# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 12 08_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 getheilt und bis auf den Grund gespaltet hat," indem sich hier eine große Partei gebildet habe, die den Namen „lutherisch" behalte, aber hinter diesem Schilde die luth. Lehre bekämpfe und sogenannte „neue Maßregeln," d. h. eine methodistische Bekehrungsmethode einführe; die Pflanzschule dieser Partei sei das Seminar zu Gettysburg. Hierauf kommt der Verfasser auf die Versuche, welche auch „die sogenannten Evangelischen" hier machen, die Lutheraner zum Abfall von ihrer Kirche zu bewegen und so dieselben auch dem Namen nach, wo es ihnen nur möglich ist, auszurotten. Er spricht Seite 26.: „Fast noch gefährlicher aber, als diese Spaltung, scheinen mir für den Bestand der luther. Kirche in America die Unionsversuche zwischen Lutheranern und Reformirten, welche neuerdings auch dort gemacht werden. Zuerst haben — einige wenige frühere Fälle abgerechnet — vor einigen Jahren neue von Deutschland herübergekommene Prediger in und bei St. Louis und an einigen andern Orten angefangen, sogenannte „„evangelische,"" d. h. aus beiderseitigen Confessionsverwandten gemischte Gemeinden zu bilden. Dem Anschein nach wird dies, im Westen wenigstens, einen reißenden Fortgang haben. Viele Kräfte werden dadurch der guten Sache entzogen, da natürliche alle, welche sich zu diesen unirten Gemeinden schlagen, in Beziehung auf jenen Kampf innerhalb der luth. Kirche neutral sind. Besonders gefährlich ist aber das an jener Union, daß dadurch — weil ja die Bekenntnisse, welche man vereinigen will, sich gegenseitig widersprechen — der feste Grund des Bekenntnisses ganz verlassen, mit dem schlüpfrigen Grund der Subjectivität (der jedesmaligen eignen Ueberzeugung) vertauscht und die Liebe zur Wahrheit sammt dem heiligen Ernste für sie geschwächt wird. Gleichgültigkeit und Schlaffheit im Bekenntniß ist die nothwendige Folge davon, wenn nicht schon der Ursprung. Auf solche Weise gewöhnt man sich auch daran, das Band der Kirche und die Heiligkeit der Gemeinschaft für so gering zu achten, daß man endlich die Gemeinschaft wechselt wie ein Kleid. Die Glieder der luth. Kirche werden durch diese evangelischen Gemeinden (in welchen jeder dem Schein nach bleibt, was er ist) wie durch einen Durchgangspunct allen möglichen Secten in die Hände geliefert. Haben sie, indem sie in solche Gemeinden eintreten, einmal die Scheu abgelegt, die Mutterkirche zu verlassen, so gehen sie leicht auch zu Secten über. So bedroht die Union, gerade weil sie etwas so Unverfängliches zu sein scheint, die Kirche am gefährlichsten mit allmähliger Auflösung." Indem wir diesen Satz einrücken, fürchten wir freilich beschuldigt zu werden, daß wir es aus Gehässigkeit gegen die sich evangelisch nennenden Prediger der hiesigen Umgebung thun. Wir wollen dies gern tragen als eine Schmach, die dem offenen Bekenntniß der Wahrheit immer folgt. Wir bezeugen jedoch vor aller Welt, daß man uns dann Unrecht thut. Eine feindselige Gesinnung gegen die hiesigen unirten Herren Prediger ist uns durchaus fern. Wir richten nicht über ihre Herzen; Gott allein ist es bekannt, was sie noch gefangen hält. Aber dürfen wir nicht öffentlich unsere Klage ausschütten, daß sie, die hier für die lutherische Kirche mitkämpfen sollten, an ihrer Vertilgung arbeiten helfen? Dürfen wir sie nicht öffentlich fragen: Was hat Euch die wahre lutherische Kirche Leides gethan, daß auch Ihr sie als Eure Feindin behandelt? Wolltet Ihr gerade von unserer Gemeinschaft nichts wissen, das wollten wir selbst gern entschuldigen, aber warum sagt Ihr Euch von der Kirche unserer alten frommen Väter los, die doch anerkannt treue und redliche Zeugen der Wahrheit waren? Sprecht Ihr: Ja, die lutherische Kirche ist jetzt zu tief verderbt! so fragen wir Euch: Wenn Ihr das mit uns erkennet, solltet Ihr Euch nicht gerade dann die Noth der Kirche zu Herzen gehen lassen, desto treuer sein, je mehrere ihr jetzt untreu werden, und Euch mitaufmachen, ihre Schäden zu heilen? Womit haben es aber auch ferner unsere lutherischen Glaubensbrüder an Euch verschuldet, daß Ihr sie hier im fremden Lande ihrer Kirche, die sie geboren hat, untreu machet oder doch Seelen in den Banden einer Union zu erhalten sucht, in welche dieselben von einer tyrannischen Obrigkeit im alten Vaterlande bald, ohne daß sie es wußten, mit List, bald mit Gewalt gebracht wurden? Warum macht Ihr, die Ihr Frieden stiften zu wollen