# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1861_S251 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 251 zwingen will, bei uns zu bleiben? In der Idee da mag Brownson Recht haben; die oberste Gewalt sollte allerdings die oberste Gewalt sein und bleiben. Die Theorie ist richtig, aber Sie wissen doch auch den Spruch: Die Theorie fliegt, Und die Praxis kriegt. Ich bin übrigens kein Politiker und will mich gern in solchen Fragen bescheiden. Christian: Wir können hier im Plauderstübchen ganz gemüthlich über solche Sachen reden. Andres: Eines besonders ist mir auffallend in diesem ganzen Handel, und ich wünschte alle Amerikaner möchten daran denken. Christian: Was ist's? Andres: Wie Ihnen wohl bekannt ist, so hat man hier seit Jahren schon mit der Revolution in allen Welttheilen geliebäugelt. Christian: Du hast ganz Recht. Andres: Wie werden doch Ronge, Kinkel, Kossuth, Hecker und andere rebellische Sturmvögel bis in den Himmel erhoben! Wie hat man den Garibaldi und die Rebellion in Italien und im Kirchenstaat, in allen Zeitungen und Mietings mit und ohne Illuminirung herausgestrichen und gepufft, von seller Orsiniprocession, die durch's ganze Land ging, gar nicht zu reden — und jetzt, da wir den rebellischen Teufelsdreck auf einmal mitten unter uns haben, so heißt es Auwaih geschrieen! Dem Volke, das draußen gegen seine Obrigkeit revoltirte, hat man von hier aus zugejauchzt, hat das Recht der Volksrevolution proclamirt, und jetzt will man unsre südlichen Revoluzzer, die streng genommen gar keine Revoluzzer oder Rebellen sind, mit Kanonen in den Verband der Union zurücktreiben. Ich kann das nun und nimmermehr in meinen Kopf hineinbringen." Merkwürdig ist, wie Oertel dennoch seine Loyalität zu retten sucht. Er schreibt in einem der nächsten Artikel: „Sollten uns aber die Black Republicans, besonders die deutschen Flegel unter ihnen, wiederholt mit ihrem schwarzen Verdacht wider uns in die Schranken vor das Publicum treten wollen, insinuirend, daß wir Katholiken keine rechten Unionsmänner wären ꝛc., so werden wir diesen Calumnianten beweisen, daß wir bessere und aufrichtigere Unionsbürger sind, als die ganze schwarze Sippschaft jemals gewesen ist oder sein wird. Schon der Name Ignatius Loyola, den wir als Stifter des Jesuitenordens und als Heiligen verehren, sollte bei einem jeden denkenden Bürger Bürgschaft genug sein, daß wir loyal sind und bleiben. Wir sind loyal aus Princip, um Gottes und des Gewissens willen. Aber Viele von euch Black Republicans sind bloß loyal wegen der Speculation, der Ambition und dem Geldbeutel." Sclaverei. Laut einer in den Blättern coursirenden offenen Erklärung haben sich eine Anzahl bisheriger Mitglieder der deutschen südlichen bisch. Methodistenkirche losgesagt, weil die Gemeinschaft, „anstatt, wie sie vorgebe, sich neutral zu verhalten in Betreff der Sclaverei, vielmehr unter dem Deckmantel dieser Neutralität dieselbe unterstütze und vertheidige als ein von Gott verordnetes Institut." Ein Methodistenprediger in Ohio, der gern eine Stelle als Capellan bei einem Regimente gehabt hätte, schrieb an den Gouverneur: „Ich bin ein Methodistenprediger von der Nord⸗Ohio⸗Conferenz, 48 Jahre alt, und werde predigen, beten und kämpfen, je nachdem es die Umstände erfordern." Gewiß ein anstelliger Mensch! Mennoniten. Das „christliche Volksblatt," Organ der Mennoniten, sagt in der Nummer vom 26. Juni: „In unserer Mennoniten⸗Gemeinschaft in America hat sich von jeher eine unverzeihliche Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit kund gegeben. Gar wenig hat man sich um zerstreute Glieder oder auch Gemeinden bekümmert — und besonders wenn sie arm oder schwach waren. Als Grund zu solcher Vernachlässigung kann mit Recht der angegeben werden: weil man das mennonitische Volk, ja Diener selbst in diese strafbare Lehre einwiegte: daß es unrecht sei, die Prediger mit Geld zu unterstützen,