# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 12 08_S72 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) finde, worüber bereits vor der von Luther begon⸗ nenen Reformation Klagen laut wurden. Gerhard, loc. V. de eccl. § 146. 4+ — 7 Wunderbare Fügung Gottes. Als der bekannte Theolog Joachim Lütke⸗ mann noch Archidiakonus in Roſtock war, wurde er vielfältig angefeindet. Seine Feinde brachten es endlich dahin, daß er ſeines Amtes entſetzt wurde. Der Tag ſeines Abſchieds erſchien, Lütke⸗ mann wußte nicht, wohin er ſich wenden ſolle. Eine ziemliche Anzahl ſeiner vormaligen Zuhörer gaben ihm das Geleite unter vielem lauten Wei⸗ nen und Wehklagen. Doch kaum iſt der ganze Zug zum Stadtthore herausgekommen, ſo ſprengt ein Poſtillon daher, redet die Leute an und ſpricht: Ob ſie nicht einen Prediger kenneten, der Joachim Lütkemann hieße; er bringe ihm eine Vocation, er ſolle Superintendent in Wolfenbüt⸗ tel werden. Hierauf entſteht ein großes Freuden⸗ geſchrei; alles lobt den wunderbaren Gott, und wünſcht Lütkemann zu dem neuen Berufe, den er auch ohne Widerrede annimmt, herzlich Glück. Dies geſchah im Jahre 1649, und wurde die Veranlaſſung dazu, daß bald darauf Lütkemann das liebliche Buch: „Von dem Vorſchmack der Güte Gottes“, ſchrieb. (S. Männlings hhiſt. Schaubühne.) (Eingeſandt.) Traurig Herz, ſei wieder froh! Wenn ich meine Leiden zähle, Find ich Nichts, das mich mehr quäle, Als daß täglich meine Seele Sich verſündigt wider Gott. Muß ich, HErr, Dir alſo danken, Daß ich täglich mit Gedanken Weiche aus den heil'gen Schranken, Uebertrete Dein Geſetz? Du haſt mir das Heil erſtritten, Haſt den Tod für mich gelitten, Hörſt nicht auf für mich zu bitten Bei dem Vater immerdar. Wenn ich ſtets an Dich gedächte, Völlig hielte Deine Rechte, Ganz mich Dir zum Opfer brächte, — Wär' es nur ein ſchwacher Dank. Aber ach! ich ſinke nieder, Sünde feſſelt meine Glieder, Und ich irre immer wieder Von dem ſchmalen Lebensweg. Wenn gleich noch ſo ernſt mein Ringen, Alle Sünde zu bezwingen, Will es mir doch nicht gelingen: Ach, wer rettet mich davon! O Erbarmen unergründlich! Iſt mein Herz auch noch ſo ſündlich, So vergiebſt Du mir doch ſtündlich, Weil ich glaube, HErr, an Dich. „Du hältſt mich mit Lieb' umfangen, Haſt mit Unſchuld mich umhangen, Darin darf ich fröhlich prangen; Deine Unſchuld iſt mein Schmuck. Muß ich gleich noch Sünde leiden, Will ich ſie doch ernſtlich meiden, Bis mich einſt bei meinem Scheiden JEſus völlig heilig macht. 