# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1861_S192 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 192 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. macht, will er sich nicht meist arg getäuscht sehen. Am deutlichsten offenbart sich in vielen neueren Werken s. g. gläubiger Theologen, daß darin etwas durchaus anderes, als Christenthum, vorgetragen wird, wenn darin der Glaube, die Rechtfertigung und dgl. abgehandelt werden soll. — Von oben genannter Schrift sagt Ströbel schließlich: „Der Name des Verfassers ließ uns viel von dem vorliegenden Buche erwarten; aber statt der gehofften Kernspeise fanden wir einen aus reformatorischem, zwinglocalvinischem, unionistischem, rationalistischem und „„deutschphilosophischem“““ Mehle zusammengekneteten Teig.“ Baden. Ueber den Krebsgang, den hier die unirte Landeskirche nimmt, haben wir bereits im Aprilheft berichtet. Hierüber hören wir im Märzheft der Hengstenbergischen K.⸗Z. eine Stimme aus Baden selbst laut werden. Wir lesen da: „Der Grundsatz, welcher für jede Kirche den Keim des innern Zerfalls in sich trägt und dem Unglauben eine weite Thür aufthut, daß nehmlich die Kirche nicht eine Glaubensgemeinschaft auf anerkannter Bekenntnißgrundlage, sondern eine Gemeinschaft gleichberechtigter Richtungen“ (wie auch Löhe will) „mit gemeinsamen äußern Ordnungen und Ceremonien sei, ist nun wenigstens im Kirchenregiment zur Anerkennung gekommen.“ In Betreff der erfolgten Ernennung Hitzig's auf den durch Umbreit's Tod erledigten Lehrstuhl der heidelbergischen theol. Facultät erklärt derselbe Schreiber: „Es scheint beinahe, daß sich das Rad herumdreht zu der Periode, da es für einen Ruhm galt, einen Mann wie G. E. H. Paulus an der Universität zu haben. Die Verfassungsfrage ist überall nur die Leiter, auf welcher der Unglaube emporkommen will.“ — Wer solche Früchte nicht ernten will, der säe nicht Union. — Soeben lesen wir in Münkel's Neuem Zeitblatt: „Lamey, Schenkel, Zittel, Häuser und Consorten können nun, wie es bei solchen Gelegenheiten Sitte ist, große Zweckessen veranstalten und bei ungarischem Weine die wiedereroberte badensche Nationalkirche unter Tusch und Kanonendonner leben lassen, daß dem Fürsten dieser Welt das Herz im Leibe lacht: So gering und verachtet auch die lutherischen Häuflein in Baden sein mögen, so sind sie doch vor der Hand das einzige Zoar, wohin die ernstern Seelen aus dem Pech⸗ und Schwefelregen der badenschen Nationalkirche fliehen können, und vielleicht hören wir bald, daß der Weg dahin mehr als bisher betreten wird.“ Aus der bayrischen Rheinpfalz wird der Ev. K.⸗Z. unter dem 10. Mai geschrieben: „Man muß gestehen, die kirchlichen sowohl als die politischen Zustände stehen jetzt bei uns viel gefährlicher als im Jahre 1848; der kirchliche und politische Revolutionsgeist ist sowohl intensiver als auch extensiver geworden; die Demokraten haben seit 12 Jahren viel gelernt und nichts vergessen. Auf kirchlichem Gebiete dürfen sie jetzt ganz ungehindert wühlen und agitiren.“ Frankfurt. Für den 10. April d. J. war eine „freie Conferenz ev. Geistlichen auf dem Sandhofe bei Frankfurt a. M.“ angekündigt, „wozu Alle, welche auf dem Boden der reformatorischen Bekenntnisse stehen, freundlichst eingeladen“ und von Pfr. Krebs in Frankfurt elf „Thesen über die Lehre vom s. g. tausendjährigen Reiche“ geschrieben und in der Darmstädter Allg. K.⸗Z. veröffentlicht worden waren. Die siebente Thesis lautet: „Hat diese wie jede andere Schriftlehre, die über das jetzige Erfahrungsgebiet hinausliegt, Schwierigkeiten in begrifflicher Vollziehbarkeit ihrer Idee; so gehört sie eben in das Gebiet des christlichen Glaubens, und zwar zur Plerophorie desselben; ist aber kein Fundamentalartikel und kann darum auch kein Grund zur Aufkündigung der Kirchengemeinschaft werden (wie die Missourisynode gegen den Chiliasten Löhe).“ — Es ist ja nicht wahr, daß irgend welche Schriftlehren „Schwierigkeiten in begrifflicher Vollziehbarkeit ihrer Idee“ hätten; begreiflich werden sie freilich nie, aber ihre Idee, ihr Was? ist selbst für Kinder klar und deutlich, wie könnten sie sonst Gegenstände des Glaubens sein! Stoßen daher die Herrn Chiliasten eingestandenermaßen auf die bezeichneten Schwierigkeiten in Absicht auf ihre Lehre, so sollten sie daraus abnehmen, daß dieselbe wenigstens keine Schriftlehre für den Glauben eines Christen ist. Setzfehler im Aprilheft. Die erste Zeile von S. 128 sollte die erste von S. 127 sein.