# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1861_S184 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 184 Aus den Verhandlungen der rheinischen Conferenz lutherischer ꝛc. hohe Wichtigkeit und Bedeutung hat diese Anschauung von der Kirche für das ganze christliche Leben und Bewußtsein, indem sie uns dazu erhebt, im eigentlichsten Sinn jede Handlung eines Amtsträgers als eine unmit⸗ telbare That der Kirche zu betrachten, und so von der Schwachheit und Un- zuverlässigkeit des Werkzeuges beständig aufzuschauen auf die eigentliche Thäterin, die Kirche, von der wir wissen und glauben, daß sie gewiß sei das Haus des HErrn, darin Er gegenwärtig ist, der Leib und die Fülle deß, der Alles in Allem erfüllet. Möge uns der volle Blick in diese Herrlichkeit der Kirche nie getrübt werden. — Verzeihen mir die theuren Brüder, daß ich von römischen Irrthümern gegen sie rede. Ich weiß ja wohl, daß sie von Herzen nicht römisch sind, und traue ihnen auch, daß sie es nie werden. Unser ganzer brüderlicher Kampf geht ja nur dahin, klar und unserm lutherischen Bekenntniß gemäß verstehen zu lernen, was wir Alle längst glauben und im Herzen gewiß sind. Im Glauben einig und gewiß aber sind wir alle in der Verdammlichkeit der römischen Irrlehre. Das macht trotz allem momentanen Zwiespalt dennoch unsere Herzen gegen einander fröhlich und getrost in brüderlicher Zuversicht und Liebe. — Ich kann aber nicht an⸗ ders, ich muß je länger desto mehr, desto dringlicher bezeugen und vermah⸗ nen; es ist nicht genug zur Bewahrung rechter lutherischer Lehre, wenn man gegenüber den Römern als Antithese der Lehre vom geistlichen Amt blos denkt „des Papsts Weihe“ oder das Seligwerden „allein durch den Glau— ben,“ ganz absolut gedacht. Damit allein sind wir vor einem falsch levitisch römischen Priesterstand noch nicht geschützt. Ich muß mit Luther bei dem Schluß bleiben: Predigen, Schlüssel führen ꝛc. sind lauter Opfer, lauter Priesterwerke; wer also sagt, die Verrichtung dieser Priesterwerke liege nicht principiell gleich allen andern, im allgemeinen Priesterthum aller Christen, sondern sie sind absolut nur ein Beruf der Amtsträger: der richtet ein zweites, ein levitisches Priesterthum auf, das es eben nur mit diesen speciellen Priesterwerken zu thun hat. Ich verstehe darum nicht, in welchem Sinne sich die Gegner gegen levitisch römisches Priesterthum wollen verwahrt wissen, es sei denn eben damit, daß (ganz absolut gedacht) die Seligkeit nur am Glauben hängt, nicht an der Heilsordnung, Schlüsselamt ꝛc., oder wie Andere wollen, daß die Schlüssel nicht am Papst hängen, sofern nicht er, sondern die Kirche die Macht hat, jeden Augenblick das Amt und die Amtsträger aus sich zu erzeugen. Indessen damit ist wenig geholfen, specu⸗ lativ solche Unterscheidungen zu machen, so lang practisch und factisch im Leben doch Glaube, Trost der Vergebung, Gewißheit der Seligkeit allein auf dem Gebiet der Heilsordnung, bei dem Amt der Schlüssel zu finden und zu bekommen ist. Auch der Papst läßt jedem gern seine Speculationen, wenn man ihm und seiner Clerisei factisch nur den Ablaßkram in Händen läßt.