# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1861_S230 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 230 Was von uns Wahres und Falsches berichtet wird. Glauben leben und weben, die, wider alle klaren Lehrstellen der heil. Schrift aus dunkeln Stellen, denen sie ihren Wahn und Dünkel unterschieben, zwischen das Gnadenreich und das Reich der Herrlichkeit ein Reich setzen, das keine Wahrheit und Wirklichkeit hat, sondern nur in ihrem falsch⸗ und halbbekehrten, kreuzesscheuen, gefühlig genießlichen, scheingeistlich⸗lüsternen, unruhig⸗pietistischen Herzen und in ihrem schwarmgeisterischen Kopfe seinen Ursprung und Sitz hat. Es ist fürwahr kein Gegenstand der Freude, sondern vielmehr ernstlich zu beklagen, daß von keiner Seite der preußischen Lutheraner ein entschiedener Protest gegen jenes Compromiß der Synode mit dem Chiliasmus erfolgt ist. Die liebe Menschelei ist eben auch mit auf der Synode gewesen und ist wieder einmal die Liebe mit dem Glauben verwechselt worden; denn in Sachen des Glaubens und des Bekenntnisses, da gilt kein Ansehen der Person, kein Zurücken und Nachgeben; da sollen auch die Jüngeren sich nicht scheuen, eben so demüthig als freimüthig, selbst wider die Aelteren, falls diese irren oder menscheln, ihr Zeugniß zu erheben. Das ist aber das Betrübte, daß bei den preußischen Lutheranern selbst die entschiedensten Gegner des Chiliasmus und der Lehre von ihrem gesetzlichen Kirchenregiment, als z. B. die Past. Diederich und Räthjen sammt ihren Zugethanen in der Lehre vom Kirchenregiment selber nicht in der Mitte der gesunden evangelischen Wahrheit und auf dem darauf gegründeten Bekenntniß der lutherischen Kirche stehen. Auch ihnen fehlt die evangelische, d. i. lutherische Grundanschauung vom Wesen der Kirche, als der Gemeinde der wahrhaft Gläubigen und Heiligen, der in Christo mit dem Evangelio ohne Mittel auch das Amt der Schlüssel gegeben ist, um durch ihre Diener die Gnadenmittel öffentlich von Gemeinschafts wegen verwalten zu lassen. Denn im Widerspruch dagegen richten sie ein Pastoralregiment auf, das wesentlich nichts Anderes und Besseres, ja viel Gefährlicheres ist, als das von ihnen bekämpfte dermalige Kirchenregiment ihres Ober Kirchencollegiums, und daraus folgerichtig, unter lutherischem Schein, ebensoviele Separat⸗ Päbstlein herauswüchsen, als es, dem Namen nach, lutherische Pastoren gäbe. Es ist also ohne Zweifel wahr und klar, daß unter den Lutheranern in Deutschland sogar solche, die den Ruhm der Bekenntnißtreue für sich in Anspruch nehmen, entweder mit dem Chiliasmus auf phantasierende Weise liebäugeln, wie Löhe und die Seinen, oder doch eine ziemlich laxe Stellung gegen ihn einnehmen, wie die Synode der lutherischen Kirche in Preußen. Um so tröstlicher ist es da, doch auch Zeugnissen zu begegnen, die, wie das von Münkel oben angezogene, einen ehrlichen und aufrichtigen lutherischen Haß wider „den grundstürzenden Chiliasmus“ aussprechen, der „ein ganzes Geflecht von Irrlehren sei und nothwendig seinen verwirrenden Einfluß auf die ganze Heilslehre äußern müsse.“ Denn es ist klar und offenbar, daß dieser Wahn und Traum, dieses schillernde Chamäleon wider die klaren Lehren von der einen allgemeinen Auferstehung am jüngsten Tage und von dem Reiche Gottes anläuft; auch leugnet er entschieden, daß die Wiederkunft