herzen Gottes, welches gerne durch beten⸗ der Kinder Herzen überwunden wird: denn es iſt ein Vaterherz. Ich habe von einem Manne geleſen, der von Gott begabt war mit ſchönen, leuchtenden Gaben, wie ein Morgenſtern. Er iſt weltbekannt, in der ganzen Welt geliebt und geehrt, denn die Welt liebt das Ihre. Vielleicht haſt Du den Namen des größten Dichters in Deutſchland, das heißt von Deutſchland's neuer Zeit, gehört, Göthe heißt er. An den haben ſich manche gewagt und wollten ihn für das Reich Gottes gewinnen, aber ſie vermochtens nicht. Es ging ihnen wie dem Töpfer, der ſein Geſchirr in den Brennofen ſtellt: je länger es drin iſt, deſto härter wirds. Ja, der arme, große Mann gab ſeinen gutwilligen Freun⸗ den eine Lehre, die auch uns behutſam machen kann: „Alle Bekehrungsverſuche, wenn ſie nicht gelingen, machen denjenigen, den man zum Pro⸗ ſelyten auserſah, ſtarr und verſtockt““ — Nimm Dich in Acht, vornehmlich mit denen, die ſich dünken laſſen, ſie ſeien reich und haben gar ſattl Bete aber für alle Menſchen! ————