# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1861_S250 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 250 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Die Politik der Kath. Kirchenzeitung von New York spricht sich ziemlich deutlich in einem Artikel vom 4. Juli, „Plauderstübchen“ überschrieben, aus. Da das Blatt ohne Zweifel nicht geringen Einfluß ausübt auf die hiesigen deutschen Katholiken, so ist es vielleicht manchem unserer Leser nicht uninteressant davon noch ein Mehreres zu hören. Wir theilen daher aus genanntem Artikel noch Folgendes mit: „Andres (ganz im Bibellesen vertieft, dann ein wenig pausirend): Ein herrlich Buch, voll Erkenntniß und Weisheit in göttlichen und menschlichen Dingen! Christian: Ja, so ist es. Andres: Ich kenn kein Buch, das auch für weltliche Regierung so herrliche Winke enthält, wie wir z. B. in Moses lesen. Christian: Das Theokratische ist eben der Hauptkern in jeglicher Regierung. Doch weißt du eine Norm zur Bürgerführung? Andres: Hienieden Im Frieden; Kehre Jeder vor seiner Thür: Bekriegt, Besiegt, Vertrage man sich mit der Einquartirung. Christian: Wo hast du denn das her? Andres: Wenn ich so im Alten Testament les', sei es im Moses, oder in den Sprüchen, im Prediger, im Sirach oder sonst wo, da find ich die obige Sentenz, wenn auch mit andern Worten. Christian: Man muß freilich das richtige Verständniß dazu haben. Andres: Ich bin nicht arg studirt, aber ich nehm halt so meinen altfränkischen Verstand mit dazu. Findet ja auch a blind's Hühnle manchmal a Körnle, warum sollte denn nicht der Mensch, der doch mehr als ein Huhn ist, in der Schatzkammer des göttlichen Wortes eine Perle finden? Christian: Bleib dabei, du hast Recht. Andres: Aber apropo! Das salomonische Wort: „Hienieden in Frieden“ scheint unsere Administration in Washington nicht zu bedenken. Christian: Ich will dir was sagen, die Herren werden schon Frieden machen. Mr. Lincoln sieht so gut ein wie wir, daß für unser Amerika der Frieden nothwendig ist; aber er will und kann doch nicht so ohne Weiter's jetzt gleich mit dem Olivenzweig den Südländern entgegenkommen. Was würden da die nördlichen Leut und Soldaten von ihm denken? Andres: Das seh ich auch ein, die Südlichen hätten aber nicht so schnell losfahren sollen, als Lincoln Präsident wurde, hätten zuwarten sollen noch a Bißle, bis die Regierung und der Congreß wirklich feindliche Maßregeln gebraucht hätten; aber doch da die Sache jetzt einmal zum Ausbruch gekommen, so fragt sich, ob durch Gewalt der Schaden Josephs wieder gut gemacht werden kann? Ich glaub das nicht. Christian: Die Herren in Washington scheinen allerdings für jetzt noch anders zu denken, und auch unser geistreicher Freund Dr. Brownson vertheidigt in einem längeren Aufsatz, “the great rebellion” betitelt, unsre Administration. Lies nur das eben erschienene Juliheft von seinem Quaterly Review. S. 378 — 402. Der Hauptpunkt, von dem Brownson ausgeht, ist der, daß unsre Regierung, wie jede andere, vor allen Dingen das Recht der Selbsterhaltung habe und daß ihre Gewalt die oberste Gewalt des ganzen Landes ausmache ꝛc., welche Gewalt zu vertheidigen unser Gouvernement befugt und verpflichtet sei. Andres: Nach dieser Beweisführung wären also die südlichen Staaten völlig im Unrecht und als in Rebellion begriffen mit Gewalt zu unterjochen. Christian: Freilich wohl. Was ist deine Meinung hierüber? Andres: Vor Allem wo bleibt denn aber die Freiheit und Souveränität der einzelnen Staaten, die wohl oder übel eben einmal nicht mehr bei uns sein wollen, wenn man sie