# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 12 08_S71 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Wieee oſoerrr rrrre— ——— — „Gott ſei gelobet, daß ich in die Kirche ge⸗ lonmen bin und die Predigt gehärt habe.“ Ein gottloſer Menſch zu Roſtock, der ein Ver⸗ ächter des göttlichen Wortes und der heiligen Sacramente war, der weder Gutes redete noch that, der ſich zum Fluchen gewöhnt hatte und ein beſonderer Predigerfeind und Spötter war, ſagte, als ein fremder Prediger in ſeinem Wohnorte predigen ſollte, er wolle den neuen Pfaffen auch mithören; und kam in die Kirche und hörte zu. Der Prediger behandelte die Geſchichte von der Bekehrung St. Pauli und vermahnte die Zu⸗ hörer, ſo jemand auch ein Verfolger und Läſterer geweſen, oder auf eine andere Art gefallen wäre, daß er mit Paulo aufſtehen und die Buße nicht bis an das Ende ſparen ſollte; Gott wäre gnädig nicht den Unbußfertigen, ſondern denen, die Buße thäten; verhieß die Vergebung der Sünden, mit Anführung der Worte Ezechiels: So wahr ich lebe, ſpricht der HErr, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottloſen, ſondern daß er ſich be⸗ kehre und lebe; widerlegte auch Cains verzwei⸗ felte Rede, als wenn die Sünde größer wäre, denn daß ſie könnte vergeben werden u. a. m. Als nun dieſer mit Fleiß aufmerkte, rührte ihm der Geiſt Gottes das Herz ſo, daß er, nachdem die Predigt geſchloſſen war, zu einem guten Freunde, der bei ihm ſtand, ſagte: „Gott ſei ge⸗ lobet, daß ich in die Kirche gegangen bin und die Predigt gehört habe, ich will ihrer gedenken, ſo lange ich lebe.“ Als er heim kam, ſchrieb er die Summe der Predigt in ein Buch, und hatte ſie ſtets bei ſich. Als er auch bald hernach krank wurde und ſterben mußte, las er dieſelbe und tröſtete ſich daraus, empfing das heilige Abend⸗ mahl, und ſtarb ſelig. Aus Scrivers Seelenſchatz. (Eingeſandt.) Kurzer Beweis, daß die römiſche Kirche nicht die wahre Kirche ſei. ö (Ueberſetzt aus Johann Gerhards Locis theologicis.) Gegen die heutige römiſche Kirche ſchließen wir aus folgenden Kennzeichen: welche Kirche die lautere Predigt des Wortes und die richtige Verwaltung der Sacramente nicht hat, die iſt nicht die wahre, echte, katholiſche und rechtgläu⸗ bige Kirche. Die heutige römiſche Kirche aber, welche dem Pabſte zu Rom anhangt, hat nicht die lautere Predigt des Wortes, noch die richtige Verwaltung der Sacramente. Daher iſt ſie nicht die wahre, echte, katholiſche und rechtgläubige Kirche. Dieſer Satz kann bewieſen werden durch dit Anführung der Glaubenslehren, welche die römiſche Kirche im Widerſpruche mit der heiligen Schrift vertheidigt. . . Hier wollen wir kurz einige Hauptpunkte angeben, worin die heutige rö⸗ miſche Kirche von der Richtſchnur der heiligen Schrift und von der Uebereinſtimmung der wahr⸗ haft katholiſchen Kirche abweicht. 1. Die wahre Kirche erkennt allein Chriſtum als ihr Haupt und ihren Bräutigam an. Epheſ. 1, 22.: Und hat alle Dinge unter ſeine Füße ge⸗ 71 than und hat ihn geſetzt zum Haupt der Gemeine über alles. Col. 1, 18.: Und er iſt das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeine. — Die heutige römiſche Kirche hält dagegen den Pabſt zu Rom für ihr Haupt und ihren Bräutigam. 2. Die wahre Kirche iſt „erbauet auf den Grund der Apoſtel und Propheten“, ſtützt ſich einzig und allein darauf und nimmt außer dem Worte Nichts an. Epheſ. 2, 20.: Erbauet auf den Grund der Apoſtel und Propheten, da IEſus Chriſtus der Eckſtein iſt. Gal. 1, 8.: Aber ſo auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würde Evangelium predigen, anders, denn das wir euch gepredigt haben, der ſei verflucht. — Dagegen ſetzt die heu⸗ tige römiſche Kirche die menſchlichen Ueberliefe⸗ rungen dem Worte Gottes gleich, und behauptet, man müſſe ſie „mit eben ſo kindlicher Demuth“ ehren, wie das Wort Gottes. 3. Die wahre Kirche erweiſ't Gott allein den Dienſt der Anrufung. Pſ. 50, 15.: Und rufe mich an in der Noth. Jeſ. 42, 8.: Ich der HErr, das iſt mein Name; und will meine Ehre keinem andern geben, noch meinen Ruhm den Götzen. Gal. 4, 8.: Aber zu der Zeit, da ihr Gott nicht erkanntet, dienetet ihr denen, die von Natur nicht Götter ſind. — Dagegen ruft die römiſche Kirche die verſtorbenen Heiligen an. 4. Die wahre Kirche dient Gott nach der Vor⸗ ſchrift des geoffenbarten Wortes. 5 Moſ. 4, 2.: Ihr ſollt nichts dazu thun, das ich euch gebiete, und ſollt auch nichts davon thun, auf daß ihr bewahren möget die Gebote des HErrn, eures Gottes, die ich euch gebiete. Matth. 