# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1861_S183 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Aus den Verhandlungen der rheinischen Conferenz lutherischer ꝛc. 183 Luther dagegen sagt: Die Schlüssel sind allezeit kräftig, weil die Kirche als die eigentliche Priesterin durch den Mund des von ihr berufenen Dieners selbst handelnd und redend da steht, es darum auf die Person des Dieners nicht ankommt, selbst wenn die Kirche im Nothfall durch einen Laien oder (so es möglich wäre) durch ein Stück Holz oder Stein mich absolvirte. Es ist nicht nöthig, weitere Excerpte aus Luthers Schriften zu geben, oder mit Aussprüchen der übrigen Kirchenlehrer zu beweisen, wie diese, oft ganz buchstäblich, mit Luther stimmen. — Zum Zeichen, wie Luther überall, wo er nur von den Schlüsseln redet, stehend auf die von ihm bezeugte Grundanschauung zurückkommt, möchte ich schließlich nur noch ein Zeugniß von ihm aus der Kirchenpostille (auf Petri und Pauli) anführen: „Wie ihr vorhin seid blieben in dem einfältigen Verstand, so bleibet auch itzund. Die Schlüssel werden gegeben dem, der auf diesem Fels durch den Glauben steht. Nun kann man keine Person ansehen, die da bleibt stehen auf dem Fels; denn der fällt heute, der andere morgen, wie St. Peter gefallen ist. Darum ist Niemand bestimmt, dem die Schlüssel angehören, denn der Kirchen, das ist denen, die auf dem Felsen stehen. Die christliche Kirche hat allein die Schlüssel, sonst Niemand; wiewohl sie der Papst und der Bischof können brauchen, als die, welchen es von der Gemeine befohlen ist. Ein Pfarrherr pflegt des Amts der Schlüssel, tauft, predigt, reicht das Sacrament und thut andre Amt, damit er der Gemeine dienet, nicht von seinetwegen; denn er ist ein Diener der ganzen Gemeine, welchem der Schlüssel gegeben ist, ob er gleichwohl ein Bub sei. Denn so er's thut an Statt der Gemeine, so thut es die Kirche, thut es denn die Kirche, so thut es Gott, denn man muß einen Diener haben. Denn wenn die ganze Gemeine wollte hinfallen und taufen, so möchten sie wohl das Kind ersäufen, denn es gingen tausend Hände darnach: das taugte gar nichts. Darum muß man einen Diener haben, der solches pflege an Statt der Gemeine.“ — Man sieht, wie alle Aus⸗ sprüche Luthers hinauslaufen auf das Grundprincip: die Kirche hat die Schlüssel, die Kirche, die durch den Glauben auf dem Felsen steht, und zwar in solcher Weise, daß sie, die Kirche, da steht als die handelnde, Sünde vergebende, als die, die principaliter und immediate (wie die Symbole sagen, und wie sie es gewiß nur sagen in dem hier von Luther bezeugten Sinn) den Beruf, Befehl und Vollmacht der Schlüssel hat, und die Kirche, thut dieses ihr Werk durch ihre Diener und Boten. Ich begreife nicht, warum man sich gegen die Anschauung Luthers von den Schlüsseln sträuben möchte. Ist doch allen unberechtigten Eingriffen von Laien, aller Herabwürdigung des Pfarramts vollkommen hinreichend vorgebeugt dadurch, daß alle öffentliche und ordnungsmäßige Ausübung der Schlüsselgewalt nach Gottes Gebot den berufenen Kir⸗ chendienern befohlen ist und bleibt. Und wie erhaben und herrlich ist doch an und für sich die Anschauung Luthers von der Kirche, als der königlichen Priesterin, die in stets gleicher himmlischer Kraft und Schönheit da steht, bindet und löst, unangesehen durch welcherlei Werkzeuge sie es thut; welche