72 Gleicht die Sünde ſtarken Heeren, — Gleicht die Gnade großen Meeren, Alle Sünde zu verzehren: Traurig Herz, ſei wieder froh! H. Fick. (Eingeſandt.) Long Grove P. O., Lake Co., Ill., den 24. Nov. 1847. Geehrter Herr Redacteur! Geſtatten Sie mir, durch Ihr werthes Blatt den „Chriſtlichen Botſchafter“ zu fragen, ob es ſich mit den Statuten des religiöſen Körpers, in deſſen Intereſſe er wirkt, vertrage, daß ein Pre⸗ diger desſelben Theilhaber an einem Geſchäfte ſei, wo man, durch Waarenabſatz und unnöthige Verfolgung des zeitlichen Berufes den Tag des HErrn zu entweihen, ſich nicht entblödet. Ich möchte hiermit den Betheiligten, einen — angeb⸗ lich mit dem Heiligen Geiſte getauften — Iſrae⸗ liten, Namens John Rothſchild, der ſeit einigen Monaten, neben der Betreibung einer Waarenhandlung, als Prediger der evangeliſchen Gemeinſchaft“) in hieſiger Gegend muſterhaft agirt, zur Vertheidigung auffordern, zugleich auch die Häupter dieſer Benennung zu einer ſtrengern Controle ihrer Prediger anreizen. Die obige Anklage iſt nicht auf die unſichere Baſis eines vagen Gerüchtes, ſondern auf eigene Anſchauung gegründet. Wenn ich nun auch ſchon die Aus⸗ flucht des Betheiligten nach Analogie ſeiner ſon⸗ ſtigen jeſuitiſchen Verfahrungsweiſe hinlänglich anticipiren kann, ſo ſoll mich dies doch nicht zur Verhehlung der Wahrheit verleiten. J. R. und ſeine Helfershelfer werden ganz unbefangen, ſelbſt bei einem noch größeren Verbrechen, mit einem Pilatus ihre Hände in Unſchuld zu waſchen wiſ— ſen, indem erſterer nach Anleitung des moſaiſchen Geſetzes (?), in welchem derſelbe etwas beſſer als im Neuen Teſtamente bewandert zu ſein ſcheint, bereits Vorkehr durch die Inſtallirung eines Sündenbocks in der Perſon ſeines „unbekehrten“ Bruders getroffen hat. Dieſer nemlich — ſo raffinirt iſt der Plan — muß alle Schuld bei vorkommenden religiöſen Uebertre⸗ tungsfällen tragen. Dieſen findet der Sonntag auf ſeinen Hauſirreiſen und im Laden; — dieſer verkauft und trägt die Sünde allein, und J. R.— theilt den Gewinn. — — Hat nun einmal an einem Sonntage ein unbekehrter Kunde dieſes Ladens das Unglück, ſtatt auf H. R. auf J. R. zu ſtoßen, ſo weiß ich freilich nicht, ob des Ver⸗ kaufs⸗ oder des Ankaufs-Luſtigen „Disappoint⸗ ment“ dem jener, Herrn J. R. wohlbewußten, Engliſchen bei Anhörung einer deutſchlu⸗ theriſchen, ſtatt einer deutſchmethodiſti⸗ ſchen Pfingſtpredigt gleichkommt. — Was thut aber der ſündenloſe Albrechtsprediger in dem er⸗ wähnten Falle, da es ihm ja nicht um die Thaler, ſondern nur um die Seelen zu thun iſt? Nun — er wird dem Sabbathsſchänder eine ernſte Buß⸗ predigt halten; das iſt ja ſein Steckenpferd! — weit gefehlt diesmal! er weiß nichts anders zu thun, als den Uebertreter unzweideutig auf ſeinen Bruder zu verweiſen. Oder was ſollte der Sinn der Rede ſein: Ich verkaufe nichts am Sonntage ercept Medicin; aber mein Bruder, der verkauft; es iſt freilich — achſelzuckend — nicht recht? Ge⸗ wiß der: Ihr mögt immerhin wiederkommen, wenn mein Bruder anweſend iſt. Der eine tödtet die Propheten, der andere bauet ihre Gräber. Ananias, warum hat der Satan dein Herz er⸗ füllt? du haſt nicht Menſchen, ſondern Gott ge⸗ logen. Machet euch nicht fremder Sünden theil⸗ haftig. Ziehet nicht am fremden Joche mit den *) Dies ſind die ſogenannten Albrechtsleute, eine Art Methodiſten. D. R. der Ungerechtigkeit. wie