# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1861_S214 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 214 Die deutschen Lutheraner in America ꝛc. Compagnien formirt, tragen ihre Liveré und sind exercirt wie regulaire Völ⸗ ker. Was der Vater thut, das macht das Kind eben nach. Wollte Gott, die Menschen würden einmal so eifrig und einstimmig, ihre geistliche Freiheit zu behaupten, als sie jetzt hier in America in Absicht der leiblichen sind! Bei gegenwärtigen Umständen sind mir schon öfters die Juden zu den Zeiten Zedekiä und zu den Zeiten Vespasiani und Titi, aber auch die Revolution zu den Zeiten Rehabeams eingefallen. Der HErr aber weiß allein, ob eine von diesen, oder gar keine von allen drei Anmerkungen auf gegenwärtige Unruhen applicabel ist. Der Ausgang wirds allein lehren. Ich halte davor, ein Prediger in diesem Lande thut am besten, wenn er Buße und Glauben desto ernstlicher prediget, je weniger die Menschen jetzt davon hören wollen. Gegen die Sache zu reden wäre unweise und ohne den geringsten Erfolg, für die Sache zu reden gefährlich, weil ich wenigstens an meinem geringen Theile nicht bestimmen kann, ob America recht oder nicht recht thut. Hochwürdige Väter wollen unterdessen unserer im Gebet vor dem HErrn gedenken, daß unter uns vor allen Dingen der Bau des Reiches Gottes möge gefördert werden. Bei allen Unruhen geht doch wenigstens bei Kindern Gottes unter uns das Werk des HErrn fort, der HErr vermehre aus Gnaden die kleine Anzahl derselben!“ So schreibt ferner J. Ch. Kunze unter dem 18. Juli desselben Jahres: „Ew. Hochw. väterliche Theilnehmung an unserm Wohl und Wehe wird jetzt wohl in allen öffentlichen Blättern Nahrung finden. Die Vorsich⸗ tigkeit verbietet mir alle weitere Erwähnung von dem, was wir fühlen und wahrscheinlicher Weise fühlen möchten. Politische Urtheile darüber überlasse ich gern andern, ob ich wohl von Herzen wünsche, daß der HErr das Herz unsers Landesvaters, von dem die Colonien wirklich nicht getrennt sein wollen, dahin lenke, uns mit den Freiheiten zu begnadigen, mit denen wir ehemals begnadigt waren. Mein eigentliches Urtheil davon aber ist theolo⸗ gisch. Es ist mir kein Land in der Welt bewußt, das in der Geschichte nicht gewisser großer Straf⸗Heimsuchungen wegen berühmt geworden. Britisch⸗ America scheint nun so weit mündig geworden zu sein, daß es mit in solche prophetische Rubriken eingerückt werden könnte, als Jer. 46—52. und Ezech. 25—32. stehen. Aber der HErr erbarmet sich noch um 40. 50. willen. Manche treue Seele betet noch in America, und mancher Moses hebt noch betende Hände auf in Europa.“ Das Verhalten der vorgenannten Prediger in jener Zeit politischer Auf⸗ regung, wie sich dasselbe aus den auszüglich gegebenen Aeußerungen dersel⸗ ben erschließen läßt, beurtheilt Freylinghausen folgendermaßen: „Man kann wohl mit Zuverlässigkeit darauf rechnen, daß nicht leicht jemand das Betragen der Prediger tadeln werde, der bedenket, wie unan⸗ ständig es einem Lehrer des Evangelii, der ein Nachfolger des unschuldigen Jesu sein soll, und wie nachtheilig es der Religion Jesu sei, wenn die Zeu⸗ gen derselben sich in weltliche Händel mengen, oder wohl gar Verwirrung im Staat zu machen suchen. So entfernt Jesus war, sich in irdische Ge⸗