# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1861_S249 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 249 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. America. Eine merkwürdige Art Kircheneinigkeit zu stiften treffen wir in dem jüngst gefaßten Beschlusse der „Vereinigten Brüder in Christo“: „Da stets eine Differenz der Meinungen in Bezug der Art und Weise des Taufens und der geeigneten Subjecte herrscht und geherrscht hat, deshalb beschlossen, daß es keinem unserer Prediger oder Glieder gestattet sei, verächtlich oder leichthin hierüber zu urtheilen und zu reden, und daß diejenigen, die sich dergleichen schuldig machen, deshalb zur Verantwortung gezogen werden sollen.“ Sclaven. Der Luth. Herold wirft in seiner Nummer vom 1. Juli die Frage auf: „Was zu thun mit den kriegsgefangenen Sclaven?“ Er sagt: „Die Frage liegt dem Bunde vor: was mit den Hunderten, ja Tausenden (?) weggelaufener oder gefangener Sclaven zu thun? Folgende Rathschläge sollten jedenfalls nicht ungeprüft verworfen werden: Der Staat, d. h. unsere Verein. St., erkläre sie für sein Eigenthum. Er verkaufe sie, sobald es angeht, an treue Bürger des Staates, welchem die Sclaven zugehörten. Das gelösete Geld aber werde zum Besten der Sclaven aufbewahrt, entweder um deren Heranbildung und Erziehung zu fördern oder zu einer kräftigen Emancipation zu dienen u. s. w. Will man das Verkaufen nicht, nun so vermiethe oder verdinge man sie, ebenfalls an loyale Bürger des Staats, dem die Sclaven zugehörten. Aber, so schreien die Hitzköpfe: da bleiben sie ja dennoch, was sie waren! Wir sagen nein! denn das dürfte nur geschehen unter folgenden ernsten Bedingungen, „die ehrlich“ (in America viel verlangt!) „in jedem County, beaufsichtigt“ (die Bedingungen?) „werden müßten: 1. Die Ehe heilig. 2. Keine Familie getrennt. Wo dem Käufer oder Miether Schaden durch diese Bedingung erwüchse, da müßte die obige Casse zu Hülfe kommen. 3. Wo möglich“ (eine gute Gesetzesform!) „sollten die so Gebundenen auf derselben Plantage bleiben. 4. Christlicher Unterricht, lesen und schreiben, eine besondere Zeitung für die Dienstleute u. s. w. sollte gefördert werden. 5. Die Miethsherrn aber dann in ihrem Besitz jedenfalls geschützt. Mein Gewissen sagt mir, und ich weiß, daß viele noch bessere einstimmen, daß der HErr gekommen ist, auch die „„Nigger““ im Süden zu suchen, zu emancipiren und selig zu machen.“ — Es ist Schade, daß Hr. Dr. Stohlmann dies nicht vor der letzten Wahl zum Congreß geschrieben hat. Er hat damit so große staatsmännische, staatsökonomische Weisheit offenbart, daß er dann sicher zum Senator, vielleicht gar als der rechte Mann zum Präsidenten gewählt worden wäre. New York scheint vor anderen Städten ziemlichen Vorrath an großen Politikern zu haben. Ein anderes Exemplar davon ist nehmlich offenbar Herr Maximilian Oertel von der Kath. Kirchenzeitung. Derselbe hat in der Nummer vom 4. Juli einen Artikel veröffentlicht unter der Ueberschrift: „Zusammen und auseinander“. Nachdem er der Trennung des jüdischen Volkes nach Salomons Tod in Juda und Israel gedacht, fährt er fort: „Davids Nachkommen herrschten nunmehr blos über den vierten Theil des Salomonischen Reiches, der das Reich Juda hieß. Ihr erster König, Rehabeam, wollte zwar das Auseinander wieder heilen und wie unser Präsident Lincoln die Abtrünnigen mit dem Schwert (Kanonen gab's damals noch nicht) wieder zum früheren Zusammenleben zurückführen; aber es ging nicht, und Gott selbst legte sich ins Mittel und ließ durch den Propheten Semaja dem Regenten von Juda sagen: Stop a little, du sollst die abtrünnigen Stämme nicht zwingen, daß sie wider Willen zurückkehren. Und Rehabeam gehorchte dem Worte des HErrn (1 Kön. 12. 2 Chr. 10.). — Unser Abraham in Washington sammt Compagnie, worunter doch auch bekanntlich viele Bibelleser sind, könnten — denk ich — aus diesen angeführten Stellen doch Manches zur Beherzigung hinnehmen. Ist denn niemand dort, der ihnen den Artikel übersetzt?“ — Diese letzten Worte zeigen allerdings ein tiefes eignes Gefühl von der Staatsweisheit an, die Hr. Oertel in sich trägt, allein, aufrichtig gestanden, gefällt seine Rathgebung uns immer noch besser, als die Hrn. Dr. Stohlmanns, obgleich jener ein Papist ist, dieser ein Protestant; namentlich darum, weil unser Papist hier seine Weisheit einmal aus der Bibel borgt, unser Protestant hingegen ex propriis raisonnirt.