# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1861_S196 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 196 Gottes Wort und Luthers Lehr. (im März⸗Heft) enthalten. Da wir bereits eine Darlegung der auch hierin behandelten streitigen Lehren durch Pastor Brunn gegeben haben, so theilen wir nur den Anfang und Schluß dieses schönen Aufsatzes mit, woraus am besten die Tendenz und der Inhalt desselben zu ersehen ist. Der Aufsatz (28 Seiten in 8. umfassend) beginnt, wie folgt: „Ich habe in dem Kirchenblatt von Ehlers einen Noth⸗ und Hülferuf ausgehen lassen in Betreff „der Vorbildung und Aussendung von Zöglingen für die luth. Predigerseminare in St. Louis und Fort⸗Wayne in N. A.“ Ich habe hiebei nicht nur überhaupt für die Synode von Missouri, der diese Seminare angehören, das Wort ergriffen, sondern ich habe auch zu einer Thätigkeit für dieselbe aufgerufen, was eine Einigkeit im Glauben und in der Lehre mit dieser Synode voraussetzt. Der Aufforderung, mich über letztere öffentlich zu erklären und mein Thun zu rechtfertigen, komme ich mit größter Freudigkeit nach, da ich hierin nicht nur eine vom HErrn gefügte Gelegenheit sehe, viele Mißverständnisse in Betreff der Lehre der Missourier aufzuklären, sondern auch eine öffentliche Erörterung der hier in Frage kom⸗ menden Lehrpunkte herbeizuführen, die ich für um so wichtiger halte, weil nach meiner Ueberzeugung von ihnen die Entscheidung unserer heutigen kirchlichen Kämpfe über die Lehrfragen von Kirche, Predigtamt, Kirchenre⸗ giment und Verfassung abhängt. Was nun mein im Kirchenblatt abgelegtes Zeugniß für die Synode von Missouri und ihre Lehre anlangt, so muß ich vor Allem die vielerlei schiefen und völlig unwahren Darstellungen und Gerüchte abweisen, die darüber in Umlauf sind. So wenn die Missourier in ihrem Lehrkampf mit der Synode von Buffalo für die Behauptung aufgetreten sind, daß die Kirche „ihrem Wesen nach“ in der unsichtbaren und rein geistlichen Ge⸗ meinschaft des Glaubens bestehe — eine Behauptung, mit der sie wörtlich auf den vierten Artikel der Apologie sich gründen, in dem deutlich und mäch⸗ tig genug das Wesen der Kirche als eine societas fidei et spiritus sancti in cordibus bezeichnet und davon die societas ext. signorum unterschieden wird, an welcher letzteren allein die Bösen, die in der Kirche sind, Theil haben, von denen darum aber so oft gesagt wird, daß sie nicht wirkliche und eigent⸗ liche Glieder der Kirche, sondern vielmehr Gliedmaßen des Teufels seien — so schreit man, die Missourier wollten überhaupt gleich unsern Pietisten nur eine unsichtbare Kirche, sie verleugneten oder stellten doch wenigstens in Schatten die rechte Sichtbarkeit der Kirche. So ferner, und namentlich, was den Hauptsatz anlangt, der die Lehre der Missourier charakterisirt, „daß nicht den Pfarrern als ein Privilegium ihres besonderen Standes die Ge⸗ walt der Schlüssel gegeben sei, sondern der Kirche und zwar kraft des allge⸗ meinen Priesterthums aller Gläubigen; daß also nur in einer Ableitung oder Uebertragung von letzter, d. i. von der Kirche, das Predigtamt die Schlüssel öffentlich zu führen und zu verwalten habe“ — so klagt man, daß hierdurch der Pfarrer zum Knecht von Hans und Kunz, d. i. des groben unbekehrten Haufens, der etwa zur sichtbaren Kirche äußerlich hie und da