Sodoms Schwefel in die fluchbeladene Seele Ungläubigen. Laß dich nicht gelüſten des Lohnes Dieſe Worte des Gottes, der ſeiner nicht ſpotten läſſet, werden einſt noch des Uebertreters, des Frevlers fallen. Können Sie, Freund Rothſchild, der Sie mit ſo viel Bitterkeit, mit ſo ungezähmtem Grolle, bei Erheuchlung brüderlichen Wohlwollens in perſönlichem Zuſammentreffen mit dem Gegen⸗ ſtande Ihres Haſſes, auf alle erſinnlichen Schleichwege, weil Sie offenem, ehrlichem Kampfe ſich nicht gewachſen fühlen, — das Ihr ſchänd⸗ liches Treiben ſtrenge bewachende Auge der Ge⸗ rechtigkeit und Wahrheit verfolgen und verleum⸗ den und dadurch den Geiſt der Gnade ſchmähen, — können Sie ohne Erröthen vor dem Herzens⸗ kündiger erklären, daß das Wort unſeres Mei⸗ ſters: „Ihr ſollt euch nicht Schätze ſammeln auf Erden“, Maxime Ihrer Handlungsweiſe ſei? — Was hat Sie denn früher ſchon bewogen, Spi⸗ rituoſen verſchiedener Art in Ihrem Laden zu verkaufen? Und warum erbeben Sie jetzt noch nicht, wenn — nach Abſchaffung (2) des popu⸗ lären Whisky, die durch meine Oppoſition ver⸗ anlaßt wurde — wenigſtens Ihr Gewährsmann den armen Opfern Ihrer Gewinnſucht ſogenannte edlere, doch gleichfalls berauſchende Getränke, vielleicht unter der plauſiblen Maske von Medi⸗ kamenten, verabreicht? Einmal mußte der Schleier von dieſen Gräu⸗ eln gehoben werden. Vielleicht fallen durch die Entlarvung eines Heuchlers die Schuppen von den Augen mancher betrogenen, vom Satan nach ſeinem Willen geknechteten, Seele. ö Oeffentlich wird dieſe Rüge vollzogen, weil öffentlich geſündigt wurde und noch geſündigt wird; öffentlich, weil mein Verhältniß zum Be⸗ theiligten den Rath des HErrn Matth. 18, 15. nicht anwenden läßt; öffentlich, weil meine Pri⸗ vatwiderſetzung gegen die Gräuel des Whisky⸗ handels von Seite eines Dieners des Evange⸗ liums mir nur den bitterſten Haß meines Gegners zugezogen hat. Heraus denn, Freund Rothſchild, auf die Arena; wir ſind bereit zum Empfange, gegürtet mit Wahrheit. In der Hoffnung, daß zum Segen mancher Seele meiner Bitte werde willfahret werden, verbleibe ich hochachtungsvoll Ihr ꝛc. ꝛc. John S. Dumſer, ev.⸗-luth. Prediger. — Empfangen für die Wittwe des ſel. Pfarrers Burger: Von der Gemeinde des Herrn P. Schieferdecker in St. Clair Co., Ill...—.————— Von einem Gliede der Gemeinde in St. Louis... Summa. 3.20 Fort Wayne, den 25. November 1847. W. Sihler, luth. Paſtor. Empfangen. zur Miſſions-Caſſe. S1.00 von Herrn P. J. A. G. Döpken. 2.50 „ Geo. Pfeiffer sen.) 2.00⁰ 7. 5„ „ zun. — „ R . 0.50 „ Bernh. Schacht 0.25 „ Joh. Hubert 0.50 „ Seb. Peterſeim. Bezahlt. 2. Hälfte des 3. Jahrg. Hr. Lauenhardt. 1. Hälſte des 4. Jahrg. Die HH. Fr. und Chr. Fey, Geo. Miller, Molan, Joh. Popp, Fr. Sitzler. ö 4. Jahrg. Die HH. Friedr. Böhringer, Carl Fr. Blüß, Cand. Fleſſa, P. Hattſtädt (3 Ex.), Paulus Hoffmann, Lauenhardt, Gottlieb Thieme. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.