# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1861_S228 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 228 (Eingesandt von Dr. Sihler.) Was von uns Wahres und Falsches berichtet wird. In No. 15 und 16 des Jahrganges 1861 hat Herr Past. Münkel in seinem „Neuen Zeitblatt für die Angelegenheiten der lutherischen Kirche“ einen trefflichen Aufsatz geliefert unter dem Titel: „Leitfaden zum Chiliasmus.“ Darin weist er denn nach, wie der gröbere und feinere Chiliasmus Schwarmgeisterei und der Gesundheit des Glaubens zuwider sei und schließt mit folgenden Worten: „Ich kann es daher nur billigen, daß die lutherischen Missourier in Amerika so ernst gegen den Chiliasmus aufgetreten sind und ihm keine Duldung bewilligt haben. Wer den gewitterschwülen chiliastischen Dunstkreis in Amerika nur einigermaßen kennt, der wird begreifen, welche Noth die Missourier damit haben, und wie schwer es ihnen fällt, ihre Gemeinden einigermaßen in gesunde Luft zu bringen. Wollten sie gegen den Chiliasmus nachsichtig sein, so würden sie ihre ganze Kirche auf's Spiel setzen. Denn der Chiliasmus ist nicht nur grundstürzend; er ist ein ganzes Geflecht von Irrlehren und muß nothwendig seinen verwirrenden Einfluß auf die ganze Heilslehre äußern. Dazu kommt, daß man in Amerika weniger speculiret (nämlich philosophischer Weise) als in Deutschland. Man will die practischen Erfolge von allem sehen und Versuche damit an der Kirche machen, wie die vielen und täglich neu aufschießenden Secten zeigen. Und wenn wir bei uns erst völlig freie Hand in solchen Dingen haben werden, wird der Schwarmgeist schon dazu thun, daß wir hinter Amerika nicht zurückbleiben.“ Bisher haben wir fast durchweg nur Mißbilligung, als eine engherzige und intolerante Synode, wegen unsers ernsten und entschiedenen Zeugnisses wider den Chiliasmus in Deutschland selbst von denen davongetragen, die da wollen echt und recht lutherisch sein. Und am meisten ist uns verdacht worden, daß wir den Herrn Past. Schieferdecker, der trotz aller Ueberweisung seine chiliastischen Irrthümer hartnäckig festhielt, von unserer Synodalgemeinschaft einmüthig ausgeschlossen haben, so weh im Herzen uns allen auch dabei war.*) Die besondere Bitterkeit des Herrn Pfarrers Löhe wider uns um dieses unseres Zeugnisses willen ist ja leicht zu erklären. Denn einmal ist er ja selbst ein erklärter Schutzpatron des Chiliasmus; sodann weisen *) Im sächsischen Kirchen⸗ und Schulblatt war dabei, ohne alle Unterlage aus unserm Synodalbericht, die entschiedene Unwahrheit berichtet, als sei die Ausschließung auch deshalb erfolgt, weil Herr Past. S. die Meinung festgehalten, daß gegen das Ende hin noch eine Massenbekehrung Israels stattfinden werde. Wohl aber unterscheiden wir mit unsern rechtgläubigen Vätern diese Meinung von der Behauptung eines noch bevorstehenden tausendjährigen Reiches Christi und seines Volks auf Erden, zwischen dem Reiche der Gnade und dem der Herrlichkeit, es habe dieses Traumreich, je nach der Phantasie des Träumers, diese oder jene Färbung und Ausmalung. Denn wiewohl alle Chiliasten jene Meinung von der Massenbekehrung Israels gegen das Ende hin auch hegen und pflegen; so ist das Umgekehrte durchaus nicht der Fall. Denn es giebt anerkannt rechtgläubige, auch ältere lutherische Lehrer, die jene Meinung auch festhalten und doch jeden Chiliasmus, dem 17. Art. der Augsburgischen Confession gemäß, entschieden verwerfen.