# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1861_S221 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 221 zu Muthe sein, die solch einen „Seelsorger“ bekommen haben? Im Bericht von den dies⸗ jährigen Verhandlungen der Pennsylv. Synode lesen wir: „Ehrw. Dr. Passavant wurde zum Kaplan der deutschen luth. Soldaten ernannt.“ Antiunionistische Maaßregeln. Der „Evangelist“ berichtet: „Die Presbyt. Gen. Assembly Neuer Schule hat auf ihrer letzten Jahresversammlung ihr einheimisches Missionswesen völlig von der Americ. Mission. Society getrennt, und will es also hinfort nicht mehr in Gemeinschaft mit den Congregationalisten und anderen Benennungen betrei⸗ ben. Diese nun aufgehobene Unionisterei der Presbyterianer war in der That seltsam genug. Stellung der Presbyterianer zur politischen Frage. So schreibt der „Evangelist“ unter dem 8. Juni: „In der Gen. Assembly der Presbyterianer, alter Schule, hat die politische Frage eine ganz andere Wendung genommen, als wir letzte Woche berichteten. Bisher war diese Benennung fast die einzige, welche nicht in Nord und Süd getrennt war und sie gab sich auch jetzt noch der Hoffnung hin, durch Stillschweigen über alles auf Politik Bezügliche die Einheit der Kirche erhalten zu können. Aber der Um⸗ schwung, welchen die Gesinnung des Nordens gegen den Süden in den letzten Tagen erfah⸗ ren und die Abwesenheit der meisten südlichen Delegaten von der General Assembly scheint eine Aenderung in der Gesinnung dieses kirchlichen Körpers hervorgebracht zu haben. In den ersten Tagen der Assembly wurde freilich ein Vorschlag zur Ernennung einer Committee über die politischen Fragen mit Stimmenmehrheit auf den Tisch gelegt, wie wir schon be⸗ richtet haben. Aber später wurde derselbe Gegenstand wieder in Vorschlag gebracht. Dr. Spring schlug Beschlüsse vor, worin bestimmt ausgesprochen wird, daß es die Pflicht aller Glieder der Kirche in gegenwärtiger Zeit sei, die Bundes⸗Regierung und die Union fest und treu zu unterstützen. Dieser Vorschlag brachte sehr lange Besprechungen hervor. Auf der einen Seite wurde behauptet, daß dieser Beschluß die Wirksamkeit der Kirche im Süden zu Ende bringen und eine Theilung zur Folge haben würde. Selbst Mr. Bates, einer der Cabinets⸗Mitglieder in Washington, welcher regelmäßiger Aeltester einer presbyteriani⸗ schen Gemeinde in Missouri ist, telegraphirte auf Anfrage, daß es der Regierung lieber wäre, wenn die Assembly den Beschluß nicht faßte, weil er zur Vermehrung der Erbitterung führen würde. Chase dagegen telegraphirte, daß er keine Ursache sehe, warum der Beschluß nicht gefaßt werden sollte. Endlich nach einer Besprechung, welche eine ganze Woche dauerte, wurde der Beschluß mit 154 gegen 66 Stimmen angenommen. Auffallend ist bei der Ab⸗ stimmung, daß mehrere südliche Synoden für und viele nördliche gegen den Beschluß stimm⸗ ten. Kentucky gab alle seine 6 Stimmen für den Vorschlag ab. Mississippi und Texas gab je eine dafür. Cincinnati gab alle seine 6 und Chicago alle seine 7, Philadelphia und New York ungefähr die Hälfte Stimmen gegen den Beschluß. Sollten da wohl Handels⸗ rücksichten im Spiele sein?“ Mission der Generalsynode in Liberia. In dem „Kirchenboten“ findet sich ein Bericht über die diesjährigen Verhandlungen der Synode von Pennsylvanien. Darin heißt es u. A.: „Pastor Officer, lutherischer Missionar in Liberia (Afrika), stattete Bericht ab. Die Mission habe 300 Acker Land am St. Paul River in der Nähe von Monrovia erworben, auf dem bis jetzt 500 bis 600 Kaffeebäume gepflanzt sind, die in 4 bis 5 Jahren einen guten und dauernden Ertrag geben werden. Eine kleine Ka⸗ pelle, 15 bei 24 Fuß, ein Missionshaus, 24 bei 26 Fuß, und ein Wohnhaus sind auf dem Grundstück errichtet. Das Einzige, wofür noch Sorge zu tragen ist, sind die Schulen. Zwei Sclavenschiffe, die 1500 Congo Neger an Bord hatten, wurden an der Küste gefangen und nach Liberia gebracht. Die lutherische Mission nahm davon 40 Zöglinge im Alter von 13 Jahren und darüber auf; 20 Knaben und 20 Mädchen. Die Kinder lernten leidlich schnell einige englische Worte; dreimal des Tages, Morgens, Mittags und Abends, wird mit den Kindern gebetet; sie lernen die zehn Gebote, das Vater Unser und Choräle nach dem Gebet, und werden in den Zwischenzeiten mit Hausarbeiten und Feldarbeiten beschäf⸗ tigt. Die Gesammtausgaben für die Mission betrugen bis jetzt nur $4,000, obgleich 2 Missionäre angestellt sind und 40 Zöglinge erzogen werden.“