# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 12 08_S70 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Antwort an einen Unbekaunten. Vor einigen Tagen haben wir von unbekannter Hand ein Schreiben aus St. Louis durch die Poſt erhalten, worin wir ermahnt werden, den Beſuch auch ſolcher Kranker und Sterbender nicht von uns zu weiſen, die nicht zu unſerer Gemeinde gehören. Wir verſichern hierdurch dem unbe⸗ kannten Freunde, daß wir zwar, aller Winkel⸗ ſchleicherei und Proſelytenmacherei feind, bisher Kranke außerhalb unſerer Gemeinde nicht beſucht haben, wenn wir nicht nach dem Wunſche des Kranken ſelbſt ausdrücklich gerufen worden waren, daß wir aber, wenn gerufen, zu jedem Kranken ohne allen Unterſchied der Religion willig und mit Freuden gegangen ſind. Wenn man uns freilich anſinnen wollte, ſchnell einem Kranken andrer Religion das heilige Abendmahl zu reichen, weil der eigentliche Prediger desſelben gerade nicht zu Hauſe war, ſo war es wider unſer Gewiſſen, einer ſolchen Zumuthung zu entſprechen. „Der deutſche Kirchenfreund.“ Zwar iſt es ein bisher von uns befolgter Grundſatz geweſen, nur ſolche religiöſe Blätter und ſonſtige Erſcheinungen auf dem Felde der Li⸗ teratur im „Lutheraner“ anzuzeigen, welche die Intereſen der lutheriſchen Kirche unmittelbar be⸗ rühren, wir halten es jedoch für unſere Pflicht, gegenwärtig eine Ausnahme von der Regel zu machen. Herr Dr. Ph. Schaf, Profeſſor an dem theologiſchen Seminare der hochdeutſchen re⸗ formirten Kirche in Mercersburg, Pa., hat ſich entſchloſſen, ſich der Redaction einer Zeitſchrift zu unterziehen, die unter obigem Titel zu einem Centralorgan der Intereſſen dienen ſoll, welche alle amerikaniſch⸗deutſchen Kirchen gemeinſam be⸗ wegen, die ſich noch nicht entweder dem Unglau⸗ ben oder der Schwärmerei gänzlich hingegeben haben. Nun thut es uns zwar herzlich leid, daß, wie die eminenten Gaben und Kenntniſſe des Hochwürdigen Herrn Herausgebers überhaupt, ſo auch die angekündigte Zeitſchrift insbeſondere nicht im unmittelbaren Dienſte der vollen Wahrheit (alſo in der That — der Wahrheit), ſtehet, und daß auch „Der deutſche Kirchenfreund“ zunächſt für die Zwecke der Union arbeiten wird. Wir freuen uns aber dennoch, daß eine Zeitſchrift, wie die angekündigte, im Werke iſt, und hoffen von derſelben auch für die amerikaniſch-deutſch⸗ lutheriſche Kirche einen Segen. Wir hoffen nemlich, daß der „Kirchenfreund“ unter der Re⸗ daction eines Mannes, wie Herr Dr. Schaf, den Sinn für wahre Wiſſenſchaft in unſerem in dieſer Beziehung ſo blutarmen Amerika unter den deut⸗ ſchen Predigern mehr wecken und dazu beitragen wird, daß das Zeitalter der Barbarei auch in Amerika zu Ende gehe, einer Barbarei, die ſich leider gerade in unſeren religiöſen Zeitſchriften ſo deutlich abſpiegelt, die ihre Herausgeber faſt in jeder Nummer wie ſauer gewordenes Bier aus⸗ bieten, und die zum großen Theil in einem Deutſch geſchrieben ſind, das einem Tertianer in Deutſchland eine öffentliche Beſchämung vor allen 70 ſeinen Mitſchülern zuziehen würde, und die, eben⸗ falls zum großen Theil, ihren Leſern einen ſol⸗ chen Gallimathias von Inhalt auftiſchen, daß dadurch unſere armen Deutſchen nur methodiſch um Geiſt und Geld betrogen werden und ſich ge⸗ wöhnen, die Güte einer Zeitſchrift buchſtäblich nach der Elle zu meſſen. Hilft Herr Dr. Schaf dieſem öffentlichen Scandal ein Ende machen, ſo können wir demſelben ſchon darum nicht genug für ſeine Mühe danken. Summa, wir glauben eine Pflicht zu erfüllen, wenn wir namentlich un⸗ ſere theuren Brüder im Amte auf die projectirte Herausgabe des „Deutſchen Kirchenfreundes“ hierdurch allen Ernſtes aufmerkſam machen. Hier folgt der von dem zukünftigen Heraus⸗ geber publicirte Proſpectus. * * * „Schon lange giebt es in Amerika verſchiedene deutſche Kirchenblätter, welche dem Intereſſe einer beſondern Denomination dienen und hauptſächlich fürs Volk berechnet ſind. Allein es fehlt an einem Centralorgan, welches die allgemeinen Intereſſen der Lutheraner, Reformirten und Evangeliſch⸗ Unirten gleichmäßig verträte, die höhern Bedürf⸗ niſſe der Geiſtlichen und gebildeten Laien vor⸗ zugsweiſe ins Auge faßte und zugleich geeignet wäre, ein Band zwiſchen der alten und neuen Heimath zu bilden. Die deutſchen proteſtantiſchen Chriſten dieſes Landes ſind zwar äußerlich gar ſehr geſpalten. Deſſenungeachtet bilden ſie