# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1861_S215 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die deutschen Lutheraner in America ꝛc. 215 schäfte zu mischen, da er auch nicht einmal durch eine gute Ermahnung den ungerechten Bruder, der das Erbtheil vorenthielt, zur billigen Theilung ver⸗ mögen wollte, und durch sein ganzes Betragen genugsam an den Tag legte, daß sein Reich nicht von dieser Welt sei; so mußte er sich doch als einen Ver⸗ führer des Volks, der dasselbe abwende und dem Kaiser, was des Kaisers war, zu geben verboten hätte, anklagen lassen. So friedfertig die ersten Christen sich verhielten, so wurden sie doch von den Feinden des christlichen Namens für Aufrührer und Rebellen gehalten, und man sucht noch heutiges Tages ihren Glauben, den sie durch ihr Blut versiegelt, durch Erneuerung solcher Beschuldigung, ohne allen historischen Grund und Wahrscheinlichkeit, verdächtig zu machen. Wie schändlich wäre es also, wenn ein Prediger sich dieses Vorwurfs wirklich schuldig machte. Man hat demnach billig Ursache sich zu freuen, daß unsere Prediger weit davon entfernt sind, die Unruhen, welche im politischen Staat entstanden sind, durch Aufwiegelung der Ge⸗ müther zu unterhalten oder zu vermehren, und thun sie demnach recht wohl, daß sie, wie sie gelehret sind, Buße und Bekehrung und den Glauben an Christum und seine Nachfolge denen zu predigen, die sich nach seinem Namen nennen, und weder dem einen noch dem andern Theil zur Vermehrung der Bitterkeit einige Ursache geben. Von dem, was Herr Kunze und Herr Helmuth von sich schreiben, kann man mit gutem Grunde auf das Ver⸗ halten der übrigen vereinigten Prediger schließen, wenigstens so viel dieje⸗ nige unter ihnen betrifft, die von Halle aus nach Pennsylvanien gesandt worden, und in einem Geiste und Gesinnung mit einander verbunden sind.“ Mühlenberg, der ältere, gibt in einem Schreiben vom 31. October 1778 an Freylinghausen einige Notizen, welche uns einigermaßen zu einem Bilde der Zustände verhelfen, in denen sich damals die luth. Gemeinden befanden. Wir heben daraus Folgendes aus: „1) Gottes gnädige Fürsehung fügte es so, daß Herr Pastor Kunze in der Hauptstadt Philadelphia blieb, als sie von den Engländern einge⸗ nommen wurde. In aller Absicht hätte sich keiner besser dazu geschickt, und in einem Schreiben versichert er hernach, daß Gott ihm und seiner Familie, bei diesen kriegerischen Auftritten, gnädig beigestanden, auch ihm Kraft ver⸗ liehen habe, seine Arbeit zu versehen. Ein Prediger war hinreichend, weil ein großer Theil von der Gemeine sich ins Land begeben, die große Zions⸗ kirche zum Lazareth eingenommen, die Michaeliskirche aber zur Garnisons⸗ kirche gebraucht, und an Sonntagen unserer Gemeine nur zur Hälfte erlaubt wurde. In Hoffnung, daß beide Kirchen frei, und der Weg zum Filial nach Barrenhill offen, auch das Seminar ungestört bleiben möchte, hat Herr Pastor Kunze den licenziirten Diaconum und Präceptor des Seminarii, Herrn Schröter, bei der Hand gehalten. Als aber beides wegfiel, so konnte ihm der Herr Diaconus nicht mehr sonderlich viel dienen. 2) Für meinen Sohn, Heinrich Mühlenberg jun., war es nicht rathsam, während dieses Zeitpuncts in der Stadt zu bleiben. Er begab sich mit seiner Familie erst zu uns nach Providence, und als die Gefahr sich