# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 01 11_S73 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Redigirt von C. F. W. Walther. Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luther's Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. St. Louis, Mo., den 11. Januar 1848. No. 10. Jahrgang 4. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt von Herrn P. Schieferdecker.) Die Uebergabe der Augsburgiſchen Confeſſion. (Fortſetzung und Schluß.) Endlich brach der 25. Juni, der große und wichtige Tag an, an welchem die Confeſſion vor⸗ geleſen und übergeben ward, ein Tag, der einzig daſteht in der Geſchichte der chriſtlichen Kirche, weil hier die Wahrheit Gottes über den mächtig⸗ x ſten Feind triumphirte, der ſich je wider den Geſalbten des HErrn und ſein heiliges Evangelium aufgelehnt hat, wider den römiſchen Antichriſt und ſeinen furchtbaren Anhang. Gott hatte aus der ganzen Chriſtenheit nah und fern die ange⸗ ſehenſten Vertreter derſelben zuſammengeführt, daß ſie ſein Wort von denen, die ſie zuvor verachtet und verfolgt hatten, hören, und erkennen ſollten, ö wie ſie zuvor unter dem Pabſtthum jämmerlich x verführt, und um ihre Seligkeit betrogen worden Ferr wären. Es war Nachmittags um drei Uhr, da ſich nicht blos die Fürſten und Stände des deutſchen Reichs, ſondern auch die Botſchafter fremder Nationen auf dem Saale des biſchöflichen Palaſtes verſammelten, denn in dem Saale des Rathhauſes, der weit größer war, hatte der Kai⸗ ſer die Vorleſung nicht geſtatten wollen. Vor dieſer hohen und glänzenden Verſammlung tra⸗ x ten die vorgenannten lutheriſchen Fürſten mit freudiger Miene und Geberde auf, und ſchämten ſich des Evangeliums von Chriſto nicht. Sie wollten ihr Bekenntniß ſtehend ablegen, allein der Kaiſer hieß ſie ſich niederſetzen. Darauf traten die beiden Kurſächſiſchen Kanzler Dr. Georg ů Brück und Dr. Chriſtian Bayer vor, der erſtere mit dem lateiniſchen, der andere mit dem deutſchen Exemplar der Confeſſion. Der Kaiſer wollte dieſelbe in lateiniſcher Sprache hören; allein auf des Kurfürſten von Sachſen Vorſtellung: „ſie ſeien auf deutſchem Grund und Boden, demnach werde Ihro Majeſtät auch die deutſche Zunge er⸗ lauben“, wird die Confeſſion von Dr. Bayer in deutſcher Sprache ſo laut und vernehmlich vor⸗ geleſen, daß man es draußen im Hofe, wo eine gtoße Menge ſich verſammelt hatte, hören konnte. . Zwei Stunden dauerte die Vorleſung, während welcher die größte Stille und Aufmerkſamkeit herrſchte. Man hörte mit Erſtaunen, daß die lutheriſche Lehre ganz anders war, als ſie die boshaften Gegner vorgeſtellt hatten. Denn von dieſen waren die Lutheraner verleumdet worden, als hätten ſie ſich von dem alten chriſtlichen Glau— ben losgeſagt. Nicht zu verkennen war der tiefe Eindruck, den die Confeſſion bei Vielen machte. Der Kaiſer ſelbſt war nach Anhörung derſelben viel milder und freundlicher. Als Dr. Brück beide Exemplare dem kaiſerlichen Secretair Alex. Schweis übergeben wollte, ſo ließ ſie ſich der Kaiſer vom erſteren ſelbſt reichen, und behielt das lateiniſche Exemplar für ſich, das deutſche aber übergab er dem Kurfürſt von Mainz, als des Reichs Kanzler, um es in dem Reichsarchiv zu Mainz zur Aufbewahrung niederzulegen. Zu⸗ gleich ließ er den proteſtantiſchen Fürſten ant⸗ worten: er habe ihr