innerlich durch viele gemeinſame Intereſſen eine Einheit. Sie reden dieſelbe Sprache, ſie haben denſelben Urſprung, ſie fühlen dieſelbe Theilnahme an den Vorgängen und Zuſtänden des alten Vaterlandes, und es muß allen am Herzen liegen, daß der Glaube ihrer Väter in der neuen Heimath rein erhalten und vermehrt werde. Dieſe bereits vorhandene Einheit ſollte zunächſt zu klarem Bewußtſein ge⸗ bracht und auf ſolchem Grunde dann mit con⸗ centrirter Kraft für die gedeihlichere Ausbreitung des Reiches Gottes mit unſerer rieſenhaft zuneh⸗ menden deutſchen Bevölkerung gewirkt werden. Vielleicht iſt die Zeit gekommen, einen Beitrag zur Erreichung dieſes ſchönen Zweckes durch die Gründung einer allgemeinen Kirchen⸗ Zeitung zu liefern, wenigſtens iſt das Bedürf⸗ niß darnach dem Unterzeichneten ſchon von ver⸗ ſchiedenen Seiten her geäußert worden mit der Bitte, ſich zur Herausgabe desſelben anzuſchicken — ‚Der deutſche Kirchenfreund“ will alſo kein Partheiblatt ſein, ſich auch nicht in die Sphäre der unentbehrlichen denominationellen Blätter hineinmiſchen, ſondern die Lücke, welche dieſe der Natur der Sache nach offen laſſen, ergänzen. Polemik iſt ſeinem Zwecke fremd, es ſei denn gegen den gemeinſamen Feind des Unglaubens, In⸗ differentismus, der Sectirerei und Schwärmerei, ſo wie gegen alles, was dem urſprünglichen Ge⸗ nius und der bleibenden Wohlfahrt der deutſchen Kirchen direct zuwider iſt. Auf der hiſto riſchen Ba⸗ ſis des Wortes Gottes und der poſitiven Grund⸗ wahrheiten der Reformation ſtehend, wünſcht er gläubigen und kirchlich geſinnten Geiſtlichen luthe⸗ riſchen, reformirten oder evangeliſch⸗unirten Be⸗ kenntniſſes ein Sprechſaal für die allgemeinen Angelegenheiten des Reiches Gottes unter den Deutſchen zu werden. Ein Depoſitorium der wich⸗ tigſten Neuigkeiten aus der Kirche der alten und neuen Welt zu bilden und auf Verbreitung theo⸗ logiſcher Bildung, einer geſunden kirchlichen Frömmigkeit und einer echten Union im Geiſte und der Wahrheit hinzuarbeiten. Dazu wird er ſich einer möglichſt klaren und populären Dar⸗ ſtellung bedienen, um auch unterrichteten Laien zugänglich und nützlich zu werden. Zu dieſem Zweck wird er folgende Materien enthalten: 1) Kurze theologiſche Aufſätze und Anzeigen der bedeutendſten neuern Werke, beſonders aus dem Gebiete der Ere⸗ geſe und Kirchengeſchichte, welche geeignet ſind, die Geiſtlichen in ihren Studien zu unterſtützen und in ihrem Amie anzufriſchen. 2) Kirchliche Nachrichten aus Deutſchland, theils aus den beſten theo⸗ logiſchen Journalen, theils aus Privatcorre⸗ ſpondenzen des Herausgebers. 3) Kirchliche Nachrichten aus Ame— rika, vor allem aus den deutſchen Kirchen. 4) Ein beſonderer Raum ſoll der Beſpre⸗ chung der deutſchen Miſſion gewidmet werden, damit ihre Freunde erfahren, was auf dieſem Felde geſchieht, noch geſchehen ſoll, und wie den großen Bedürfniſſen am ſchnell⸗ ſten und beſten abgeholfen werden könne. 5) Erbauliches, ſei es aus bewährten alten Büchern, oder friſche Blüthen aus dem Bereiche der innern Erfahrung. Alles Politiſche iſt ausgeſchloſſen, ausgenon⸗ men, wenn es eine direete Beziehung auf das Reich Gottes hat. Hinſichtlich der äußern Aus⸗ ſtattung ſcheint es uns wenigſtens für den An⸗ fang am zweckmäßigſten und leichteſten ausführ⸗ bar, den deutſchen Kirchenfreund' in monat⸗ lichen Heften, jedes zu 30—40 Octayſeiten, nebſt Umſchlag zu dem billigen Preiſe von §1.00 des Jahres, unter der Bedingung der Vorausbezah⸗ lung ohne Ausnahme, erſcheinen zu laſſen. Der Unterzeichnete will ſich, in der Hoffnung, dadurch manches Gute zu ſtiften, der Mühe der Herausgabe unterziehen, ſobald eine hinlängliche Anzahl Subſcribenten eingekommen iſt, um das Unternehmen zu ſichern. Es werden daher alle deutſchen Prediger, welche in einer regelmäßigen kirchlichen Verbindung ſtehen und ein Intereſſ an der Sache nehmen, hiermit ergebenſt erſucht, als Agenten für das projectirte Journal zu wir⸗ ken und den Unterzeichneten ſo bald als möglich auf directem oder indirectem Wege wiſſen zu laſſen, wie viele verantwortliche Subſcribenten unter ihren Amtsbrüdern oder Gemeindegliedern ſie unter obigen Bedingungen zuſichern können. Inzwiſchen entbietet allen, denen das Wohl der deutſchen Kirche in dieſem Lande der Freiheit und der Zukunft am Herzen liegt, ſeinen brüder⸗ lichen Gruß Mercersburg, Pa., den 18. November 1847. Philipp Schaf.“