# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1861_S234 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 234 Was von uns Wahres und Falsches berichtet wird. erdichten und aus der Luft zu greifen, um darnach seine darüber schwebende Friedensstellung und vorgeblich höhere Einigung den Lesern vorzumalen. Denn es ist durchaus unwahr und irrig, daß jene von Prof. Fritschel behauptete Freigebung bei uns stattfindet. Vielmehr ist es also, daß wir die absolute Herrschaft des geschriebenen Wortes Gottes behaupten und in Leitung unsrer Gemeinden durchführen. Wo dieses ge⸗ oder verbietet, da ist bei uns von keiner Freigebung an die Willkür der Gemeinden die Rede; und ich hoffe zu Gott, daß bis jetzt noch ein jeder von uns sofort lieber sein Amt in seiner Gemeinde niederlegen würde, als auch nur in irgend einem Falle die Ehre des göttlichen Wortes der Willkür seiner Gemeinde preiszugeben; keiner von uns würde von der Gemeinde sich abtrotzen lassen, z. B. offenbaren Wucherern oder Säufern das heil. Abendmahl zu reichen u. s. w. Aber selbst in Sachen, die nicht unmittelbar die Ehre göttlichen Wortes, den Glauben und das Gewissen betreffen, sondern die, als Mitteldinge, wirklich in den Bereich der christlichen Freiheit der Gemeinde fallen, als z. B. gewisse Bräuche im öffentlichen Gottesdienst, die besondere Einrichtung des Schulwesens, der Armen⸗ und Krankenpflege und dergleichen; — auch hier ist bei uns von jener phantasirten „absoluten Freigebung an die Willkür der Gemeinde“ durchaus keine Rede. Denn auch hier hat Gottes Wort z. B. in folgenden Sprüchen das Regiment, welche über allen Verhandlungen schweben und sie regeln und leiten: „Lasset alles ehrlich und ordentlich zugehen.“ 1 Cor. 14, 40. „Allesammt seid unter einander unterthan und haltet fest an der Demuth.“ 1 Petr. 5, 5. „Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst.“ Diese und ähnliche Sprüche, die sich wesentlich alle auf die Uebung der brüderlichen Liebe beziehen, die in den Mitteldingen und in Sachen der christlichen Freiheit regieren soll, diese haben bei uns hier das Regiment. Und wo etwa die Willkür und Unart des Fleisches in diesen oder jenen Begüterten oder Klugen oder Angesehenen in unsern Gemeinden wider diese Sprüche sich setzen wollte, da erfahren sie und ihre etwaigen Anhänger durch diese Sprüche, sei es von dem Prediger oder einem andern Gemeindegliede, keine Freigebung an diese ihre Willkür, sondern die heilsame brüderliche Bestrafung und evangelische Beschämung, daß sie, ob Gott will, schamroth werden und schweigen. Ebenso wenig geschieht es in unsern Gemeinde⸗Verhandlungen, daß bei Berathung über Mitteldinge, die, je nach vorhandener Nothdurft, einzuführen oder abzuschaffen oder abzuändern sind, sofort abgestimmt würde, also daß etwa eine partheihalterische Masse auf diese Weise ihren Kopf durchsetzte. Vielmehr wird die Sache, um die es sich handelt, nach ihrer Veranlassung und Beschaffenheit, zuerst der Gemeinde vorgelegt; darnach werden die Gründe dafür und dawider sorgfältig angehört und reiflich erwogen, wie nun, neben dem Pastor auch, je nach vorhandener Erkenntniß und Erfahrung, einzelne Gemeindeglieder darin beitragen; und erst zuletzt wird über diese für den christlichen Glauben und das kirchliche Bekenntniß gleichgültige