Glaubensbekenntniß gnädig vernommen, und werde dieſe wichtige und große Sache reiflich überlegen, und ſeinen Entſchluß darüber bekannt machen. Der Cardinal von Salzburg meinte, die Sache der Proteſtanten ſei nicht unrecht, das aber ſei keineswegs zu dulden, daß man ſich von einem elenden Mönch ſollte Vorſchriften machen laſſen. Herzog Wilhelm von Baiern redete den Kurfürſten Johannes freund⸗ lich an und warf in deſſen Gegenwart dem Dr. Eck vor, ihm die lutheriſche Lehre ganz falſch vor⸗ geſtellt zu haben. Als dieſer erwiederte, er ge— traue ſich dieſelbe mit den Kirchenvätern zu wider— legen, aber nicht mit der Schrift, antwortete der Herzog: „So höre ich wohl, die Lutheriſchen ſitzen in der Schrift und wir daneben.“ Beſon⸗ ders denkwürdig ſind die Worte des gelehrten Biſchofs von Augsburg Chriſtoph von Stadion, welcher offen ſagte: Alles, was vorgeleſen wor⸗ den iſt, iſt wahr, die lautere Wahrheit; wir kön⸗ nen es nicht leugnen. Dieſer Stadion war über⸗ haupt ein Gamaliel in dem Rath der Phariſäer (Ap. Geſch. 5, 3. 4. ff.). Luther hatte vor Be⸗ ginn des Reichstags eine Vermahnung an die Geiſtlichen nach Augsburg geſandt. Dieſe ernſte und ſcharfe Schrift nahm der Biſchof mit in den Fürſten⸗Rath, und las ſie öffentlich vor. Auch der ſonſt ſehr feindſelige Herzog Heinrich von Braunſchweig lud, nachdem er das Bekenntniß der Lutheriſchen gehört hatte, Melanchthon freund⸗ lich zu Tiſche, und bezeugte, er könne die Artikel von beiderlei Geſtalt (im Abendmahl), von der Prieſterehe und vom Unterſchied der Speiſen nicht leugnen. So bewies die Wahrheit ihre überzeugende Kraft ſelbſt an den Herzen der Feinde, und was zuvor in Augsburg zu predigen verboten worden war, das wurde auf dieſem Reichstag laut und freimüthig bekannt. „Iſts nicht, ſchreibt Luther, eine feine Klugheit und großer Witz, daß Mag. Eisleben und Andere müſſen ſchweigen, aber da⸗ für tritt auf der Kurfürſt zu Sachſen ſammt an⸗ deren Fürſten und Herren mit dem ſchriftlichen Be— kennmiß, und predigen frei für Kaiſerlicher Ma⸗ jeſtät und dem ganzen Reich, daß ſie es hören müſſen und nicht dawider reden können? Ich meine ja, das Verbot zu predigen ſei damit wohl gerochen.“ Und Spalatin bezeugt, es ſei „ein Bekenntniß, dergleichen nicht allein in tauſend Jahren, ſondern dieweil die Welt geſtanden, nie geſchehen iſt. Man findet in keiner Hiſtorie, noch bei keinem alten Lehrer dergleichen“. Wem dies Lob zu viel dünkt, der zeigt nur damit an, daß ſein Geiſt viel zu klein und zu beſchränkt iſt, um den Geiſt dieſes Bekenntniſſes zu würdigen. Es iſt eben ſo tief und gründlich, als klar und ein⸗ fach in Darlegung der göttlichen Wahrheit; es iſt nicht eine bloße Streitſchrift, ſondern auch eine Lehrſchrift; es reißt nicht blos nieder, ſondern baut auch auf. In den erſten 21 Artikeln giebt es die klare, geſunde Lehre der Schrift von den vornehmſten Attikeln des Glaubens, in den letzten ſieben beſtreitet es die in der römiſchen Kirche eingeſchlichenen Mißbräuche und Men⸗ ſchenſatzungen. Von unberechenbarer Wichtigkeit war dieſes Bekenntniß nicht blos für die Kirche damals, ſondern auch für die Folgezeit bis auf den heutigen Tag. In ihm erhielten Alle, die es treu und ernſtlich mit der Wahrheit meinten, ein gemeinſames Bekenntniß, um welches ſie ſich wie um ihr Panier ſchaarten, und durch welches