bezeugt, eine neue Partei, aus welcher immer neue Secten geboren werden, also immer größeren Unfrieden? Seid Ihr im Herzen der lutherischen Lehre zugethan, warum bekennt Ihr es denn nicht mit Wort und That und helfet nicht mit die Kirche bauen, die diese Lehre bekennt und zu bewahren trachtet? — Werfet uns nicht Zanksucht vor, denn o! wer wünscht es sehnlicher, als wir, daß zwischen uns Friede sei! Wie tief schmerzt es uns, daß Ihr Euch von uns getrennt habt und daß wir nicht vereint wirken können! denn wir können nimmer die Kirche zerstören helfen, die mit so unbestechlicher Treue bei dem Worte ihres Heilands bleibt und allen Irrthum so entschieden ausscheidet und verwirft. Auf diesen Grund lasset uns vereint uns stellen! o, mit welcher Freude sind wir dann bereit, Euch die Hände der Brüder zu reichen, gemeinschaftlich den gemeinschaftlichen Feind zu bekämpfen und gern unter Euch die geringsten zu sein! Kirchliche Nachrichten. Aus dem „Freimüthigen" von Buffalo, N. Y. Den 6. Nov. wurde die hiesige lutherische Kirche, die sogenannte Preußenkirche, Ecke von Michigan und Goodelstraße, unter stattfindenden Festlichkeiten eingeweiht, und ihr der Name „Dreifaltigkeitskirche" beigelegt. Aus der „Christlichen Zeitschrift" von Chambersburg, Penns. Gegner der Bibelreligion. Philadelphia. — Das Gebäude, welches als eine sogenannte vernunftgläubige Kirche für Ginal erbaut wurde, wird jetzt von den Methodisten gebraucht. New York. — Der Vernunfttempel, in welchem Försch früher gegen alles Bibelchristenthum kämpfte, wird jetzt von den elenden Milleriten gebraucht. Allentown, Penns. — Der sogenannte Vernunfttempel steht ganz leer. Dies sind, unseres Wissens, die einzigen besonders dazu bestimmten Vernunfttempel in America — und ihr Schicksal ist durchaus kein ermunterndes für die Anhänger und Verfechter einer verkehrten Vernunftreligion. Neue deutsche lutherische Schule in St. Louis. Eine solche ist von der evangelisch-lutherischen Gemeinde ungeänderter Augsburgischer Confession allhier nun auch im nördlichen Stadttheile, siebente Straße zwischen der Carr- und Wash-Straße neben der Mühle, errichtet worden. Eltern, welche Kinder darin aufgenommen zu sehen wünschen, wollen sich bei dem derzeitigen Lehrer, Herrn Th. Bünger junior, melden. „Sie nehmen ein Ende mit Schrecken." Ps. 73, 19. Elias Hasenmüller, der erst selbst ein Glied des Ordens der Jesuiten gewesen war, aber, überzeugt von der Wahrheit der evangelischen Lehre, endlich im Jahre 1587 zur luth. Kirche übertrat und sich hierauf längere Zeit in Wittenberg aufhielt, hat uns in seiner „Geschichte des Jesuitenordens," welche 1593 herauskam, ein merkwürdiges Exempel aufbewahrt, was für ein klägliches Ende oft die abtrünnigen Verleugner der Wahrheit nehmen. Hasenmüller erzählt nehmlich in dem genannten Werke, daß er Folgendes selbst mit angesehen und angehört habe: Ein gewisser Jesuit, Johannes mit Namen, der die erkannte Wahrheit verlassen und sich in den Jesuitenorden begeben hatte, kam endlich 1583 zu Landsberg in Todesnoth. Um ihm in solcher Noth zu Hülfe zu kommen, brachte man ihm Agnus Dei (Gotteslamm-Bilder), Rosenkränze, Heiligen-Bilder, hölzerne Kreuze, gesegnete Medaillons (Rundbildchen), die geweihte Hostie und anderes dergleichen; man versprach auch für ihn Gebete zu thun und Messen zu lesen, ermahnte ihn, sich der Verdienste der Heiligen und seiner Brüderschaft zu trösten. Alles Zureden war jedoch vergeblich, denn er erwiederte: „Hinweg mit diesem allem, denn eben darum, weil ich an dieses geglaubt habe, werde ich nun verdammt werden." Hierauf sagte ich zu ihm: „Glaube an JEsum Christum." Mit Entsetzen antwortete der Unglückliche: „Es gab eine Zeit, da glaubte ich an ihn, aber ich habe ihn schändlich verleugnet; mir ist nun aus IEsu ein verdammender Richter geworden; meine Seligkeit ist verscherzt." Zu Petrus Hispanus, der zugegen war, sprach er: „Ich bitte dich, tödte mich, oder gib mir ein Messer, daß ich mich selbst durchbohre, denn ich brenne schon ganz in den höllischen Flammen." Dies vernehmend, hielten die Jesuiten das Zeichen des Kreuzes ihm vor die Augen und legten geweihte Kräuter auf ihn. Der Sterbende aber schrie. „Hinweg, hinweg! damit gießt ihr nur Oel ins Feuer, ich sehe nichts als böse Geister, welche mit offnen Klauen auf meine Seele warten; schon bin ich ihnen übergeben, denn ich habe Gott verleugnet und sein heiliges Wort." In solcher Verzweiflung fuhr der Elende dahin. B. Gedruckt bei Weber und Olshausen.