15, 9.: Aber vergeblich dienen ſie mir, dieweil ſie lehren ſolche Lehren, die nichts, denn Menſchen-Gebote ſind. — Dagegen hat die römiſche Kirche neue Gottesdienſte eingerichtet, außer dem Worte Gottes. 5. Die wahre Kirche hält den Grund⸗Artikel von der Rechtfertigung aus Gnaden durch den Glauben an Chriſtum treulich feſt. Gal. 5, 4.: Ihr habt Chriſtum verloren, die ihr durch das Geſetz gerecht werden wollt, und ſeid von der Gnade gefallen. — Dagegen vertheidigt die rö⸗ miſche Kirche die Verdienſte der Werke und die eigenen Genugthuungen. 6. Die wahre Kirche hat die unverfälſchte Lehre vom Geſetze: daß es nämlich einen geiſt⸗ lichen, vollkommenen und in allen Stücken vollen⸗ deten Gehorſam verlange, welcher von uns in der Schwachheit dieſes Fleiſches nicht geleiſtet werden könne. Ap. Geſch. 15, 10.: Was verſuchet ihr denn nun Gott mit Auflegen des Joches auf der Jünger Hälſe, welches weder unſere Väter noch wir haben mögen tragen? Röm. 8, 3.: Denn das dem Geſetz unmöglich war, ſintemal es durch das Fleiſch geſchwächet ward, das that Gott ꝛc. — Dagegen lehrt die katholiſche Kirche, nicht all⸗ ein das Geſetz könne von uns vollkommen erfüllt werden, ſondern es könnten auch noch überflüſ⸗ ſige gute Werke vollbracht werden. 7. Die wahre Kirche lehrt, daß die in den Wie⸗ dergeborenen noch befindliche böſe Luſt im wahren und eigentlichen Sinne Sünde ſei; denn dies iſt die Stimme der ganzen Kirche: Vergieb uns un⸗ ſere Schuld. Matth. 6, 12. — Dagegen lehrt die römiſche Kirche, daß die böſe Luſt in den Wieder⸗ geborenen nach der Taufe nicht als Sünde zu rechnen ſei.) 8. Die wahre Kirche lehrt eine Freudigkeit und Gewißheit des Glaubens. Röm. 4, 21.: Und wußte aufs allergewiſſeſte, daß, was Gott ver⸗ heißt, das kann er auch thun. Röm. 8, 38. 39.: Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürſtenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Creatur, mag uns ſcheiden von der Liebe Gottes, die in Chriſto IEſu iſt, unſerm HErrn. — Dagegen vertheidigt die römiſche Kirche die Lehre vom Zweifel, (daß nämlich ein Menſch immer in Zwei⸗ fel ſtehen müſſe, ob er ſelig werde, oder nicht,) und hebt ſo den Hauptartikel des Glaubens auf: Ich glaube eine Vergebung der Sünden. 9. Die wahre Kirche empfiehlt das Leſen der heiligen Schrift allen ihren Kindern. Joh. 5, 39.: Suchet in der Schrift, denn ihr meinet, ihr habet das ewige Leben darinnen, und ſie iſts, die von mir zeuget. Col. 3, 16.: Laſſet das Wort Chriſti unter euch reichlich wohnen, in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch ſelbſt mit Pſalmen und Lobgeſängen und geiſtlichen lieblichen Liedern und ſinget dem HErrn in eurem Herzen. — Dagegen verbietet die roͤmiſche Kirche ihren Kindern das Leſen der heiligen Schrift. 10. Die wahre Kirche ehrt die Ehe als eine heilige Ordnung Gottes und hält niemand von dieſem Stand ab. 1 Timoth. 4, 1—3.: Der Geiſt aber ſaget deutlich, daß in den letzten Zeiten werden etliche von dem Glauben abtreten, und anhangen den verführeriſchen Geiſtern und Leh⸗ ren der Teufel; 2. Durch die, ſo in Gleißnerei Lügenredner ſind, und Brandmaal in ihrem Ge⸗ wiſſen haben, 3. Und verbieten ehelich zu werden. — Die römiſche Kirche läßt dem Prieſter die Ehe nicht frei. 11. Die wahre Kirche bewahrt die von Chriſto eingeſetzten Sacramente unverletzt. Gal. 3, 15. Lieben Brüder, ich will nach menſchlicher Weiſe reden: verachtet man doch eines Menſchen Teſta⸗ ment nicht, wenn es beſtätigt iſt, und thut auch nichts dazu. — Die römiſche Kirche hat zu den beiden von Chriſto eingeſetzten Sacramenten noch fünf andere hinzugefügt, verändert das Abend⸗ mahl zu einem Opfer, nimmt den Laien den Ge⸗ brauch des Kelches, lehrt, daß das Brod in den Leib Chriſti verwandelt werde, u. ſ. w. 12. Die wahre Kirche leidet Verfolgung. Dagegen iſt die römiſche Kirche trunken von dem Blut der Heiligen. Offenb. 17, 6.: Und ich ſahe das Weib trunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen IJEſu. .. Mit dieſen und anderen noch viel mehren ge⸗ wichtigen Gründen kann demnach ſchlagend be⸗ wieſen werden, daß in der heutigen römiſchen Kirche die lautere Predigt des Wortes und die richtige Verwaltung der Sacramente ſich nicht *) Darin ſtimmen auch die heutigen Methodiſten mit der römiſchen Kirche überein, welche bekanntlich eine ſchon in dieſem Leben erreichbare vollkommene Heiligkeit lehren.