# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1861_S220 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 220 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. der freien Alpenluft der schweizerischen Republiken erzogene Zwingli von dem mit Fürsten verbundenen und durch Fürsten beschützten Luther. Ja, Zwingli sagt sogar offen, daß der Prediger zuweilen Dinge predigen müsse, welche dem Gehorsam gegen die bürgerlichen Pflichten stracks zuwider sind.“ Es ist allerdings wahr, daß Luther nie Politik auf die Canzel brachte, und daß er noch weniger je etwas predigte, was dem Gehorsam gegen die bürgerlichen Pflichten entgegen war; aber das kam nicht daher, daß Luther mit den Fürsten verbunden war und von denselben beschützt wurde! Die Ursache davon lag vielmehr in seiner klaren Erkenntniß von dem Unterschied zwischen Christi und Kaisers Reich, zwischen Kirche und weltlichem Regiment, zwischen Politik und Religion. Wer Luther's Schriften kennt, weiß wie gewaltig derselbe wiederholt dem Kaiser und den Fürsten die bitterste Wahrheit vor⸗ gehalten und gottlose und verderbliche Politik, wo sie zu Tage trat, unerschrocken gestraft hat. Herr Pastor Schieferdecker meldet uns, daß der im April⸗Hefte dieser Zeit⸗ schrift S. 124 ihm zugeschriebene Artikel von der Judenbekehrung nicht von ihm stammt, daher er uns ersucht, diesen Irrthum zu berichtigen. „Die americanische Tractatgesellschaft — so berichtet der Christliche Botschafter — hat in Folge ihres unentschiedenen Standpunctes in der Sclavenfrage in den letzten Jahren bedeutend Grund verloren. Sie berichtet folgende Einnahme: Geschenke $93,926; im vorletzten Jahre hatten sich die Geschenke auf $111,946 belaufen. Für ver⸗ kaufte Schriften eingenommen $213,413: im Jahre vorher waren für $232,636.“ — Dasselbe Blatt meldet: „Auch die Einnahme der americanischen Colonisationsge⸗ sellschaft, die den Zweck hat, freie Neger nach der Colonie Liberia in Africa zu bringen, hat im letzten Jahr bedeutend abgenommen; ihre Collecten in den Kirchen waren nur halb so groß wie im vorhergehenden, die sonstigen milden Beiträge um ein Drittel geringer. Die Geschenke betrugen $16,019; von den Eigenthümern freigelassener Sclaven für ihre Ueber⸗ fahrt nach Liberia $6850. Es wurden 308 Neger nach Liberia gesendet, von denen 136 ge⸗ borne Sclaven waren.“ Die Synode von Pennsylvanien hielt am 27. bis 30. Mai ihre Jahres⸗ versammlung. Dr. Schäffer von Germantown überreichte ein Memorial, in welchem die Synode ersucht wird, die englische Sprache als die officielle Sprache der Synode einzuführen, doch solchen Mitgliedern, welche derselben nicht mächtig sind, zu gestatten, sich in deutscher Sprache auszudrücken. Es wurde vorgeschlagen, 1) daß alle Bestimmungen der Ministe⸗ rialordnung, welche einer der beiden Sprachen den Vorzug geben, daraus entfernt werden sollen; 2) daß der Präsident befähigt sein soll, in seiner Leitung der Synode beide Sprachen zu gebrauchen, und im Fall er nicht wünscht, die Synodalpredigt in der Sprache der betref⸗ fenden Gemeinde zu halten, in deren Kirche sich die Synode versammelt, er das Recht haben soll, einen Stellvertreter zum Abhalten der Predigt zu ernennen; 3) daß in Folge zur Füh⸗ rung des deutschen und des englischen Protokolls zwei Secretäre erwählt werden; 4) daß alle Berichte in beiden Sprachen eingereicht werden sollen; 5) daß der Gottesdienst während der Synode in der Sprache geführt werden soll, welche in der Kirche gebräuchlich ist, in wel⸗ cher sich die Synode versammelt. Diese Beschlüsse wurden ohne Debatte angenommen; sie müssen aber noch einmal der nächstjährigen Synode zur endgültigen Abstimmung vorgelegt werden. — Die Wisconsin⸗Synode hielt ihre diesjährigen Sitzungen den 25. bis 30. Mai. Der ref. „Evangelist“, der dies meldet, sagt: „In ihren Gemeinden befindet sich auch viel reformirtes Element, welches freilich nach Ausspruch der Synode aufgehört hat, reformirt zu sein, sobald es sich ihren Gemeinden angeschlossen hat (!?). Es scheint mir, daß die Reformirten sich weit eher willig finden lassen, um Predigt des Evangeliums zu ha⸗ ben, sich den Lutheranern anzuschließen, als umgekehrt.“ Kapläne. Für das 28. New Yorker Regiment, welches fast ganz aus Deutschen besteht, ist nach dem „Evangelisten“ der luth. Pastor Siebke (Generals.) gewählt worden. Dasselbe Blatt schreibt: „Leider hat ein anderes deutsches Regiment den als Un⸗ gläubigen und Säufer berüchtigten Dr. Försch zu ihrem Kaplan gewählt, und er ist wirk⸗ lich am 24. Mai mit demselben abgegangen.“ Wie mag den Lutheranern im Regiment