# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1861_S222 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 222 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Gebet für den Präsidenten. Der Kirchenbote meldet: „In Georgetown, D. C., weigerte sich der Prediger der Episcopal⸗Christkirche, Dr. Norwood, dem Befehle des Bischofes Whitingham zur Einschaltung des Gebets „„für den Präsidenten der Ver. Staaten““ nachzukommen und hat der Gemeinde, im Falle sie dieses nicht gut heißt, seine Resignation angeboten.“ Chiliasmus. Aus einem in Löhe's „Mittheilungen“ vom Mai d. J. veröffent⸗ lichten Brief des seligen Pastor Gruber an den Herausgeber ersehen wir, daß der Schreiber des Briefes folgendes Eingeständniß darin macht: „Darnach verhehlen wir es uns nicht, daß wir in Widerspruch stehen mit dem wohl seit Constantin schon anhebenden Warten der ganzen Christenheit auf das endliche Weltende und Weltgericht, daß der Satz in der Aus⸗ legung des 3. Artikels „„und am jüngsten Tage mich und alle Todten auferwecken wird““ eine Aenderung oder Ergänzung aus dem Licht des prophetischen Worts er⸗ heischt, so wie einige Sätze im Athanas. Symb., obwohl die Lehren selbst von der Aufer⸗ stehung und Weltgericht keinesweges geleugnet werden.“ Die Synode der Reform. Presbyterianer (die alten schottischen Cove⸗ nanters). Der „Evangelist“ vom 15. Juni schreibt: „Auf vielen in diesen Tagen abge⸗ haltenen Versammlungen kirchlicher Körper kam die gegenwärtige politische Lage unseres Landes zur Sprache.“ Auch die genannte Synode faßte darauf sich beziehende Beschlüsse für die Union. Doch bemerkt der „Evangelist“: „Diese letztere Denomination weigert sich, die bindende Autorität der Ver. Staaten⸗Constitution anzuerkennen, weil sie dieselbe für unmoralisch hält, hauptsächlich wegen der Duldung der Sclaverei. Es erhob sich während der diesjährigen Versammlung eine Debatte über die Frage, ob es für einen Covenanter recht sei, für die Regierung der Union zu fechten. Die Synode nahm zuletzt einen Vor⸗ schlag an, daß man diese Sache dem Gewissen eines jeden Gliedes überlassen solle.“ Guter Rath. Der Luth. Herold meldet unter dem 15. Juni die erfolgte Einstellung des Unterrichts im Concordiacollege und die Heimsendung der Zöglinge in Folge der kriegeri⸗ schen Unruhen in St. Louis und jetzt im ganzen Staate Missouri als ein Gerücht und spricht dabei einen guten Rath in folgenden Worten aus: „Wie nun, wenn jene drei Anstalten (zu St. Louis, Buffalo und Columbus) Eine würden! Wenn die Lutheraner von Missouri und Buffalo sich in Columbus die Hände reichten und Columbus die Hände freundlich nach beiden ausstreckte!“ — Gewiß ein schöner Gedanke. Wie gern würden alle wahren Lu⸗ theraner darauf eingehen, wenn es auf der Basis der Wahrheit geschehen könnte! II. Ausland. Ueber die lutherische Kirchenreformation werden in unseren Tagen, wo so viele s. g. Protestanten wieder allerlei römische Anschauungen in ihren Glauben aufge⸗ nommen haben, immer verrätherischere Stimmen laut. So hat im vorigen Jahre ein Dr. H. Vorreiter eine in Halle erschienene Schrift geschrieben: „Luther's Ringen mit den antichristlichen Principien der Revolution,“ worin er, der Verfasser, zu dem Resultate kommt, daß Luther schon im October 1518 vom reformatorischen Beruf abgefallen sei. Als den Hauptirrthum Luther's stellt Hr. Vorreiter dessen Lehre von der unsichtbaren Kirche dar und geht dann weiter: „Die drei Dinge: der Principat, sei es Jerusalems oder Roms, die Bedeutung der allgemeinen Concilien und die Kraft der Tra⸗ dition fließen so sehr aus der Autorität der Kirche, diese Dinge sind so sehr in die noch im Geist der Liebe vor sich gehende Entwicklung der Kirche gebunden, daß wir einer Refor⸗ mation, welche principiell gegen sie vorgeht, den Vorwurf revolutionären Vorgehens auf kirchlichem Gebiet machen müssen.“ Der Verfasser sieht, seine Lehre von der wahren sichtbaren Kirche, außer welcher kein Heil, consequent verfolgend, in der römischen Kirche noch immer die wahre, von der sich Luther trotz ihrer Irrthümer daher nicht hätte trennen sollen. So schrecklich es ist, einen „Protestanten“ so reden zu hören, so ist es doch immer noch fraglich, ob es gefährlicher ist, die lutherische Reformation wegen ihrer theoretisch⸗prak⸗ tischen Verwerfung römischer Grundsätze für Revolution, als solche Grundsätze für echt lutherische zu erklären und wieder zur Geltung bringen zu wollen. „Paulus, der Chiliast.“ Unter dieser Ueberschrift findet sich in der Erlanger